Manni Laudenbach als Oskar Matzerath bei einer Performance in Bayreuth Foto: dpa

Auch ohne Arie kommen si e in Bayreuth ganz groß raus: Der kleinwüchsige Schauspieler Manni Laudenbach und die britische Dragqueen Le Gateau Chocolat sind die Publikumslieblinge bei den Festspielen.

Bayreuth - Wer vom diesjährigen Bayreuther Festspielpersonal muss gerade die meisten Autogramme geben, wenn er tagsüber durch die Innenstadt schlendert? Gute Chancen auf einen vorderen Rankingplatz haben Manni Laudenbach und Le Gateau Chocolat, die zwar weder Musiker noch Opernsänger, aber trotzdem in der diesjährigen „Tannhäuser“-Premiere ganz groß herausgekommen sind.

Der Regisseur Tobias Kratzer hat den offiziellen Besetzungszettel um zwei Positionen ergänzt: Der kleinwüchsige Laudenbach und die britische Dragqueen Le Gateau Chocolat (der Künstlername ist eine selbstbewusst-ironische Anspielung auf ihre Hautfarbe: „der Schokoladenkuchen“) bilden zusammen mit der schon Richard Wagner bekannten Venus (die Sopranistin Elene Zhidkova) jenes Sponti-Künstlerkollektiv, das im schrottreifen Citroën-Kleinlader durch Thüringen rumpelt und beim Burger King als Zechpreller polizeilich auffällig wird. Der Filmautor Manuel Braun hat hinreißende Videos dazu gedreht, die während der „Tannhäuser“-Ouvertüre auf einer Leinwand die Vorgeschichte der Kratzer-Inszenierung erzählen – und die dazu beitragen, wie unsere Kritikerin in ihrer Rezension bemerkte, dass wohl noch nie bei den Bayreuther Festspielen so viel gelacht wurde wie eben hier.

In Stuttgart kennt man Manni Laudenbach

Und das setzt sich in den kommenden Stunden fort, denn die Anarcho-Künstler begleiten die Geschichte intensiv weiter, unterhalten das Publikum in der ersten Pause mit einer Liveshow unter freiem Himmel, stürmen im zweiten Akt in Echtzeit über Leiter und Balkon das Festspielhaus (wieder live übertragen auf die Videoleinwand), enthüllen Transparente, durchforsten die Keller und Garderoben, ärgern Chorsängerinnen, die „zwischendurch“ mal aufs Klo müssen – während auf der Bühne ganz feierlich unter einem bombastischen Kronleuchter der Sängerwettstreit zelebriert wird. Besonders lustig ist der Moment, wenn Laudenbach und Chocolat an der Fotogalerie der Bayreuth-Dirigenten vorbeischlendern und die Dragqueen ausgerechnet Christian Thielemann anschmachtet. Und zum Finale des zweiten Aufzugs verhüllt sie die Bühnenharfe mit einer Regenbogenfahne, während Laudenbach auf einer Oskar-Matzerath-Trommel Krach schlägt.

Laudenbach ist ein Bühnenprofi. An der Stuttgarter Oper war er in Calixto Bieitos „Fliegendem Holländer“ zu erleben. Ein jüngeres Publikum kennt ihn aus Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ in der Rolle des Scherzanwalts Dr. Christian Witz. Eine Kollegin Laudenbachs, die Sängerin Katharina Konradi, die in dieser Saison in kleineren Rollen im „Tannhäuser“ und im „Parsifal“ zum Einsatz kommt, muss nach eigenem Bekunden damit leben, dass derzeit beim gemeinsamen Eisessen in der Fußgängerzone nicht sie, sondern ihr Begleiter angesprochen und um Autogramme gebeten wird. Im Übrigen lobt Laudenbach den Regisseur: „Er stellt mich nicht aus als Kuriosität. Ich bin ein vollwertiges Mitglied des Ensembles.“

Mehr Lob als Buhrufe

Deutlich schwerer mit der Bayreuther Atmosphäre tut sich Le Gateau Chocolat. Beim Schlussapplaus nach der „Tannhäuser“-Premiere war sie die Einzige aus der Riege der Darsteller, die von Teilen des Publikums ausgebuht wurde. „Was buht ihr da konkret aus?“, fragt sie nun zurück in einem dpa-Interview. „Ich habe keinerlei Fähigkeiten zur Schau gestellt außer meinem wirklich vorzüglich dargebotenen High Kick in diesem orangefarbenen Kostüm auf diesen außergewöhnlichen High Heels – was einen Applaus wert ist.“ Der Vollständigkeit halber muss hinzugefügt werden, dass ihr deutlich mehr Bravorufe und Begeisterungspfiffe galten. Wie überhaupt zum Schluss das Publikum dem Regisseur Kratzer sehr viel mehr Jubel schenkte als die ja eigentlich üblichen Bayreuther Buhrufe. Das Lob für die Inszenierung überwog bei Weitem.

Zur Erholung verbrachte Le Gateau Chocolat das folgende Wochenende mit ihrem Lebenspartner in Berlin, „und hurra, da war CSD!“ Auf künftige Auftritte in Bayreuth will sie aber keineswegs verzichten: „Ob ich wiederkommen will, ist eine andere Sache. Ob ich wiederkommen muss: Ja, auf jeden Fall!“

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