Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Bilder

Stadtbibliothek Ein Würfel für die Lern- und Leselust

Eva Funke, Fotos: Beytekin, vom 21.10.2011 22:48 Uhr
vorherige Bild 1 von 66 nächste
 Foto: Beytekin
Foto: Beytekin
Siehe auch

Stuttgart - Drei Jahre wurde gebaut. Knapp zwei Monate dauerte der Umzug. Am Freitagabend wurde die neue Stadtbibliothek am Mailänder Platz festlich eingeweiht. "Ein außergewöhnlicher Ort des lebenslangen Lernens", lobte OB Wolfgang Schuster den rund 80 Millionen Euro teuren Kubus hinterm Hauptbahnhof.

Wird der Steg von der Stadtbahnhaltestelle Türlenstraße zur Bibliothek rechtzeitig für die Fußgänger freigegeben? Das war die entscheidende Frage für Bibliothekschefin und Hausherrin Ingrid Bußmann. Denn das Gelände war bis zur Einweihung als Baustelle ausgewiesen und durch Bauzäune abgeriegelt. Ihre Sorge war unbegründet: Mit der Bibliothek wurde auch der Steg für die Öffentlichkeit freigegeben. Wer von den rund 400 geladenen Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft mit Bus oder Bahn statt dem eigenen Wagen zum Festakt vorfuhr, konnte bequem zu Fuß über den Steg zum neuen Medientempel gelangen.

Nicht nur die Freigabe des Stegs hat geklappt. Auch die Maler, die bis zum letzten Tag noch die Treppengeländer in der fünfgeschossigen Galerie gestrichen haben, sind mit ihren Pinseln und Farbkübeln abgerückt. Das Gerümpel auf dem Gelände vor dem Neubau war weg und die Plastikfolie von Sitzbänken im Freien entfernt, so dass nichts den Blick der Gäste auf den Bücherwürfel störte. Der zeigte sich bereits von weitem im besten Licht, leuchtete blau in den nachtschwarzen Himmel. Die Gäste waren beeindruckt. Und eine Mitarbeiterin stellte hinter vorgehaltener Hand fest: "Man sollte kaum meinen, dass bis gestern noch alles drunter und drüber ging."

Vom Schlussstein zum Eckstein

Oberbürgermeister Wolfgang Schuster wies darauf hin, dass der Weg für die Besucher in die neue Zentralbibliothek der Stadt noch etwas beschwerlich sei, dies aber durch die besondere Atmosphäre des Hauses wieder wettgemacht werde. "Das Haus macht Lust auf Lernen und Lesen, auf Begegnung, auf Reflektieren und Arbeiten", sagte er und erinnerte an den langen Weg vom Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vor 14 Jahren, eine neue Stadtbibliothek zu bauen, bis zur Fertigstellung des Gebäudes. "Eigentlich sollte die Bibliothek Schlussstein des Europaviertels werden. Denn der Zeitplan der Deutschen Bahn sah die Fertigstellung des Projekts Stuttgart 21 im Dezember 2009 vor. Jetzt wird die Bibliothek Eckstein für den ersten Teil des Europaviertels, eines künftigen lebendigen bunten Stadtquartiers mit rund 1000 Wohnungen, mit der Sparkassenakademie Baden-Württemberg, mit Restaurants, einer großen Zahl von Geschäften und Dienstleistungen."

Der koreanische Architekt Eun Young Yi, der den Neubau konzipiert hat, stellte die Bedeutung der Bibliotheken für die Gesellschaft heraus. "Früher hat eine Kirche oder ein Palast den Mittelpunkt einer Stadt gebildet. In der modernen Gesellschaft rückt die Bedeutung für individuelle Wissensvertiefung in den Mittelpunkt", sagte er.

Hausherrin und Bibliothekschefin Ingrid Bußmann lobte den Bau Yis: "Ihre Vision ist aufgegangen. Sie haben ein Haus entworfen für die Menschen in dieser Stadt, egal welcher Herkunft, welcher Generation, welcher sozialen Schicht." Bei aller Euphorie darüber, dass es keine wirklichen Pannen gab, der Eröffnungstermin gehalten wurde und die Bibliothek am Montag, dem "Tag der Bibliotheken", wie geplant ihren regulären Betrieb aufnimmt, nahm sie aber auch ein Stück Kritik vorweg. Noch funktioniere nicht alles hundertprozentig, Testläufe seien aufgrund des engen Zeitkorsetts ausgefallen, sagte sie und bat um Verständnis, falls eventuell im Alltag noch nicht alles rund läuft. Ihrer Einladung, durchs Haus zu flanieren, folgten die Gäste gern. Für die Chefin selbst dürfte es der erste Tag gewesen sein, an dem sie das Haus in Ruhe durchschritt. Denn bis zur Eröffnung war sie nur im Laufschritt unterwegs, musste statt des Aufzugs oft die Treppen nehmen. Denn die beiden Fahrstühle vom Erdgeschoss ins achte Obergeschoss waren meist durch die Arbeiter blockiert.

