Elektronische Wegfahrsperren erschweren Autodieben ihr kriminelles Handwerk. Doch finden Profis immer wieder Lücken oder sie verlegen sich auf ein neues Diebesgut. Foto: dpa

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Im vergangenen Jahr haben Diebe weniger Autos als 2016 gestohlen. Der Schaden, den sie dabei anrichteten, war allerdings größer: insgesamt 324 Millionen Euro.

Stuttgart/Berlin - Autobesitzer im Südwesten müssen sich wohl keine allzu großen Sorgen machen, dass ihr Wagen gestohlen wird. Laut dem aktuellen Autodiebstahl-Report des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurde in Baden-Württemberg 2017 etwa jedes zehntausendste kaskoversicherte Auto entwendet. Weniger sind es – zusammen mit Bayern – nirgendwo.

Auch in der Rangliste der Städte liegt Baden-Württemberg vorne: Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart sind die Großstädte mit den geringsten Diebstahlsraten bei Autos bundesweit.

„Autoland“ Baden-Württemberg ist am sichersten

Der GDV gab die Zahl der Diebstähle pro 1000 Autos an. Dieser Wert lag im Südwesten bei 0,1. Das waren 698 Pkw. Das entspricht einem Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von fast 15 Prozent. Die meisten kaskoversicherten Wagen wurden in Berlin gestohlen: 3,6 von 1000 PKW, insgesamt 3355 Fahrzeuge).

Am unsichersten leben die Besitzer teurer Wagen in Ostdeutschland. Mit einem Wert von 1,4 Diebstählen pro 1000 Pkw (1531 Fahrzeuge) lag Brandenburg bei den Flächenländern auf dem ersten Rang, gefolgt von Sachsen (0,7 oder 1246 Fahrzeuge) und Sachsen-Anhalt (0,7 oder 664 Fahrzeuge).

Luxusvehikel sind bei Dieben besonders beliebt

Im Fokus der Diebe waren laut dem GDV „luxuriöse SUVs und Limousinen von Premium-Herstellern“. Auf Platz eins der gestohlenen Fahrzeuge steht demnach Volkswagen (3606 Autos), gefolgt von Audi (3047), BMW (2602) und Mercedes-Benz (1737). 62 Prozent aller in Deutschland gestohlene Pkws entfielen auf diese vier Automarken.

Insgesamt wurden bundesweit im vergangenen Jahr rund 17 500 Fahrzeuge gestohlen. Das entspricht einem Minus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der wirtschaftliche Schaden lag bei fast 324 Millionen Euro. Der durchschnittliche Schaden betrug 18 500 Euro (plus 13 Prozent). Nach GDV-Angaben ersetzt die Teilkaskoversicherung den entstandenen Schaden durch einen Autodiebstahl. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt hat ein Autodiebstahl demnach keinen Einfluss.

Osteuropäische Banden dominieren

Das Bundeskriminalamt (BKA) analysiert in seinem „Bundeslagebild KFZ-Kriminalität“ jedes Jahr die Entwicklungen in diesem Kriminalitätsbereich. Demnach sind 60 Prozent der Täter deutsche und 40 Prozent ausländische Staatsbürger. Unter diesen dominieren mit weitem Abstand Polen, gefolgt von Türken, Rumänen und Litauern. Laut BKA wird die KFZ-Kriminalität „seit Jahren von osteuropäischen Tätergruppierungen“ beherrscht, die hoch qualifiziert, spezialisiert und netzwerkähnlich organisiert seien.

Die angrenzenden osteuropäischen Staaten seien sowohl wichtige Absatzmärkte als auch Transitstaaten der internationalen Kfz-Verschiebung. Über diese Länder verlaufen auch die Hauptverschieberouten entwendeter Kraftfahrzeuge in Richtung Zentralasien sowie Nord- und Westafrika.

Auch wenn die Diebstahlzahlen 2017 leicht rückläufig waren, machen sich die Fahnder keine Illusionen. Im BKA-Report heißt es: „Eine grundlegende Änderung der Kriminalitätslage im Bereich der Kfz-Kriminalität ist nicht abzusehen.“

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