Schwäbisches Landeis made in Freudental: Wenke Hofmann ist bei ihren Eis-Kreationen durchaus kreativ. Foto: Werner Kuhnle

Zum Hofmann-Hof nach Freudental im Landkreis Ludwigsburg pilgern Menschen von weit her. Der Grund: Leckeres Eis aus der Milch der eigenen Kühe. Es gibt Eis-Kreationen wie „Spätzle mit Soß“ oder das Eis Nummer 43, das nach der Lieblingskuh Jaqueline benannt ist.

Jaqueline ist die Lieblingskuh auf dem Hofmann-Hof am Rande von Freudental im Landkreis Ludwigsburg. Sie ist eine Schwarz-Bunte, besonders schmusig. Nach ihr, beziehungsweise nach ihrer Stallnummer, ist außerdem ein Eis benannt: Die Nummer 43. Ein klassisches Milcheis, das zu den Verkaufsschlagern zählt. Mit dem gleichnamigen Likör hat es übrigens nichts zu tun. „Den kannte ich gar nicht, als ich das Eis kreiert habe“, sagt Wenke Hofmann, die hinter der Eis-Produktion steht.

 

Jaqueline ist eine von 28 Milchkühen auf dem Hof von Frank und Wenke Hofmann (Stutenweg 1 in Freudental). Das Ehepaar hat vor 14 Jahren mit der Produktion und dem Verkauf von Eis angefangen. Zuvor sind sie zwei Jahre lang mit der Idee schwanger gegangen. „Mein Mann wollte ursprünglich eigentlich Käse produzieren, aber Eis fand ich netter“, sagt Wenke Hofmann. Sie wollte das Eis komplett selbst herstellen und besuchte daher die Eisfachschule in Berlin.

Die Sache mit dem leckeren Eis sprach sich schnell herum

Dann fing das große Probieren an. Das mit der frischen Milch vom Hof, die nur pasteurisiert, also kurz erhitzt, ist, ist nämlich gar nicht so einfach. Denn je nach Jahreszeit oder Appetit der Kühe schwankt der Fettanteil. Doch am Ende standen die Rezepte – auch danke der Mithilfe des Freundeskreises, der tatkräftig beim Eis-Testen half. „Wir haben einen kleinen Kiosk gebaut und draußen ein Schild aufgestellt, dass hier Eis verkauft wird“, erinnert sich Wenke Hofmann an die Anfänge.

Die Leute kamen nach und nach, die Sache mit dem leckeren Eis sprach sich herum. Heute kommen die Kunden teils von weit her – aus Stuttgart, aus Pforzheim, aus dem Remstal . . . Kerstin und Michael Grau aus Illingen sind an diesem Nachmittag die ersten Kunden, die sich bei Wenke Hofmann und ihrer Mitarbeiterin Tatjana Hender ihr Eis holen. „Wir sind jede Woche mindestens einmal hier“, berichten sie etwas abseits des großen Trubels auf einem Holzbänkle.

Vor dem Eis-Verkaufshäusle hat sich an diesem sonnigen Nachmittag schnell eine Schlange gebildet. Eine größere Seniorengruppe hat bereits an den Tischen im Schatten Platz genommen. Für sie hat Wenke Hofmann bereits die Eisbecher vorbereitet. Die heißen „Wilde Hilde“, „Spätzle mit Soß“, „Oma Gerda“ oder „Flotte Berta“.

Verkaufsschlager im vergangenen Jahr war die „Grüne Hanni“, ein Becher mit Vanille-Toffee-Hanf-Eis, Sahne, Hanf-Schrot und einem Hanfblatt als Deko. Selbstverständlich ohne THC. Derzeit gibt es die Kreation noch nicht, da das Hanf auf dem Hofmann-Hof eben erst ausgesät wurde. Ab Mitte Juli wird die „Grüne Hanni“ angeboten werden – Wenke Hofmann wird auf ihrem Instagram-Kanal (@hofmanns.eis) und auf Facebook informieren, wenn es soweit ist.

