Neben den Baupreisen steigen jetzt auch die Finanzierungskosten. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Finanzierungskosten sind so hoch wie zuletzt 2014. Auch Unternehmenskredite haben sich seit Jahresbeginn kräftig verteuert.

Der Anstieg der Bauzinsen beschleunigt sich: Allein im März erhöhte sich die durchschnittliche Verzinsung von Immobilienkrediten laut dem Finanzvermittler Dr. Klein um 0,5 Prozentpunkte. Seit Ende Januar sind die Zinsen um fast einen Prozentpunkt gestiegen, wie aus Zahlen des Konkurrenten Interhyp hervorgeht. Für ein Immobiliendarlehen mit zehn Jahren Sollzinsbindung liegt der Zinssatz demnach bei durchschnittlich 2,2 Prozent, so hoch wie zuletzt 2014.

 

Experte erwartet Anstieg auf drei Prozent

Die FMH Finanzberatung erwartet, dass die Hypothekenzinsen für zehnjährige Finanzierungen im Sommer drei Prozent erreichen. Zur Begründung verwies FMH-Gründer Max Herbst auf die steigenden Renditen von Bundesanleihen, die für die Bauzinsen eine wichtige Orientierungsgröße sind. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen kletterten am Dienstag zeitweise auf 0,85 Prozent, den höchsten Stand seit 2015.

„Bei einer Inflationsrate von bald acht Prozent sind Anleger nicht mehr bereit, Minizinsen für Bundesanleihen zu akzeptieren“, sagte Herbst. In den vergangenen Jahren hatten Investoren sogar Minuszinsen hingenommen, um ihr Geld in den als äußerst sicher geltenden Schuldtiteln des deutschen Staates parken zu können. Nach Herbsts Einschätzung kratzt der Krieg in der Ukraine aber am Ruf Deutschlands als sicherer Hafen, weil er die Abhängigkeit von Russland offenbart habe.

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Wie sich der Zinsanstieg auf die von Hauskäufern abzuzahlenden Monatsraten auswirkt, verdeutlicht der Finanzvermittler Dr. Klein mit folgender Berechnung: Wer heute ein Immobiliendarlehen über 150 000 Euro aufnimmt und sich den aktuellen Zins für zehn Jahre sichert (Sollzinsbindung), muss bei einer anfänglichen Tilgungsrate von zwei Prozent monatlich 488 Euro abzahlen. Bei einem Darlehensabschluss vor einem Monat wären es fast 50 Euro weniger gewesen. Eine so starke Veränderung innerhalb eines Monats habe man seit Beginn der Statistik im Jahr 2010 noch nicht gesehen, erklärte eine Sprecherin von Dr. Klein.

Treiber sind die Inflation und die Notenbanken

Auch Unternehmenskredite haben sich deutlich verteuert: Die Verzinsung eines durchschnittlichen Darlehens mit fünf Jahren Laufzeit sei von 1,45 Prozent Ende Dezember auf rund 2,65 Prozent gestiegen, meldete das Schweizer Unternehmen Teylor, ein Spezialist für die Digitalisierung von Kreditprozessen. Den ersten Schub habe die Ankündigung der US-Notenbank ausgelöst, ihren Leitzins zu erhöhen – was Mitte März dann auch geschah.

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Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine seien die Zinsen vorübergehend zurückgegangen, im März aber wieder kräftig gestiegen, teilte Teylor unter Berufung auf Daten von Barkow Consulting mit. Der zweite Anstieg dürfte damit zusammenhängen, dass der Krieg einen weiteren Inflationsschub auslöste. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat deshalb mittlerweile eine Normalisierung ihrer Geldpolitik angekündigt, ohne allerdings einen Zeitplan für Zinserhöhungen vorzulegen.