Das Gemälde von Otto Propheter aus dem Jahr 1912, das Prinz Max von Baden zeigt, ist Teil der Ausstellung im Generallandesarchiv Foto: dpa

Prinz Max von Baden? Viele erinnern sich nur an sein kurzes Gastspiel als letzter Reichskanzler. Doch da war noch etwas mehr, wie eine Schau in Karlsruhe zeigt.Aus

Karlsruhe - Schneeschuhe und Steigeisen, dazu ein Gemälde einer lichten Gebirgslandschaft seines Freundes Wilhelm Paulcke - die Berge hatten es ihm angetan. Prinz Max von Baden (1867-1929) ist als letzter und höchst umstrittener (Kurzzeit)-Reichskanzler in die Geschichte eingegangen. Von den einen als Verräter geschmäht, von den anderen als Retter erhofft, zog der badische Prinz viele Projektionen auf sich. Wenig Ehrgeiz und Entschlossenheit wurden ihm nachgesagt. Doch Prinz Max, der kurz vor der Abdankung des deutschen Kaisers unter dem Decknamen „der Wunschlose“ agierte, hatte durchaus Wünsche und Visionen. Die beschränkten sich aber nicht auf eine Polit-Karriere. Die berühmte Internatsschule Schloss Salem am Bodensee ist sein Werk.

Eine Schau im Generallandesarchiv Karlsruhe spürt nun bislang weniger bekannten Seiten des viel geschmähten „Bademaxe“ nach. Unter dem Titel „Der Wunschlose - Prinz Max von Baden und seine Welt“ sind von diesem Donnerstag an bis zum 6. November rund 80 Exponate zu sehen. Anlass der Ausstellung ist die Überführung des Nachlasses vom Haus Baden ins Landesarchiv und die damit verbundene historische Neuerschließung.

Hunderte Regalmeter im Archiv durchforstet

Seit 2012 hat Kurator Konrad Krimm 300 Archiv-Meter durchforstet, darunter 30 Meter aus dem direkten Nachlass von Prinz Max. „Die Geschichte muss dadurch nicht neu geschrieben werden“, sagt er. Was die Geschichte des Kaiserreichs in der Spätzeit, das Ende des Ersten Weltkriegs und die ersten Gehversuche der Republik angeht, kann man aber „1000 neue Fragen stellen“, meint der Archivar und Historiker.

Nur sechs Wochen war der Baden-Prinz im Fokus der Weltgeschichte. Kaiser Wilhelm II. hatte den als liberal geltenden Badener angesichts der bevorstehenden Kapitulation am 3. Oktober 1918 zum Reichskanzler ernannt. Kurz vor dem offiziellen Waffenstillstand, zu dem er von den Militärs gedrängt wurde, verkündete er eigenmächtig die Abdankung des Kaisers - und besiegelte damit das Ende der Monarchie.

Die Geschichte ging nicht gerade gnädig mit dem Kurzzeit-Kanzler um: Rechte Kreise beschimpften ihn als Verräter, liberale hätten sich mehr von ihm erwartet. Politisch gescheitert, persönlich zerrissen: Vor drei Jahren zeichnete die Biografie des Bremer Historikers Lothar Machtan das Bild eines vielschichtigen, aber schwachen Politikers, der durch seine Homosexualität erpressbar gewesen sein soll.

Mehr Gerechtigkeit für den Baden-Prinzen

Die Karlsruher Schau will dem Baden-Prinzen nun ein wenig mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen, indem sie auch die Zeit vor und nach der Kanzlerschaft beleuchtet. Exemplarisch steht zu Beginn eine kleine Bronze-Statue, die ihn in seiner ganzen Ambivalenz zeigt: als lesenden Soldaten. Waffenrock und Paradehelm des Garde-Kürassier-Regiments mit Adler und winziger Kaiser-Krone zeugen zwar von seinem militärischen Engagement. Doch das war keinesfalls seine Leidenschaft. Viel lieber sah sich der Prinz als Vermittler, humanitärer Helfer von Kriegsgefangenen, als Philanthrop und Schöngeist.

Einerseits Freund des Rassenideologen Houston Stewart Chamberlain, andererseits enger Weggefährte des jüdischen Reformpädagogen Kurt Hahn, mit dem Prinz Max später das Internat Schloss Salem gründete; einerseits standesbewusster Vertreter des Hochadels, andererseits Gesprächspartner für Pazifisten und Sozialdemokraten - Historiker Krimm ist überzeugt: „Er suchte nach Auswegen aus der höfischen Regelwelt.“

Neben dem politischen Max veranschaulicht die Karlsruher Ausstellung anhand von Gemälden, Fotos und Freizeitutensilien so vor allem seine kleinen Fluchten: Seine Liebe zu Richard Wagner und zu den Bergen, sein Faible für Erziehungsfragen und seine Sehnsucht nach einer anderen Welt, die sich in der Bewunderung für den zivilisationskritischen Philosophen und Theologen Johannes Müller ausdrückte. Prinz Max von Baden, der Müller als seinen „Seelenführer“ bezeichnete, war es auch, der 1916 dessen Schloss Elmau einweihte - als Freiraum des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens.

Die Schau ist bis zum 6. November im Generallandesarchiv Karlsruhe zu sehen. Weitere Informationen im Internet unter www.landesarchiv-bw.de/web/60636.

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