Ein Klotz an der Stadtgrabenstraße: in dem Container steckt Messtechnik Foto: factum/Granville

Seit dem 1. Januar wird in Böblingen Stickoxid und Feinstaub gemessen. Auch in Sindelfingen werden Proben genommen.

Böblingen - Die Luftqualität am Böblinger Schlossbergring wird seit dem Jahresbeginn genau untersucht: Pünktlich am 1. Januar hat die Dekra drei graue Kästen an der Poststraße, auf dem Postplatz und an der Stadtgrabenstraße aufgestellt. In den klimatisierten Containern stecken Messgeräte, die über das gesamte Jahr 2018 hinweg sekündlich die Belastung mit Stickstoffdioxid ermitteln. Die Stadt lässt sich die Untersuchung fast 60 000 Euro kosten. Auch in Sindelfingen wird seit dieser Woche die Luftqualität kontrolliert: Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) hat in der Hanns-Martin-Schleyer-Straße Messgeräte aufgestellt. Die Stadt dehnt die Untersuchung möglicherweise noch aus.

Dass in der Böblinger Altstadt dicke Luft herrscht, hat eine stichprobenartige Untersuchung im Jahr 2016 ergeben. Auf Antrag der Gemeinderatsfraktion der Grünen war zwischen April und Juli an sechs Stellen in der Stadt und in Dagersheim mittels Passivsammlern das Stickstoffdioxid gemessen worden. Überall lagen die Werte im grünen Bereich – bis auf den Schlossbergring. Der durch eine Hochrechnung ermittelte Jahresdurchschnittswert des Messpunkts Poststraße lag mit 54 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft sogar deutlich über dem seit 2010 geltenden Grenzwert von 40 Mikrogramm. Auf eine Feinstaub-Messung, die 16 000 Euro zusätzlich gekostet hätte, verzichtete der Gemeinderat. Diese Problematik besteht laut der LUBW nur am Stuttgarter Neckartor.

Laufend werden Minutenmittelwerte errechnet

„Da steckt viel Technik drin“, sagt Steffen Gerdung über die Kästen der Dekra. Über ein Edelstahlrohr wird dem Sachverständigen für Luftreinhaltung zufolge die Luft in das Messgerät gesaugt, als erstes werden die Partikel herausgefiltert. Das übrig bleibende Gas kommt danach in eine Messzelle, wo die Moleküle mit Ozon angeregt werden, um deren Strahlung mit Detektoren messen zu können. „Da läuft eine Menge an Daten zusammen“, sagt der Dekra-Ingenieur. Laufend werden Minutenmittelwerte errechnet. Am Ende entsteht auf diese Weise ein praktisch lückenloses Luftbild von der Altstadt.

„Wir sind selbst überrascht, dass wir an der Reihe sind“, sagt Ulrike Egenolf vom Amt für Grün und Umwelt über das Messprogramm der LUBW in Sindelfingen. Seit dem 1. Januar misst die Landesanstalt ein ganzes Jahr lang mittels Passivsammlern den Stickstoffdioxidgehalt in der Nähe des Bahnhofs. Den Zeitraum hat die Europäische Union so vorgegeben. „Dann wissen wir, ob es ein Problem gibt oder nicht“, sagt die Leiterin der Abteilung Umwelt.

Weil die Grünen im Gemeinderat im vergangenen Jahr ebenfalls eine Luftkontrolle beantragt hatten, werde darüber hinaus überlegt, an zwei, drei weiteren Stellen in der Stadt Messgeräte zu installieren, kündigt Ulrike Egenolf an. Die Standorte sollen mit Experten ausgewählt werden.

66 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft

Anders als Böblingen steht Sindelfingen auf einer Prioritätenliste der LUBW. In der Region Stuttgart gehören noch Esslingen, Backnang, Leinfelden-Echterdingen und Göppingen dazu. Sie entstand in den Jahren 2003 bis 2005: Damals fragte die Landesanstalt bei sämtlichen Kommunen den Untersuchungsbedarf ab. Wo ein entsprechend hohes Verkehrsaufkommen vorlag, wurde nachgemessen.

An der Hanns-Martin-Schleyer-Straße kamen dabei 66 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft zusammen. „Der Wert für Böblingen lag wesentlich niedriger“, erklärt Christiane Lutz-Holzhauer die Prioritätensetzung der Landesanstalt. In der Böblinger Poststraße wurden 53 Mikrogramm ermittelt – zu wenig für die Liste.

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