Seit Tagen gibt es bundesweit Bombendrohungen gegen Schulen und andere Einrichtungen. Die Welle hat jetzt auch Stuttgart erreicht. Die Hintergründe sind unklar, die Zahl der Fälle steigt.
Die E-Mails ploppen innerhalb kurzer Zeit auf. Insgesamt drei Einrichtungen in Stuttgart bekommen am Montag und Dienstag äußerst unliebsame elektronische Post. Beim SWR, beim Jobcenter und bei der Polizei, genauer gesagt beim Innenstadtrevier in der Theodor-Heuss-Straße, gehen Bombendrohungen ein. „Alle drei waren an die entsprechenden offiziellen E-Mail-Adressen der Einrichtungen gerichtet“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke. SWR und Jobcenter wenden sich an die Polizei. Wie man dort im Detail reagiert, wollen die Ermittler aus taktischen Gründen nicht verraten. Bomben werden jedenfalls nicht gefunden. Der Staatsschutz hat die Fälle übernommen.
Klar ist aber, dass die Drohungen in einen größeren Hintergrund eingebettet sind. Die Vorfälle in Stuttgart stünden mutmaßlich im Zusammenhang mit einer bundesweiten Serie, so Starke. Dementsprechend habe man sie zwar ernst genommen, die Bedrohungslage aber nach einer genauen Prüfung der Umstände nicht als so hoch eingeschätzt, dass man zu umfangreichen Maßnahmen gegriffen hätte. In anderen Fällen hatte es Evakuierungen gegeben. Darauf habe man in Stuttgart verzichtet, sagt die Sprecherin.
Im Falle der drei bedrohten Einrichtungen hätte man dabei wohl mindestens mehrere Hundert Menschen aus den Gebäuden holen müssen, wenn nicht mehr. Eine SWR-Sprecherin sagt dazu: „Wir waren genau wie viele andere Einrichtungen am Dienstag in Deutschland betroffen. Nach Rücksprache mit der Polizei gab es keine akute Bedrohungslage. Insofern war keine Evakuierung geboten.“ Die Arbeit lief weiter.
Seit Tagen wächst die Zahl entsprechender Vorfälle in ganz Deutschland und auch in Baden-Württemberg. Oft stehen Schulen im Blickpunkt, auch das ZDF in Mainz war bereits betroffen. In dieser Woche hat es bereits ähnliche Drohungen in Karlsruhe oder Mannheim gegeben. Im Normalfall treffen sie per E-Mail ein. Teils wurde daraufhin der Unterricht in Schulen abgebrochen, manchmal Menschen aus den Gebäuden geholt und die Häuser durchsucht, manchmal aber auch nicht. Derzeit geht die Polizei von Fall zu Fall unterschiedlich vor.
Bisher ermittelt jeder für sich
Über die Hintergründe der Bombendrohungen ist bisher nichts bekannt. Die Ermittler schweigen sich darüber aus, ob ein einheitliches Muster erkennbar ist oder ob es sich um unterschiedliche Täter handeln könnte. „In den vergangenen Tagen wurden sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg anonyme Drohschreiben festgestellt, die an verschiedene Einrichtungen und Institutionen verschickt wurden. Zum jetzigen Zeitpunkt kam es in keiner der zur Rede stehenden Drohungen zu einem tatsächlichen Eintritt eines schädigenden Ereignisses“, sagt David Fritsch, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg. Es wurde bisher also nirgendwo tatsächlich eine Bombe gefunden.
Fritsch bestätigt, dass bisher jede zuständige Polizeidienststelle gemeinsam mit der jeweiligen Staatsanwaltschaft selbstständig ermittelt. „Es wurde keine zentrale Übernahme der Fälle im Bund oder Land festgelegt. Jedes Präsidium bearbeitet die Fälle autark“, sagt er. Zu möglichen Zusammenhängen könne man wegen der laufenden Ermittlungen nichts sagen.
Zusammenhang mit Hamas?
Den öffentlich häufig geäußerten Verdacht, die Serie könnte mit den Anschlägen der Hamas in Israel und der anschließenden massiven Auseinandersetzungen zu tun haben, wollen die Ermittler nicht kommentieren. Fritsch sagt aber, dem LKA seien „aktuell keine Aktivitäten der Hamas oder pro-palästinensischer Gruppen in Baden-Württemberg bekannt“. Was bei einer bundesweiten Serie zunächst aber auch nicht viel bedeuten muss.