Stuttgart 21: Flughafenanbindung Hermann sieht die Bahn wieder auf Kurs

Von Josef Schunder 

Blicken positiv auf das Jahr 2018: Die beiden Flughafen-Geschäftsführer Arina Freitag und Walter Schoefer (re.) mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, dem Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Blicken positiv auf das Jahr 2018: Die beiden Flughafen-Geschäftsführer Arina Freitag und Walter Schoefer (re.) mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, dem Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Jüngste Pläne bei der Bahn für den Fernverkehr am Flughafen hatten Alarmstimmung ausgelöst. Verkehrsminister Hermann sagt jetzt beim Neujahrsempfang des Airports, er habe das Signal, dass die Sache ausgestanden ist.

Stuttgart - Im Ringen um Fernreisezüge im künftigen Flughafenbahnhof hat sich etwas bewegt. Der Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte am Mittwochabend, die Proteste in Stuttgart gegen den jüngst von der DB Fernverkehr AG eingeschlagenen Kurs seien im DB-Turm am Potsdamer Platz in Berlin angekommen. Er habe das Signal aus dem Konzernvorstand, „dass man dort gewillt ist, sich an den Vertrag zu halten“. Das bedeutet nach Hermanns Lesart, dass in dem unter der Messepiazza geplanten Tiefbahnhof täglich je 16 Fernreisezüge pro Richtung halten sollen, die auf der Strecke Stuttgart-Ulm unterwegs sind. In einer Anlage zur Finanzierungsvereinbarung über Stuttgart 21 sei von 32 Zügen je Richtung die Rede, die DB verstehe darunter aber 16 Einfahrten und 16 Weiterfahrten. Es gehe also nicht um 32 Verbindungen mit Stopps im Flughafenbahnhof, sondern um je 16 pro Fahrtrichtung.

Hermann will im Bahnhof nicht nur IC-Züge sehen

Hermann machte klar, dass er in dem Bahnhof nicht nur Intercity-Züge sehen will, sondern auch Intercity-Express-Züge. Genau davon sollte es aber, wie ein Sprecher der DB Fernverkehr AG am Montag unserer Zeitung bestätigt und damit Alarmstimmung in Stuttgart ausgelöst hatte, künftig im Flughafenbahnhof, zu dem die Fernzüge von der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm aus- und einfahren müssen, gar keine geben. Doch am Dienstag sind zwei Vorstandsbereiche des Bahnkonzerns dann vorsichtig auf Distanz zu dieser Erklärung gegangen. Inzwischen, sagte Hermann unserer Zeitung am Mittwochabend, habe er nach einem Telefonat mit Berlin auch dafür ein Signal, dass es zu einem ICE-Stopp im Flughafenbahnhof kommen werde. Die DB habe seines Erachtens beim Vertragsabschluss im Jahr 2009 zwar keinen solchen ICE-Stopp ausdrücklich versprochen, jedoch den Anschluss der künftigen Verkehrsdrehscheibe Flughafen an das Hochgeschwindigkeitsnetz – und dazu gehörten eben nicht nur IC-Züge. Somit zeichne sich nun ein stabiler Stundentakt im Fernreiseverkehr am Flughafenbahnhof ab. Zusammen mit anderen Zügen, die das Land bestelle, ergebe sich mindestens ein Halbstundentakt.

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Fast elf Millionen Fluggäste

Beim Neujahrsempfang der Flughafengesellschaft, deren Aufsichtsratschef Hermann ist, wählte der Minister trotz der neuen Bewegung noch einmal klare Worte. Würde sich die Botschaft der DB Fernverkehr AG vom Montag erfüllen, dass auch sechs Fernreiseverbindungen mit Stopps im Flughafenbahnhof pro Tag reichen würden, würde das angesichts eines rund eine Milliarde Euro teuren Bahnhofs „einen Schildbürgerstreich“ bedeuten. Allerdings würde es nicht bedeuten, dass fast gar keine Züge in diesem Bahnhof fahren würden, sagte der Minister unserer Zeitung. Geplant sei ein Vielfaches der Verbindungen im Fernreiseverkehr mit Zügen des Nah- und Regionalverkehrs.

Dass der Flughafen als Ziel attraktiver wird, belegte auch das Jahr 2017. Die Geschäftsführer Walter Schoefer und Arina Freitag vermeldeten beim Empfang mit mehreren Hundert Gästen, die Marge von elf Millionen Passagieren sei nur knapp verfehlt worden – neuer Rekord. Von und nach Stuttgart flogen genau 10 975 639 Fluggäste – ein Plus von 3,1 Prozent. Die Zahl der Starts und Landungen sank, weil größere Flugzeuge eingesetzt wurden, um 1,3 Prozent auf 127 981. Der Umsatz war mit 280 Millionen Euro um zehn Millionen höher als 2016. Das Wachstum sei viel stärker ausgefallen als anfangs erwartet, sagte Schoefer. Die beiden Geschäftsführer und Hermann gehen auch „sehr optimistisch“ ins Jahr 2018.

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