Aufs Treppensteigen einstellen müssen sich vermutlich auch die Nutzer in den kommenden Tagen. Denn die neue Stadtbibliothek rechnet in der Eröffnungswoche mit enormem Besucherandrang. Den Schacht für einen dritten Aufzug gibt es zwar, doch wurde der aus Kostengründen ebenso gestrichen wie das Wasserbecken um den Bau.

Kommentare (5)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
OKT
23
11:45 Uhr, geschrieben von Kai-Uwe Bevc
Ein Alptraum in weiss
@Messner: Seit wann ist gemütlich = versifft und abgenutzt? Gemütlich bzw. neutraler ausgedrückt mit Aufenthaltsqualität geht schliesslich auch neu. Für mich hat der Innenraum jedenfalls auch keinerlei Aufenthaltsquaitäten. Alles verschwimmt in einem Rausch aus Weiss. Der Raum bekommt keine Kontur, sondern verschwimmt irgendwo in der Tiefe. Dazu nimmt die Höhe mit den Galerien auch noch den Halt in der 3. Dimension, so dass man sich völlig verloren fühlt. Diese Art von Innenraumgestaltung war mal modern. Das ist aber schon eine Weile her und war eigentlich ad acta gelegt, denn es ist Architektur, in der der Mensch nur stört. Aber sowas kommt natürlich bei den Entscheidern erst Jahrzehnte später an, wenn überhaupt. Bücherknast ist jedenfalls schonmal ein guter Spizname, der es sehr genau trifft. Gemischt mit dem klinischn Weiss könnte man auch auf Bücherklapse kommen.
OKT
23
10:23 Uhr, geschrieben von Isabelle Beaumot
Die Schwellenängste werden steigen...
.. wenn Bildung in stylisches Ambiente verpackt wird. Statt der Nestwärme des alten Wilhelm-Paalais wird der interessierte Besucher in überdimensioniert Räume gestellt, mit einem überdesingte Umgebung konfrontiert, die Ihn selbst klein und nichtig erscheinen läßt. Traut sich da denn der gewöhnliche Besucher überhaupt noch hin, wenn er den Anspruch verspürt zu Hause sein bestes Kleid aus der Tiefe seines Kleiderschrankes wühlen zu müssen, um passend gerichtet zu sein für das neue Event Bücherei? Wird Lesen da nicht zum Elite-Gut erhoben, statt das ganze Gewöhnlich, das Normale, das Übliche wie bisher zu sein?
OKT
22
17:58 Uhr, geschrieben von Juergen
Schilda
Stimmt es wirklich , daß in diesem 100 -Millionen - Projekt aus Spargründen nur Toiletten im Erdgeschoss sind ? Schilda ließe grüssen !
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste


Eltern fordern flexiblere Schulzeiten
Gesamtelternbeirat und Verwaltung informierten über das Ganztagskonzept und stießen auch auf Skepsis
Nebenrolle im Tatort wird verlost
Unter den Premieren-Guckern am Freitagabend wird eine Nebenrolle im nächsten "Tatort" verlost.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
23:45   EU-Kommission: Jugendarbeitslosigkeit mit Milliardensumme bekämpfen
23:43   Lafontaine für Generationswechsel an der Linken-Spitze
22:47   Dow schließt nach Berg- und Talfahrt kaum verändert
22:45   Magdalena Brzeska darf sich "Dancing Star 2012" nennen
22:44   USA halten sich mit Kommentar zu Bin-Laden-Arzt zurück
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Prospekte

Interaktiv
  • Umfrage
Facebook IPO

Das Soziale Netzwerk Facebook startete mit 38 Dollar pro Aktie - und legte einen der schlechtesten Börsengänge der vergangenen Jahre hin.  Wie reagieren Sie darauf?

 
Mit Schadenfreude! Ist doch gut, wenn der Facebook-Hype abschwächt
Mit Verwunderung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktie so abstürzt
Mit Verärgerung! Wie kann das sein? Facebook ist doch ein tolles Unternehmen
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise