Beim Fest des Arbeitskreises Birkach-Nord und der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft sollen Kinder mit und ohne ausländischen Wurzeln Spaß haben. Foto: Milankovic

Mehmet Bozdemir, sachkundiger Einwohner im Bezirksbeirat, beklagt den mangelnden Einsatz der Lokalpolitiker für die Belange des Birkacher Nordens.

Birkach - Es ist so etwas wie die Probe aufs Exempel: Hansjörg Peters, Sprecher der CDU-Fraktion im Birkacher Bezirksbeirat, fällt auf Anhieb nicht ein, welche Themen die Anwohner im Birkacher Norden umtreiben. Da müsse er auf die Schnelle passen, sagt er. Sein Kollege von den Grünen, Klaus Benkmann, verweist auf das Wirken seiner Partei im Stillen. Er nennt die Lage in den Sozialwohnungen an der Erisdorfer Straße ein Problem. Die Grünen sprechen allerdings darüber lieber mit den Stadträten als in der Öffentlichkeit oder im Bezirksbeirat. Im Gemeinderat sitzen schließlich diejenigen, die entscheiden, sagt der Grünen-Politiker.

Mehmet Bozdemir, ausländischer sachkundiger Einwohner im Bezirksbeirat, vermisst dennoch klare Worte der Lokalpolitiker zu Vandalismus oder Lärmbelästigung an der Erisdorfer Straße. Das Argument der eingeschränkten Befugnis des Gremiums gilt für ihn nicht. „Es geht ja darum, zu zeigen, dass sie sich überhaupt für unsere Probleme interessieren“, sagt er. Bozdemir ist auch damit unzufrieden, wie die Bezirksbeiräte ihre eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten nutzen – oder vielmehr nicht nutzen. „Beim Thema Kitabau auf dem Gelände der ehemaligen Rinderunion hätten sie etwas erreichen können, weil sie ganz früh schon von den Planungen wussten. Aber sie haben es nicht getan.“

Der Ehrenamtler sieht darin ein Versäumnis, das für die Lokalpolitiker bezeichnend ist. Er sieht ein allgemein geringes Interesse am Birkacher Norden. Und seinen Bewohnern, die oft ausländische Wurzeln haben. Es geht ihm dabei auch um das Atmosphärische. Und da sind zumindest aus seiner Sicht dunkle Wolken aufgezogen zwischen ihm und den Bezirksbeiräten, aber auch insgesamt zwischen Birkachern mit und ohne Migrationshintergrund.

Bozdemir wünscht sich mehr Präsenz der Lokalpolitiker

Bozdemir bedauert es, dass die Bezirksbeiräte nicht mehr an den Sitzungen des Arbeitskreises Birkach-Nord teilnehmen. „Sie verpassen damit die Chance, sich über unsere Probleme auf dem Laufenden zu halten.“ Hansjörg Peters und Klaus Benkmann betonen für ihre Fraktionen, dass nicht Desinteresse der Teilnahme entgegensteht, sondern die zeitliche Auslastung der Bezirksbeiräte. Der Arbeitskreis trifft sich einmal alle sechs Wochen.

Eine andere Gelegenheit zum Austausch böte sich den Lokalpolitikern bei den Sitzungen im Bezirksbeirat, zu denen Bozdemir als sachkundiger ausländischer Einwohner geladen ist. „Allerdings suchen eher die Plieninger Kollegen das Gespräch mit mir als meine Birkacher Bezirksbeiräte.“ Auch bei den Straßenfesten, die der Arbeitskreis Birkach-Nord und die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) seit 2009 jährlich veranstaltet, wünscht er sich mehr Präsenz der Lokalpolitiker – und der Birkacher Bürger ohne Migrationshintergrund insgesamt. „Es ist frustrierend, weil auch nach Jahren der Bemühungen immer noch gilt, ,wir hier und die da drüben’.“ Bozdemir erklärt sich die Berührungsängste mit dem Bild, das viele Birkacher und vielleicht auch einige Bezirksbeiräte von den Bewohnern der Erisdorfer Straße haben. Die 90er-Jahre seien schwierig gewesen, sagt er. „Ich bin 1993 an die Erisdorfer Straße gezogen und habe erlebt, wie sich die Gegend in ein Ghetto verwandelt hat, weil die Deutschen weggezogen sind.“

Ausdrücklich lobt Bozdemir die Bemühungen des Bezirksvorstehers Edgar Hemmerich in den vergangenen Jahren. Er habe vieles dafür getan, die Migranten näher an den Rest von Birkach heranzuführen und habe immer ein offenes Ohr für ihre Belange. Einen solchen Einsatz wünscht er sich gleichfalls von den Lokalpolitikern. Weil Desinteresse den Integrationswillen entmutigt, sagt er: „Man kann ein Familienmitglied nicht einfach wegdrängen, aber man kann ihm durchaus zeigen, dass es nicht willkommen ist.“

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