Einen Steinwurf vom Backnanger Stadtturm entfernt, betreiben Jan Sengenberger und Selina Schöler das Lille Bønne: Das Café ist ein Kleinod für Freunde von Spezialitätenkaffees und Süßspeisen.
Ein Hauch von Dänemark und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee umweht die Gäste, wenn sie die Tür ins Lille Bønne öffnen. Ganz gleich, ob sie sich nach einem schnellen Espresso an der Bar sehnen, ein gemütliches Frühstück mit Cappuccino, Zimtschnecken, Joghurt oder belegten Paninis bevorzugen oder sie Lust auf einen Kaffeeklatsch mit frisch gebackenem Kuchen haben – an der Marktstraße 37 sind sie an der richtigen Adresse. Jan Sengenberger, Selina Schöler und ihr Team servieren dort seit rund einem Jahr leckere Spezialitätenkaffees und selbst gemachte Speisen.
Vom Bønne in Ludwigsburg zum Café in Backnang
Der 31-Jährige und seine Freundin Selina Schöler haben sich in der Backnanger Altstadt den Traum vom eigenen Café erfüllt. „Lille Bønne“ ist Dänisch und bedeutet „kleine Bohne“. Erfahrungen in der Gastronomie hat Sengenberger im Café seiner Schwester in Ludwigsburg, dem Bønne, gesammelt. So kam er auch ans eigene Café in Backnang. „Meine jetzige Vermieterin hatte einen Kaffee im Bønne getrunken, und es hat ihr so gut gefallen, dass sie meiner Schwester Räume in Backnang angeboten hat.“
Der studierte Betriebswirt ergriff die Chance und machte aus den leer stehenden dunklen Räumen, die zuvor ein Fotostudio und einen Friseursalon beherbergt hatten, das einladende Café mit hellen Räumen, einer Natursteinwand, viel Holz und noch mehr „Hygge“ – das ist ebenfalls Dänisch, bedeutet so viel wie „Gemütlichkeit“ und steht für ein besonderes Lebensgefühl der Behaglichkeit. „Wir haben den Norden in den Süden geholt, unsere Gäste sollen hier eine Verschnaufpause einlegen können.“ Dazu tragen auch die selbst gemachten Fotos aus Nordjütland bei. 16 Sitzplätze gibt es an Tischen, zehn zusätzliche am Thekenbereich und noch mal zwei Dutzend an Tischen im Außenbereich, die Treppenstufen nicht mitgezählt.
Erfahrungen bei der Rösterei Elbgold in Hamburg
Doch nicht nur im Service kennt sich Sengenberger aus. Sein Praxissemester hat er in der renommierten Hamburger Rösterei Elbgold absolviert, dort enge Kontakte in die Rösterszene geknüpft sowie Erfahrungen rund um die besonderen Bohnen gesammelt. Direkt gehandelter Kaffee von Produzenten in Äthiopien, Nicaragua, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Honduras, Peru, Brasilien, Indien und anderswo finden den Weg von Hamburg zwischen die Mahlscheiben Sengenbergers in der Marktstraße. Aber auch auf Bohnen anderer befreundeter Röster aus Tübingen und Stuttgart greift er zurück.
Neben einer klassischen Mischung, die Aromen von Schokolade und Nüssen bietet, hat der Barista stets auch eine andere Varietät im Bohnenbehälter, meist fruchtige Alternativen mit einem Hauch mehr Säure – ganz nach dem Geschmack der Gäste. „Mit Kaffee ist es wie mit dem Wein, er bietet unglaublich viele unterschiedliche Facetten“, sagt Sengenberger: „Unsere Idee war es, den Leuten zu zeigen, was Kaffee alles kann – aber wir zwingen es niemandem auf.“ Wer möchte, bekommt sein Heißgetränk klassisch serviert – ob als Filterkaffee oder aus der Siebträgermaschine.
Qualität statt Quantität
Für den kleinen oder größeren Hunger gibt es neben Milchreis, Müsli, Paninis und den Zimtschnecken nach eigenem Rezept auch eine Handvoll selbst gemachter Kuchen. „Es sind simple Kuchen, gut gemacht“, sagt der Inhaber. „Zitronenkuchen, Marmor, Karotte-Walnuss zum Beispiel – ein sehr gut gemachter Käsekuchen packt mich mehr als irgendetwas Abgefahrenes.“ Lieber eine kleine Karte mit feinen, frisch zubereiteten Getränken und Speisen, lieber Qualität statt Quantität.
Die Gäste scheinen dieses Credo zu goutieren: „Mein Sohn ist ein Kaffeekenner und Stammgast hier, er hat mir das Café empfohlen“, verrät ein älterer Herr auf Nachfrage. Er sei nicht zum ersten Mal im Lille Bønne, sagt der Senior und schwärmt vom tollen Service, den tollen Produkten – und nicht zu vergessen: dem Crème-brulée-Kuchen. „Alles ist frisch und mit Liebe gemacht“, sagt er. Nach seinem Espresso verlangt es den Herrn an diesem heißen Tag dann nach einer hausgemachten Limonade. Mehrere fruchtige Sorten stehen auch hier zur Auswahl.
„Unser Fokus liegt auf hochwertigem Kaffee und Süßem“, sagt Jan Sengenberger. Er ist zufrieden mit dem Feedback seiner Gäste: „Viele sagen, dass wir eine Bereicherung für Backnang sind.“ Ein paar mehr dürften es durchaus noch werden, wenn es nach dem Inhaber geht. Und hätte er einen weiteren Wunsch frei, dann wäre es zum Cafébetrieb die Rösterei. Latte-Art-Kurse bietet er schon an – für den Kaffeeschaum mit Herz.