Die Mitarbeiter der Volksbank tragen weiterhin Anzug und Krawatte. Foto: Sebastian Gall

Entgegen dem allgemeinen Trend zu legerer Kleidung bleiben die Banken im Stadtbezirk bei ihren traditionellen Dresscodes. Für Männer gilt: Anzug und Schlips sind Pflicht.

Bad Cannstatt - Frauen im Business-Kostüm, Männer mit Anzug, Hemd und Krawatte. So sah der Dresscode in vielen Firmen und Unternehmen über Jahrzehnte hinweg aus. Vor allem in Branchen mit Kundenkontakt, allen voran die Banken. „Angemessene Geschäftskleidung“ – wie etwa die Krawattenpflicht für männliche Mitarbeiter – galt hier als Voraussetzung, um Vertrauen und Seriosität zu vermitteln.

Während sich dieser Dresscode in vielen Firmen schon seit Jahren zumindest am Freitag, dem „Casual Friday“, zusehends gelockert hatte, so sehen mittlerweile viele Unternehmen auch unter der Woche von einem generellen „Krawattenzwang“ ab; wobei es viele Vorstände selbst „vorleben“. Der wohl bekannteste Vertreter in Deutschland ist Dieter Zetsche, der zwar seinem Schnäuzer die Treue hält, doch den lange Jahre obligatorischen Schlips in der Kommode lässt. Der Daimler-Vorstand trägt so gut wie gar keine Krawatte mehr bei öffentlichen Auftritten und wurde dort sogar schon in Sakko, Jeans und weißen Sneakern gesichtet. Auch OB Fritz Kuhn trägt selbst bei festlichen und offiziellen Anlässen, etwa bei der Verabschiedung von Stadtkämmerer Michael Föll, zwar einen Anzug mit Hemd, aber keinen Binder mehr. Vor allem die bundesweit 385 Sparkassen setzten Zeichen. So hat zum Beispiel auch die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen zusammen mit ihren Mitarbeitern einen neuen Dresscode entwickelt, der den Angestellten mehr Freiheit in der Wahl ihrer Kleidung lässt. Leichte Stoffhosen, Chinos und Jeans und das offen getragene legere Jackett ohne Krawatte sind dort nun erlaubt. Doch wie sieht es bei den Banken in Bad Cannstatt und Umgebung aus? Müssen Männer nach wie vor mit Schlips ihre Kunden bedienen? Wir haben einmal nachgefragt.

Seriosität vermitteln

Bei der Volksbank Stuttgart zieht man immer noch das konventionelle Auftreten der rund 1000 Mitarbeiter vor: „Bei den Herren erwarten wir nach wie vor, dass sie im Anzug und Krawatte erscheinen. Frauen sollten analog dazu ein Kostüm, Hosenanzug oder Rock und Bluse tragen“, sagt Pressesprecher Matthias Layer. Für ihn sei „eine Bank immer noch eine Bank“ und da würden die Kunden dieses Auftreten erwarten. In Zeiten vieler Veränderungen brauche es auch „konstante Größen“ – wie eben die Krawattenpflicht. Außerdem zeige „ernsthafte Kleidung den Respekt gegenüber der Wichtigkeit der Entscheidungen für den Kunden“. Ausnahmen von dieser strengen Kleiderordnung gebe es nur bei Sommerhitze. Falls es einmal zu heiß wäre, könnten die Vorschriften gelockert werden. Allerdings könnte man es sich bei der Volksbank Stuttgart vorstellen, den Dresscode komplett anzupassen: „Wir denken auf jeden Fall darüber nach, die Kleiderordnung perspektivisch anzupassen. Jedoch muss so eine Entwicklung immer Hand in Hand mit den Kundenerwartungen laufen.“

Auch bei der BW-Bank setzt man auf die gewohnten Kleidervorschriften. „Der Kunde erwartet in der Regel immer noch, dass unsere Mitarbeiter im Anzug mit Krawatte oder im Kostüm auftreten – und das Ganze sollte nicht zu extravagant sein“, sagt Pressereferent Alexander Braun. Auch das weitere Auftreten der Angestellten solle dem seriösen Image einer Bank entsprechen. „Männer können bei uns gerne einen Bart tragen – der sollte allerdings nicht zerzaust sein. Auch die Haare sollten nicht in allen Farben leuchten.“ Wie bei der Volksbank Stuttgart sieht man aber auch hier durchaus Chancen auf eine Lockerung des Dresscodes: „Wir bemerken schon auch eine Veränderung bei den Kundenerwartungen. Diese werden sicherlich moderner und die Akzeptanz eines legereren Auftretens steigt.“ Man wolle trotzdem am althergebrachten Auftreten festhalten – vorerst.

Andere Institute nehmen’s lockerer

Die Änderung des Dresscodes steht auch bei der Volksbank am Württemberg nicht auf der Agenda: „Das ist kein Thema bei uns. Wir setzen weiterhin auf Altbewährtes“, sagt Rainer Strauß, Pressesprecher. Wie auch bei den anderen beiden Banken richte man sich hier an den Wünschen der Kunden aus: „Wir denken schon, dass wir mit seriöser Kleidung den Erwartungen unserer Geschäftspartner – ob privater oder geschäftlicher – entsprechen.“

Obwohl sich die großen Kreditinstitute in Stuttgart noch nicht mit einer lockeren Kleidervorschrift anfreunden können, zieht das Thema in der Bankenlandschaft weite Kreise. Als Pionier gilt übrigens die Hamburger Sparkasse (Haspa). Ihre fast 5300 Mitarbeiter dürfen sich seit fast drei Jahren etwas legerer kleiden: „Haspa Business Casual“ nennt die zweitgrößte deutsche Sparkasse ihren Stil. Das heißt zum Beispiel für Männer: dunkles Sakko über hellem Hemd, dazu eine Stoffhose und an den Füßen Schnürschuhe. Haspa-Mitarbeiterinnen können Stiefeletten oder Pumps zur Bluejeans und einen Blazer über dem schlichten Oberteil tragen.

Noch einen Schritt weiter geht sogar die Sparkasse Hochschwarzwald: Ihre Mitarbeiter dürfen auch kleine Tattoos „ohne politischen oder religiösen Hintergrund“ zeigen. „Sie müssen aber auch für das Gegenüber noch ästhetisch wirken“, sagt ein Sprecher der Sparkasse. Entscheidend sei jedoch der Kunde – und über Tattoos habe sich noch keiner beschwert.

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