Die Testfläche mit dem künftigen Bodenbelag für den Marktplatz wurde wegen Schäden bereits erneuert. Foto: Martin Haar

Die Bodenplatten auf einem Testfeld vor dem Stuttgarter Rathaus sind nach kurzer Zeit geplatzt, angeblich weil sie falsch verlegt wurden. Jetzt wurden die beschädigten Platten ausgetauscht – die zweite Test beginnt.

S-Mitte - Die Stadt lässt sich die Umgestaltung des Marktplatzes vor dem Rathaus etwas kosten. Nach der letzten Rechnung soll sich die Sanierung auf rund 11,6 Millionen Euro belaufen. Damit die Bürger sehen, was mit ihren Steuern angestellt wird, ist die Verwaltung um Transparenz bemüht. Unter anderem ist an einer Musterfläche der künftige Belag zu begutachten. Auf der Testfläche vor Baitinger Dessous soll die neue Bepflasterung sichtbar, aber gleich auch auf Belastung getestet werden.

Offenbar ist sind die Stadt und der Gemeinderat aus Schaden klug geworden. Jedem dürfte die Auseinandersetzung um die Belagswahl rund um das Kunstmuseum in Erinnerung sein. Noch heute ist das Ergebnis sichtbar. Der Muschelkalkbelag hat große Schäden. Die Auswahl des Belags war zwar aus Sicht der Architekten passend, aber eben nicht alltagstauglich. Schon gar nicht, wenn täglich Skateboards über die Steine des Kleinen Schlossplatzes brettern.

„Kartoffelacker“ rund ums Kunstmuseum

Der Muschelkalkbelag rund ums Museum bröckelte bereits kurz nach seiner Verlegung, viele Platten mussten ausgetauscht werden. Die Stadt stritt mit dem Lieferanten um Schadenersatz. Damals orakelte ein Werkstoffgutachter und Lehrbeauftragter am geologischen Institut der Uni Stuttgart: „Man wird damit leben müssen, dass viele Platten Löcher in der Oberfläche bekommen, das wird einmal aussehen wie ein Kartoffelacker.“ Der Mann sollte Recht behalten.

Ein zweites Desaster dieser Art soll natürlich vermieden werden. Zumal auf dem Marktplatz die Belastungen ungleich höher sind als auf dem Areal rund ums Kunstmuseum. Der Wochen-, der Weihnachtsmarkt und viele Veranstaltungen verlangen einen belastbaren Untergrund. Insofern ist es nachvollziehbar, den künftigen Granitbelag zu testen. Und siehe da: Schon nach kurzer Zeit gab das Material nach. Auf den Platten zeigten sich Risse und Löcher.

Davon zeigte sich auch die Stadtverwaltung überrascht. „Sie haben Recht“, antwortete ein Sprecher der Stadt Stuttgart auf den Hinweis zu den Schäden: „Einige Teile sind abgeplatzt. Der Grund dafür ist laut Tiefbauamt, dass die Platten auf der Musterfläche zu eng verlegt wurden. Das war ein Fehler, der behoben wird. Die Platten und die Fugen werden in den nächsten Tagen neu aufgebracht.“ Tatsächlich meldete der Sprecher knapp eine Woche darauf: „Platten werden gerade ausgetauscht.“

Auf Bruch verlegt

Ein Sachverständiger für Bodenbeläge bestätigt die Einschätzung des städtischen Tiefbauamtes, nachdem er die Fotos der beschädigten Platten analysiert hatte. „Die Platten wurden auf Bruch verlegt, da können solche Schäden vorkommen.“ Um eine genauere Expertise abzugeben, benötigt der Fachmann eine detailliertes Materialbeschreibung die Information darüber, wie der Untergrund der Platten sei.

In jedem Fall ist er nun sehr gespannt, ob der Bodenbelag den künftigen extremen Belastungen auf dem Marktplatz standhält.

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