Manfred Schmid vom Planungsstab Stadtmuseum hat die neue Schau mit konzipiert. Foto: Claudia Leihenseder

Viele kennen die Fritz-Elsas-Straße, wenige deren in Bad Cannstatt geborenen Namensgeber. Eine neue Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt zeigt in Text und Bild, wer der erfolgreiche Politiker war, der von den Nazis 1933 entmachtet und 1945 wegen seiner Rolle im Widerstand ermordet wurde.

Bad Cannstatt - Den Namen Fritz Elsas verbinden die meisten Stuttgarter nur mit der Straße, die durch die Bezirke Mitte und West führt. Dass der gebürtige Bad Cannstatter zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erfolgreicher Politiker war, der von den Nazis erst 1933 entmachtet und dann 1945 wegen seiner Rolle im Widerstand ermordet wurde, wissen nur wenige. Seit vergangenem Mittwoch erinnert nun eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt an den „Demokraten im Widerstand“.

„Fritz Elsas war nicht nur für Stuttgart ein wichtiger Politiker“, sagt Anja Dauschek, die Leiterin des Planungsstabes Stadtmuseum. Zum Verhängnis wurde dem zum Christentum konvertierten Juden seine Verbindung zu den Widerständlern und Attentätern vom 20. Juli 1944. Dem früheren Oberbürgermeister von Leipzig und Widerstandskämpfer Carl Goerdeler gewährte er nach dem misslungenen Attentat auf Adolf Hitler Unterschlupf – wobei Goerdeler von einem Passanten oder Nachbarn erkannt wurde. So wurden beide denunziert und Fritz Elsas am 10. August 1944 verhaftet. Nach den Plänen der Widerständler hätte Elsas Leiter der Reichskanzlei werden sollen, wenn das Attentat geglückt wäre. Stattdessen kam er ins Gefängnis und wurde im Januar 1945 im KZ Sachsenhausen ohne vorherigen Prozess erschossen.

Kontakt zu Elsas Nachfahren in Amerika

Diese und viele andere Fakten haben Manfred Schmid vom Planungsstab Stadtmuseum sowie der Historiker Olaf Schulze zusammengetragen. Viele der Originaldokumente, Fotografien, Tagebücher und Briefe hat Schmid aus dem Privatbesitz der Familie Elsas erhalten. Denn Schmid hat schon seit Jahrzehnten Kontakt zu den Nachfahren, die in Amerika leben. Ein Zufallsfund ist hingegen der Reisepass, den Schmid im Staatsarchiv in Ludwigsburg persönlich entdeckt hat.

Unter den Exponaten ist auch der letzte Brief von Fritz Elsas, der von einem SS-Mann aus dem Gefängnis geschmuggelt wurde. Er bedankt sich für die Wäsche und stellt viele Fragen nach dem Wohlbefinden der Familie und Freunde. Denn Nachricht hat er keine: „Bei jedem Alarm denke ich doppelt an Euch – aber was nützt das, wenn man nachher nichts erfährt.“

Im Ersten Weltkrieg versorgte Elsas die Stuttgarter

Bereits im Ersten Weltkrieg hat Fritz Elsas für die Stuttgarter Bevölkerung eine große Rolle gespielt. Als Direktor des städtischen Lebensmittelamts hat er die Versorgung der Einwohner mit Nahrungsmitteln gesichert. Später wurde er Rechtsrat, Landtagsabgeordneter und schließlich 1931 zweiter Bürgermeister von Berlin.

Dass in der Stuttgarter Innenstadt die Fritz-Elsas-Straße und die Theodor-Heuss-Straße zusammenführen, passt gut zur Geschichte der beiden Familien. Denn diese waren nicht nur miteinander befreundet: Nach dem Krieg hat Fritz Elsas’ Tochter Hanne, die ihre Sippenhaft im KZ Ravensbrück überlebt hatte, den Heuss-Sohn Ernst Ludwig geheiratet. Und Theodor Heuss selbst gedachte bei einer Gedenkfeier im November 1945 im Staatstheater Stuttgart seines Freundes: „Da ist Fritz Elsas – einer der ersten Kenner und Täter deutscher sozialer und wirtschaftlicher Kommunalpolitik. Durch all die Jahre hat er es abgelehnt, Rufe ins Ausland anzunehmen, weil er in Deutschland seine und seiner Kinder Heimat wusste. Er war ein guter und wagender Freund.“

Die Ausstellung „Ein Demokrat im Widerstand – Im Gedenken an Fritz Elsas (1890 – 1945)“ ist noch bis zum 4. Oktober zu sehen. Das Stadtmuseum, Marktstraße 71/1 ist immer mittwochs von 14 bis 16 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos gibt es unter www.stadtmuseum-stuttgart.de.

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