Eines der wenigen Naubaugebiete mit Egentumswohnungen zwischen Killesberg und Pragsattel. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Immobilienpreise und Mieten steigen und steigen – sie bringen das soziale Gefüge der Stadt in Gefahr, meint unser Titelautor Sven Hahn.

Stuttgart - Wohnungssuchende sollten sich die folgenden Zahlen auf der Zunge zergehen lassen. Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Preis für eine gebrauchte Eigentumswohnung bei 2074 Euro pro Quadratmeter, aktuell sind es 3442 Euro. Bei ein und derselben 100-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das einen Preisanstieg um mehr als 150 000 Euro – von rund 228 000 Euro auf knapp 380 000 inklusive Kaufnebenkosten. Führt man sich dieses kleine Rechenexempel vor Augen, wird die ganze Dramatik der Entwicklung sichtbar.

Diese Zahlen bestätigen: Längst hat die Wohnungsnot die Mittelschicht erreicht. War die Anschaffung von Wohneigentum bislang eine der wenigen Strategien, um Altersarmut vorzubeugen, so ist der Erwerb einer Eigentumswohnung in der Landeshauptstadt für immer mehr Menschen inzwischen zu einem vollkommen unrealistischen Ziel geworden. Nun kommt es wie es kommen muss: Als Reaktion auf die gestiegenen Kaufpreise, ziehen die Mieten an und erreichen Dimensionen, wie sie in Deutschland sonst noch aus München bekannt sind. Somit wird das Wohnen in der Stadt immer mehr zu einem Luxus für wenige.

Überfüllte S-Bahnen, Staus und mehr Abgase

Die Folgen für die Stadt sind erschreckend: Menschen werden gezwungen, ihren Wohnort weiter ins Umland zu verlagern – längere Fahrtwege zur Arbeit, überfüllte S-Bahnen, Staus und mehr Abgase sind die Folgen. Schlimmer noch: Das soziale Gefüge droht ins Wanken zu geraten. Berufsgruppen, die den Zusammenhalt der Stadt garantieren – der öffentliche Dienst oder der Dienstleistungssektor – werden in Stuttgart bei der Wohnungssuche kaum mehr fündig. Aller Ideologie zum Trotz wird man dieser Entwicklung auf Dauer nur mit einer Vergrößerung des Angebots, das heißt mit mehr neuen Wohnungen, begegnen können.

sven.hahn@stuttgarter-nachrichten.de

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