Schaulustige und Rettungskräfte bevölkern den Unglücksort in Backnang: In der alten Lederfabrik (gelbes Gebäude) starben sieben Kinder und deren Mutter. Foto: dpa

Landesbranddirektor Hermann Schröder geht im Fall Backnang von einer langer Vorbrandphase aus. Alarmmelder werden bald Pflicht.

Stuttgart - Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 500 Menschen bei Bränden. In den meisten Fällen sind dabei nicht die Flammen tödlich, sondern der Rauch. Dies war mutmaßlich auch in Backnang der Fall. „Wir gehen von einer sehr langen Vorbrandphase aus“, sagt Landesbranddirektor Hermann Schröder. „Durch die Rauchentwicklung und die Atemgifte ersticken die Menschen im Schlaf.“ Das Haus bestehe aus einer Holzkonstruktion, es sei dann wahrscheinlich zu einer „schlagartigen Durchzündung“ gekommen. „Die Menschen hatten keine Chance. Darum empfehlen wir Rauchmelder“, so Schröder.

Die Warnsysteme sollen auch in Baden-Württemberg zur Pflicht werden – so wie bereits in zehn Bundesländern. Derzeit sind nur in jeder zehnten Wohnung Rauchmelder installiert. Vorreiter einer gesetzlichen Regelung war Rheinland-Pfalz. Neubauwohnungen müssen dort seit 2004 ausgerüstet werden. Vorgeschrieben werden je ein Rauchmelder in Schlaf- und Kinderzimmern sowie in Fluren, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen. Auch ohne Gesetz empfiehlt die Feuerwehr einen Mindestschutz von einem Rauchmelder pro Wohnung, angebracht zwischen Wohn- und Schlafbereich.

Vorschriften noch unklar

In Baden-Württemberg soll nach dem Wunsch der grün-roten Regierung noch in diesem Jahr die Pflicht von Rauchmeldern in der Landesbauordnung verankert werden. Wie die Vorschriften genau aussehen, ist noch unklar. Vor dem Fertigen des Entwurfs werden erst noch die Verbände gehört.

Allerdings betrifft das Gesetz zunächst nur Neubauten. „Für den Bestand brauchen wir eine mehrjährige Übergangsfrist“, sagte Andrea Lindlohr, Grünen-Fraktionsvize im Landtag, bei der Ankündigung des Vorhabens Anfang Dezember.

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