Das Tor zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers in Dachau: Im Jahr 2014 wurde die Aufschrift „Arbeit macht frei“ gestohlen, die dort zu sehen war. Foto: dpa

Zehn Mädchen und Buben aus dem Familien- und Nachbarschaftszentrum waren in Dachau.

Stuttgart-Botnang - Die Gräueltaten des Nazi-Regimes liegen mehr als 70 Jahre zurück. Damit sich das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht wiederholt, sollen die fürchterlichen Geschehnisse, Verfolgungen und Morde nicht in Vergessenheit geraten.

Auch im Konzentrationslager in Dachau starben Zehntausende Menschen. Wie die Inhaftierten dort damals eingepfercht, behandelt und schließlich auch teilweise ermordet wurden, davon konnten sich vor einigen Tagen auch zehn Botnanger Jugendliche ein Bild verschaffen. Die Idee zu diesem Ausflug kam von den Mädchen und Buben selbst, die regelmäßig das Familien- und Nachbarschaftszentrum (FuN) an der Paul-Lincke-Straße besuchen. „Es war ein komisches Gefühl, dort zu sein. Aber am Ende der Führung habe ich mich gefreut, weil diese furchtbaren Verbrechen vorbei sind und wir jetzt in einer Demokratie leben“, betont Prince.

Der 14-Jährige ist in Ghana geboren. Aufgrund seiner Hautfarbe war er selbst schon einige Male mit Rassismus konfrontiert. „Meist sind es Leute, die zu viel getrunken haben. Ich versuche diesen Menschen dann schnell aus dem Weg zu gehen“, sagt der Realschüler aus Botnang.

Der Bezirksbeirat hat einen Zuschuss in Höhe von 1100 Euro bewilligt

Auch der gleichaltrige Yasir war mit dabei, als es ins Konzentrationslager nach Dachau ging: „Es war beeindruckend und traurig zugleich.“ Er hatte sich mit der Thematik schon in der Schule befasst. Aber selbst direkt vor Ort zu sein, war noch einmal etwas ganz anderes. Das sah Prince genauso: „Falls ich in der Zukunft Kinder habe, werde ich auf jeden Fall mit ihnen hierher kommen.“

Der Leiter des FuN, Gerald Bosch, und Tim Weber von der Mobilen Jugendarbeit sind auch noch Tage nach dem Besuch der Gedenkstätte emotional ergriffen. Zum einen aufgrund der dort gewonnenen Eindrücke, zum anderen aufgrund des Umgangs der Jugendlichen mit der Thematik. „Wir haben im Vorfeld und auch einen Tag vor dem Besuch des KZ in einer Augsburger Jugendherberge intensiv mit den vier Mädchen und sechs Jungs gearbeitet. Sie waren wirklich mit sehr viel Eifer dabei“, betont Weber. Die Bildungsreise habe bei den Jugendlichen einiges bewegt. „Klar, war es erst einmal nur ein Anstoß. Aber wir bleiben dran.“ Für nächstes Jahr könne man sich vorstellen, die Stolpersteine in Botnang aufzusuchen. „Es kam auch schon der Vorschlag, das EU-Parlament in Brüssel zu besuchen“, sagt Bosch. „Da waren wir wirklich beeindruckt. In der Vergangenheit war eher gewünscht, in verschiedene Freizeitparks zu gehen. Auch da hat ein Umdenken stattgefunden.“

Ermöglicht hatte den Ausflug unter anderem der Bezirksbeirat, der einen Zuschuss in Höhe von 1100 Euro bewilligte.

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