Um zwei Sportwagen von Porsche dreht sich ein Betrugsprozess in Waiblingen. Foto: Porsche AG

Der Angeklagte soll 47 000 Euro Anzahlung auf zwei Porsche-Sondermodelle kassiert haben – ohne die beiden Sportwagen bisher geliefert zu haben. Der 47-Jährige ist bereits mehrfach wegen Betrugs vorbestraft.

Waiblingen - Wegen gewerbsmäßigen Betrugs muss sich ein 47-jähriger Mann aus Berlin seit Montag vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Anzahlung für zwei Porsche 911 Sondermodelle von insgesamt rund 47 000 Euro kassiert zu haben, ohne die Sportwagen zu liefern. Der Junior-Chefin des Unternehmens, das die Fahrzeuge im Dezember 2015 bestellt hatte, riss erst der Geduldsfaden, nachdem ein zugesagter Liefertermin nach dem anderen ohne Ergebnis verstrichen war. Neben zivilrechtlichen Schritten erstattete sie schließlich auch vorsichtshalber eine Strafanzeige.

Keine Lieferung nach der Anzahlung

Vor Gericht sagt der Angeklagte bisher nichts, weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen. Auch sein Verteidiger gibt sich wortkarg. So ist am ersten Prozesstag lediglich die Geschäftsführerin der geschädigten Firma zu Wort gekommen. Sie schilderte, wie der Vertrag über zwei Sondermodelle des Porsche 911 R zustande gekommen war und dass ihr Vater, der Firmengründer, ihr aufgetragen hatte, die Lieferung nicht aus den Augen zu verlieren. Die Anzahlung wurde vertragsgemäß entrichtet – die Lieferung habe jedoch nie stattgefunden.

„Ich habe mehrmals mit ihm telefoniert, es gab auch zig Mails“, erinnert sich die 33-jährige Geschäftsfrau, die als Zeugin unaufgeregt berichtet, wie ein zugesagter Liefertermin nach dem andere platzte. „Einmal haben wir sogar extra nachts gewartet, aber nichts ist passiert.“ Ärgerlich sei gewesen, dass einmal ausgerechnet an dem Wochenende der Stuttgarter Oldtimermesse Retro-Classics die Lieferung avisiert worden sei, an dem die Autohändler sowieso alle Hände voll zu tun hatten, und wieder nichts geschehen sei. „Ich hab immer noch gehofft, dass die Lieferung erfolgt“, erklärt sie, weshalb sie erst ein Jahr nach dem Vertragsschluss rechtliche Schritte einleitete. Eines der beiden Sondermodelle des begehrten Sportwagens habe sie bereits einem Stammkunden zugesagt.

Prozess wird vertagt

Ob die Autos je geliefert werden, ist mehr als zweifelhaft. Der Angeklagte hat 17 Vorstrafen, davon einige wegen Betrugs. Ein letztes Urteil vom Amtsgericht Hamburg von November 2017 ist noch nicht rechtskräftig, da sowohl Verteidigung als auch Anklage Rechtsmittel gegen das Urteil von zwei Jahren Haft eingelegt haben. In dem Betrugsprozess 2017 ging es ebenfalls um den Verkauf eines Porsches sowie um mehrere Rolex-Uhren . Auch hier sollen Anzahlungen geflossen sein – insgesamt 124 000 Euro – ohne dass die bestellten Güter geliefert worden seien.

Am Montag vertagte sich das Gericht, da noch zwei weitere Zeugen gehört werden sollen. Am 30. Juli wird weiterverhandelt.

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