Die Sorte „Egal“ hat zehn Jahre für Lacher gesorgt

Auch die Eissorten haben teils kreative Namen. „Schwarz-Weiß“ etwa, das ist fast wie Stracciatella. Aber: „Wir bieten ja schwäbisches Landeis, kein italienisches“, sagt die 58-Jährige Eis-Produzentin lachend. Oder „Das rosa Eis“, ein Limetten-Milcheis, das seine hübsche Farbe durch ein paar Tropfen Rote-Beete-Saft bekommt. Eine Idee eines Stammkunden übrigens, der sich Limetten-Eis wünschte. Und weil Wenke Hofmann dazu eine witzige glitzernde Sauce kredenzen wollte, „musste“ das Eis rosa werden. Nicht mehr im Sortiment ist das Eis „Egal“. Es war jahrelang der große Lacher, wenn sich jemand nicht entscheiden konnte. „Aber nach zehn Jahren hat sich der Gag abgenutzt.“

Hund Theo bekommt jeden Tag ein Eis

Auf dem Hofmann-Hof wird derweil fleißig weiter Eis geschlotzt. Besonders die Schattenplätze sind begehrt. Völlig unbeeindruckt von dem Trubel ist Hofhund Theo. Der zwölfjährige Schäferhund-Husky-Rottweiler-Appenzeller-Mix ist eine Seele von Hund und döst ebenfalls im Schatten. Wenn es allerdings auf 17 Uhr zugeht, macht er ganz sanft auf sich aufmerksam. Denn dann bekommt er jeden Tag eine Kugel Eis. Immer die Nummer 43, das nach Jaqueline benannt ist. „Wenn wir mal keine Zeit haben oder das vergessen, kommt Theo immer ein Stückchen näher zum Eishäusle und irgendwann stellt er sich an die Tür und guckt rein“,sagt Wenke Hofmann und lacht.

Die 58-Jährige ist übrigens gelernte Köchin und in Niedersachsen aufgewachsen. Und seit jeher liebt sie Kühe. Schwarz-weiße Kühe. Wenke Hofmann sammelte alles, was Flecken hatte und nach Kuh aussah. Und als sie in den Landkreis Ludwigsburg zog, traf sie ihren Traumbauern. „Als er mir gesagt hat, dass er schwarz-weiße Kühe hat, war es um mich geschehen“, berichtet sie.

Und so ist es nun auf dem Hofmann-Hof in Freudental. Frank Hofmann, Landwirt durch und durch, führt den Hof am Rande von Freudental in der dritten Generation. Seine Frau Wenke kümmert sich ums Eis aus der Milch von Jaqueline und den anderen schwarz-weiß gefleckten Kühen. Die gucken übrigens den Kunden beim Eisessen zu – oder umgekehrt: Die Kunden beim Eisessen gucken den Kühen bei Heu fressen zu. Was durchaus meditativ ist. Und für alle, die kein Milcheis essen können oder wollen: Wenke Hofmann kreiert auch vegane Eissorten.

Frische Zutaten

Der Preis vom Eis
 Eine Kugel Eis kostet auf dem Hofmann-Hof 1,60 Euro. Den vermeintlich hohen Preis erklärt Wenke Hofmann mit der Frische der Zutaten. „Ich lege Wert darauf, dass alles qualitativ hochwertig ist.“ Für ihr Vanille-Eis kocht sie beispielsweise echt Vanille-Schoten aus, im Erdbeer-Eis sind frische Beeren et cetera.

Der Reis im Eis
 Eine Besonderheit im Sortiment ist das Milchreis-Eis. Immer wieder wundern sich Kunden, dass sie beim Schlotzen auf gekochten Reis beißen. Das ist gewollt. Wenke Hofmann kocht für die Herstellung eigens Milchreis – und passt gut auf, dass er nicht anbrennt. Zum Milchreis-Eis gibt es im Becher „Flotte Berta“ übrigens selbst gemachte Zimtsauce. sl