Weil Mütter und Väter sich um die Sicherheit ihrer Kinder sorgen, haben Elterntaxis Konjunktur. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Zwischen Eichendorffschule und Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Bad Cannstatt herrscht reger Verkehr. Mütter und Väter fordern Gegenmaßnahmen.

Bad-Cannstatt - Soll denn erst etwas passieren, bis endlich gehandelt wird?“ So machten Eltern im Bezirksbeirat ihrem Unmut Luft. Seit 2017 machen sie auf die gefährliche Situation auf dem Schulweg ihrer Kinder aufmerksam – bislang vergeblich.

Zwei Tage nach dem Protest im Bezirksbeirat gab es einen Unfall. Ebenfalls an einer Stelle, an der es keinen Zebrastreifen gibt. Um 7.15 Uhr wurde ein Fahrradfahrer von einem Auto erfasst, das von der Brenzstraße in die Augsburger Straße einbiegen wollte. Genau dies wollen die Eltern verhindern. Ihnen geht es um die Situation auf der Remstalstraße – der Schulweg zur Eichendorffschule und zum Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. Verschärft wird die Situation durch die Baumaßnahme am „Elly“. Eine Seite des Gehwegs ist wegen der Baustelle gesperrt. Alle Schüler müssen den gegenüberliegenden schmalen Gehweg benutzen. Nach hartem Kampf der Schulleitungen des „Elly“ und der Eichendorffschule wurde ein provisorischer Zebrastreifen vor dem Gymnasium gebaut. Denn zehn Klassen mit 220 Schülern der Eichendorffschule sind ins „Elly“ ausgelagert, weil auch an ihrer Stammschule gebaut wird. „Auf diesem Weg ist morgens die Hölle los“, beschreiben Eltern und Matthias Bolay, der Rektor der Eichendorffschule, die Situation. Brenzlig sei es besonders an der Kreuzung Remstal-/Dinkelsbühler Straße/Ebitzweg. Dort gehe es zum morgendlichen Schulbeginn sehr eng zu, und es komme immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Autofahrern. Zum einen wird die Strecke als Ausweichroute des Berufsverkehrs zwischen Fellbach nach Stuttgart frequentiert. Zum anderen ist die Fahrbahn auf der Bahnbrücke eingeengt. Das heißt, Autofahrer wollen diesen Bereich zügig hinter sich lassen, um ein Rangieren im Begegnungsverkehr zu vermeiden.

Der Schulleiter kann sich auch optische Maßnahmen gut vorstellen

Das Problem wurde schon in Elternbeiratssitzungen beider Schulen thematisiert. Es gab Begehungen mit Vertretern von Polizei und Ordnungsamt. Auch der Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler war vor Ort. Die Verwaltung verweist auf das bestehende Tempo-30-Limit in diesem Bereich. Daher seien keine Zebrastreifen notwendig.

Bezirksvorsteher Löffler versuchte, die Eltern zu beruhigen. „Wir können nicht mehr als anstoßen, fordern und nachhaken.“ Die Antwort der Verwaltung zum Thema stehe aber noch aus. Der Bezirksbeirat kennt das Problem. Schon mehrfach war es auf der Tagesordnung. Bereits 1985 hatten die Grünen im Bezirksbeirat einen Antrag gestellt und unter anderem eine Fahrbahneinengung zur Erhöhung der Sicherheit gefordert. Der Grünen-Sprecher Peter Mielert hat entsprechende Vorschläge: „Die Lösung für einen solchen unübersichtlichen Bereich ist in der Fachwelt auch bekannt: Man hebt den Kreuzungsbereich auf Gehwegniveau an und rampt diesen an; das bremst Fahrzeuge auf Schritttempo, und so können Kinder diesen Bereich sicher queren.“ Denkbar seien auch Abschrankungen vor den Überwegen wie etwa am Daimlerplatz. Der Schulleiter Bolay kann sich auch Maßnahmen vorstellen, die optisch auffallen und dem Autofahrer signalisieren, noch mehr aufzupassen. „In Konstanz habe ich grüne Markierungen gesehen. Die fallen total auf.“ Da die Eltern den Schulweg als unsicher ansehen, werden die Kinder im Elterntaxi zur Schule gefahren und sorgen damit wiederum für mehr Verkehr. „Das ist auch ein Problem“, sagt Bolay.

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