Badegäste durften am Donnerstag nicht ins Mineralbad Cannstatt Foto: Kraufmann

Schon wieder müssen die Bäderbetriebe Stuttgart ein Bad schließen, weil Legionellen nachgewiesen wurden. Betroffen ist diesmal das Mineralbad Cannstatt. Bereits im vergangenen September wurden die Bakterien im Rosentalbad in Vaihingen nachgewiesen und das Bad dichtgemacht.

Stuttgart - Einmal pro Jahr werden in den städtischen Bädern routinemäßig die Duschanlagen auf Legionellen untersucht. Vor kurzem war das im Mineralbad Cannstatt der Fall. Das erschreckende Ergebnis lag am vergangenen Mittwoch vor. „Es wurden Legionellen nachgewiesen. Das Ergebnis habe ich allerdings erst nach 17 Uhr erhalten“, sagt Anita Grube. Die stellvertretende Leiterin der Bäderbetriebe Stuttgart versichert, dass nach Bekanntwerden der Analyse sofort gehandelt wurde.

Konzentration über 1000 Einheiten

Sofort zu handeln, das heißt in diesem Fall: Der Leiter der Minerbäder eilte vor Ort, ließ sofort die Warmduschen sperren und klärte die Badegäste – anders als im Fall des Rosentalbads, wo die Gäste im Unklaren darüber gelassen wurden, warum sie nicht mehr warm duschen durften – über die Ursachen der Sperrung auf. „Viele wollten wissen, ob es gefährlich ist, wenn sie Wasser geschluckt haben“, sagt Grube und kann die Badegäste beruhigen. „Dabei kann nichts passieren.“ Trotzdem gaben die Mitarbeiter vor Ort unsicheren Badegästen den Rat, ihren Hausarzt aufzusuchen, falls sie Beeinträchtigungen wie bei einer Grippe spürten. „Es ist besser, auf Nummer sicher zu gehen, als sich unnötige Sorgen zu machen“, sagt Grube.

Wie hoch die Legionellenkonzentration war, wollen die Bäderbetriebe nicht sagen: „Wir dürfen die Analyseergebnisse externer Unternehmen gar nicht rausgeben“, sagt Grube und räumt ein, dass die Konzentration „sehr hoch“ war. Sehr hoch heißt, dass sie mindestens bei 1000 kolonienbildenden Einheiten (KEB) pro 100 Milliliter Wasser lag. Denn erst aber dieser Kontamination muss laut Bundesumweltamt gehandelt und die Duschen müssen stillgelegt werden.

Duschen werden thermisch desinfiziert

Während das Mineralbad Cannstatt am Mittwoch noch bis zum Badeschluss um 21.30 Uhr geöffnet war und die Besucher vor dem Heimgehen nicht oder aber eben nur kalt duschen konnten, blieb das Bad am Donnerstag den ganzen Tag geschlossen. „Wir haben in Übereinstimmung mit dem städtischen Gesundheitsamt sämtlich Maßnahmen getroffen, die zur Desinfektion notwendig sind“, sagt Grube.

Sämtliche notwendigen Maßnahmen zu treffen heißt alle 72 Duschen thermisch zu desinfizieren. Drei Minuten lang läuft dabei 70 Grad heißes Wasser durch alle Rohre und Duschköpfe. Zugrunde gehen die Legionellen bereits bei 60 Grad. Anschließend werden die Duschen gut durchgespült. Bereits am Donnerstagnachmittag war das Prozedere abgeschlossen. So schnell machbar war das laut Grube, weil die Wasseranlage von Mineralwasser, das sonst durch die Rohre fließt, auf das erhitzbare Trinkwasser umgeschaltet werden konnte. „Damit ist das Problem gelöst“, sagt Grube und geht davon aus, dass der Sauna- und Badebetrieb bereits an diesem Freitag wieder ganz normal läuft und alle Badegäste auch warm duschen können.

Im Rosentalbad in Vaihingen war das nicht der Fall. Denn die alte Wasseranlage, die noch aus den 50er Jahren stammt, entspricht nicht mehr den aktuellen Standards, so dass nicht mit Sicherheit gesagt werden konnte, ob die thermische Desinfektion erfolgreich war. Für die Badegäste hieß das, drei Tage aufs Warmduschen zu verzichten, und auf die Analyse weiterer Wasserproben zu warten. Um das Risiko eines Legionellenbefalls dort zu minimieren, soll das Rosentalbad bis zum Saisonstart in diesem Jahr eine neue Wasseranlage bekommen.

Ob Maßnahmen zur Vorbeugung im Mineralbad Cannstatt getroffen werden, um auch dort das Legionellenrisiko zu verringern, steht noch nicht fest. „Wir müssen abwarten, aus welchen Gründen es zu der hohen Konzentration kam“, sagt Grube.

Auf Legionellen hin untersucht werden müssen öffentliche Bäder übrigens erst seit etwa drei Jahren.

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