Wiese überfüllt – Beim Ballett im Park herrschte am Samstagabend ein Riesenandrang Foto: dpa

Das Ballett im Park ist aus Stuttgart nicht mehr wegzudenken. Zur elften Ausgabe strömten am Samstagabend 7500 Besucher in die City, um die Liveübertragung von „Don Quijote“ aus der Oper zu verfolgen – soviele wie noch nie.

Stuttgart - Vorbereitung ist alles! Mit Picknickkorb, Decken und Schirmen – vor allem wegen der Sonne – strömen am Samstagabend ab 18 Uhr Tausende Besucher auf den Rasen neben dem Eckensee, um sich einen guten Platz beim 11. Ballett im Park zu sichern. Schließlich will jeder eine möglichst gute Sicht auf den riesigen, vom Sponsor Porsche aufgestellten Bildschirm haben, auf dem ab 19 Uhr die Aufführung im Opernhaus nach außen übertragen wird: Das Stuttgarter Ballett tanzt passend zum Sommerabend den farbenfrohen „Don Quijote. Der Träumer von La Mancha“ von Maximiliano Guerra nach dem Weltklassiker von Miguel de Cervantes. Moderatorin Sonia Santiago schaltet hinter die Kulissen, holt Ballettintendant Reid Anderson und Choreologin Georgette Tsinguirides auf die Bühne im Park und lässt das Publikum die ausgeteilten Fächer schwingen.

7500 Zuschauer, so viele wie nie, sind gekommen, darunter viele Familien. 2016 waren es 4500. Wer nach 19 Uhr eintrifft, muss sich allerdings mit einem Platz an den Absperrgittern begnügen; die Sicherheitsleute lassen niemanden mehr durch: Wiese überfüllt! „Hier ist die Hölle los“, spricht eine wartende Besucherin in ihr Handy. Doch alles bleibt friedlich und stimmungsvoll. Die Besucher in und außerhalb der Oper sind von der Aufführung begeistert. Elisa Badenes als Kitri und Adhonay Soares als Basilio reißen das Publikum zu Beifallsstürmen hin.

Rosen und Luftballregen

Kaum ist der Applaus für „Don Quijote“ verhallt, holt Ballettintendant Reid Anderson die Grande Dame der Kompanie auf die Bühne und setzt sie auf einen goldenen Sessel mit rotem Bezug: Nach 72 Jahren beim Stuttgarter Ballett wird Georgette Tsinguirides verabschiedet. Für die Choreologin, Ballettmeisterin und einstige Assistentin John Crankos, die jedes der großen Werke Crankos in der internationalen Tanzschrift „Benesh Movement Notation“ dokumentierte, sind sie alle gekommen: Sämtliche Mitglieder der Kompanie stehen an, um Georgette Tsinguirides zu herzen und ihr eine Rose zu überreichen. Auch Tanzikonen der Stuttgarter Ballettgeschichte sind da, darunter Birgit Keil, Vladimir Klos und Egon Madsen, der Tsinguirides durch die Luft wirbelt. Am Ende regnet es rote Luftballons. Große Gefühle – in der Oper und im Park.

Auch der Ballettnachwuchs begeistert

Am Sonntagvormittag scheint neben dem Eckensee wieder das Grün des Rasens durch. Mit anderen Worten: Bei Teil zwei von Ballett im Park finden die Ballettfans leichter ein Plätzchen auf der Wiese. Aber auch jetzt sind wieder Hunderte gekommen, um die großartige Matinee des Ballettnachwuchses der John-Cranko-Schule zu genießen – beginnend mit den „Vier Jahreszeiten“, die auch schon bei Ballettmatinee zu Gunsten der Aktion Weihnachten zu sehen war. Manche Besucher verbinden die Vorführung am Sonntag mit einem Picknick-Frühstück im Park – passend dazu verlost Sonia Santiago Picknick-Körbe.

Wer die Matinee verpasst hat, kann sich jetzt schon auf die nächste freuen: am Sonntag, 16. Juli treten die jungen Tänzerinnen und Tänzer der John Cranko Schule wieder in der Oper auf – dann allerdings ohne Live-Übertragung ins Freie. Das nächste Ballett im Park – die zwölfte Ausgabe – findet am 21./22. Juli 2018 statt. Am besten schon mal im Kalender notieren.

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