Foto: Piechowski

Stadtbibliothek: Bisher 240.000 Besucher - Zusätzlicher Aufzug wird im Sommer eingebaut.

Stuttgart - Vor knapp 100 Tagen wurde die neue Stadtbibliothek eröffnet. Hundertprozentig geklappt hat vieles anfangs noch nicht. Mittlerweile sind laut Bibliothekschefin Ingrid Bussmann die meisten Probleme behoben. Ein neu gegründeter Freundeskreis soll das Haus nun bei seiner Projektarbeit unterstützen.

In den 96 Tagen, die der Büchertempel am Mailänder Platz in Betrieb ist, sind bereits 240000 Besucher dorthin geströmt. Und keiner hat nasse Füße bekommen: Das in den Boden eingelassene Wasserbecken im Erdgeschoss, in das viele Gäste bei der Eröffnung gestolpert sind, wurde trockengelegt. Sprudeln soll es erst wieder, wenn sich die Bibliotheksleiterin und der Architekt Eun Young Yi auf eine Lösung geeinigt haben, bei der der Brunnen besser zu erkennen ist und die zum ästhetischen Konzept des Hauses passt.

Die meisten Besucher kommen mit der Stadtbahn

Das Sicherheitspersonal, das da war, um im Notfall die Brandschutztüren von Hand zu öffnen, ist weg: Der Öffnungs- und Schließmechanismus der Türen funktioniert längst wieder. Und Kritik wegen fehlender Parkplätze scheint ausgeblieben zu sein. "Die meisten Besucher gehen über den Steg. Das heißt, sie kommen mit der Stadtbahn. Für die Autofahrer reichen die vorhandenen Plätze", sagt Bussmanns Stellvertreterin Christine Brunner. Allerdings müssen sich die 3000 bis 3500 Besucher, die derzeit täglich in die Bibliothek kommen, vor den Aufzügen immer noch auf Wartezeiten einstellen. Der dritte Aufzug, der aus Kostengründen gestrichen wurde, wird erst im Sommer für 400 000 Euro eingebaut.

Trotz dieses Wermutstropfens ist Bibliotheksleiterin Ingrid Bussmann mit der bisherigen Bilanz zufrieden: Mit 5000 neuen Nutzern seit der Eröffnung verzeichnet sie dreimal so viele Neuanmeldungen wie im Vergleichszeitraum 2009/2010. Die Zahl der ausgeliehen Bücher, CDs und DVDs hat sich mehr als verdoppelt. "Im gleichen Zeitraum haben wir im neuen Haus im Vergleich zum Wilhelmspalais mehr als 300 000 Ausleihzahlen. Die Steigerung macht sich vor allem bei den Büchern bemerkbar", stellt Bussmann fest. Stolz ist die Bibliothekschefin auch auf das Veranstaltungsangebot: Seit der Eröffnung hätten rund 4000 Menschen 40 Lesungen und Vorträge besucht. Zu 25 Expertengesprächen seien 500 Interessierte gekommen. Außerdem seien 30 Veranstaltungen für Kinder und 200 Führungen organisiert worden. Bussmann ist überzeugt, dass sich das neue Haus auch auf die Stadtteilbibliotheken auswirkt. Denn auch dort seien seit der Eröffnung die Besucherzahlen gestiegen.

Projekt soll Leselust fördern

"Die Bibliothek wird es zum Jahresende wohl auf mehr als Million Besucher bringen", ist Oberbürgermeister Wolfgang Schuster überzeugt. Er ist Schirmherr des neu gegründeten Freundeskreises der Stadtbibliothek. Der Freundeskreis, dessen Vorsitzender Berthold Leibinger (Aufsichtsratsvorsitzender der Trumpf-Gruppe) ist, hat bisher neun Mitglieder. "Wir wollen nicht möglichst viele Mitglieder, sondern Leute, die Ideen einbringen und umsetzen", sagt er. Ziel sei es, Schichten für die Stadtbibliothek zu begeistern, die noch nicht zu ihren Besuchern gehören, sowie junge Leute. Gedacht ist laut Leibingers Stellvertreter Armin Kogge zum Beispiel daran, eine Medienjury aus Gymnasiasten, Haupt- und Realschülern zusammenzustellen. Die Jury soll nach von ihr selbst festgelegten Kriterien rund 60 Buchneuerscheinungen beurteilen. Dadurch, dass das Projekt auf fünf Monate angelegt ist und verlängert werden kann, soll es gelingen, die Jugendlichen langfristig zu binden, ihre Leselust zu fördern und ihre Diskussionsfähigkeit zu schulen.

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