Pausa-Werbemittel von Stankowski Foto:  

In den Pausa-Werken in Mössingen gehen bis in die 1980er Jahre Stoffdruck, Kunst und Design eine einmalige Allianz ein. Welchen Anteil hat Anton Stankowski (1906–1998) daran? Eine Ausstellung gibt Antworten.

Stuttgart - Ein Stankowski begegnet uns in fast allen deutschen Städten. Das Hauszeichen der Deutschen Bank. Ein Quadrat, eine nach rechts aufstrebende Diagonale – ein zeitloser und doch immer aktueller Dialog.

Elementar: Das Zeichen für die Deutsche Bank

Grundsätzliches wird thematisiert, konkretisiert, auf einen Punkt gebracht, dessen Unverrückbarkeit die Grenze zum Unbedingten der Kunst überschreitet. Das scheinbar leicht Gefundene, das unübersehbar Spielerische, erweist sich als das konsequent Entwickelte. Forschung und Präsentation werden deckungsgleich.

Auch Gefühle werden Farbform

Anton Stankowskis vielleicht schönstes Buch heißt denn auch schlicht „Gucken“ und ist für „erwachsene Kinder“ gedacht, „die ihr Erwachsensein gerne mit Kindern teilen“. Begriffe, Ereignisse und Hoffnungen nehmen darin die Gestalt geometrischer Farbformen an. Diese werden Zeichen, werden ­Bilder – teilen und einen die Welten der ­Gestaltung und der Kunst, visualisieren Stankowskis Credo, „die Mauern zwischen Kunst und Design einzureißen“.

Ideale Allianz

So ist es nur folgerichtig, dass Stankowski sich 1951 an ein Unternehmen wendet, das in seiner Produktion hochwertiger Stoff­drucke auf die Zusammenarbeit mit seinerzeit aktuellen Künstlern setzt. Seit 1946 produzieren die Pausa-Werke in Mössingen wieder, und unter der Leitung von Willy Häussler wird das über den Stoffdruck in ­alle privaten Lebensbereiche getragene ­Bekenntnis zur gestalterischen Gegenwart zur Erfolgsformel.

Stankowski macht das Pausa-P legendär

Häussler holt sich die Genehmigung, zum Druck von Szenen Willi Baumeisters, lädt HAP Grieshaber zu Entwürfen für die Pausa-Kollektionen ein – später etwa auch Piero Dorazio. Mit Anton Stankowski geht ­die ­Allianz noch weiter. Drei Stoff-Entwürfe steuert Stankowski bei, und doch verbindet sich die Pausa-Geschichte bis Mitte der 1970er Jahre eng mit dem Stuttgarter Maler und Gestalter. Stankowski entwickelt einen Gesamtauftritt, macht den Pausa-Schriftzug und das P zu eigenen Markenzeichen.

Mehr noch: „Ob Prospekte der neuesten Kollektionen, Faltblätter, Plakate oder Grußkarten“, heißt es in der Pausa-Dokumentation, „alles gestaltete seit Anfang der 1950er Jahre Stankowskis Atelier. Selbst kleine Gaben als Dankeschön für die Mitarbeiter oder Werbegeschenke bekamen dessen Gestaltungsstempel. Da gab es das Pausa-Taschentuch mit Stankowski-gestalteter Hülle; oder gar das ,Webwasser’, ein von der Pausa lizenzierter Schnaps – dessen ­Etikett Stankowski gestaltete“.

Ständige Grenzüberschreitung

Was ist von alldem geblieben? Gibt es – wie bei Stankowski zu erwarten – Verbindungen zum zeitgleich entstehenden zeichnerischen und malerischen Werk? Die Ausstellung „Stankowski und die Pausa“ – konzipiert und realisiert durch die Stankowski-Stiftung in Stuttgart und zu sehen bis zum 18. März 2018 – sucht eben dies zu ­klären, zeigt Stankowskis Stoffentwürfe und belegt die bewusste ständige Grenzüberschreitung zwischen freier und ­angewandter Kunst.

Denkmal Pausa wird lebendig

Zu sehen ist all dies in der Tonnenhalle, im Herz der 1961 von Manfred Lehmbruck­ ­errichteten „Neuen Pausa“. Das Signal ­produktionstechnischer und künstlerischer Innovation ist seit 2004 ein Denkmal. Mitsamt den Sammlungen (Stoffmuster, Entwurfszeichnungen, Musterbücher, Firmenbibliothek) stehen die Gebäude als Sach­gesamtheit Pausa unter Denkmalschutz.

Allianz von Kunst und Wirtschaft

„Stankowski und die Pausa“ macht Wirtschafts- und Kunstgeschichte lebendig und unterstreicht nachdrücklich das Credo Anton Stankowskis: Viele Gedanken sind wünschenswert, eine Handschrift ist notwendig.

Die Geschichte der Pausa

1919 Gründung der Mechanischen Weberei Pausa durch die Gebrüder Löwenstein auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik Bernheim und Sohn in der Falltorstraße in Mössingen. 1921 Beginn des Drucks von Dekorationsstoffen im Holzmodeldruck.

1929 gewinnt die Pausa auf der Weltausstellung in Barcelona zwei große Preise – für gewebte Dekorationsstoffe sowie für bedruckte Vorhangstoffe.

1930 sind Pausa-Stoffe in Paris und im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen. 1932 Erste Stoffe im Filmhanddruck (Siebdruck). 1935 holen die Löwensteins Willy Häussler als künstlerischen Berater in die Pausa.

Nicht vergessen: Die Pausa wird 1936 „arisiert“

1936 sehen sich Artur und Felix Löwenstein unter dem Druck Hitler-Deutschlands gezwungen, die Firma zu verkaufen. Im Zuge dieser „Arisierung“ geht die Pausa an die Firmengruppe Burkhardt-Greiner.

Neubeginn im Sinn der Pausa-Gründer

1946 beginnt Willy Häussler – nun als künstlerischer Leiter – mit der Reorganisation der Pausa. Er sucht den Dialog mit Künstlern. Über den Kontakt mit Anton Stankowski entsteht die Idee eines Pausa-Gesamtbildes. Der Bau der 1961 eingeweihten „Neuen Pausa“ durch Wilhelm Lehmbruck gibt dem Unternehmen auch architektonisch ein unverwechselbares Gesicht. Ende der 1970er Jahre gibt Willy Häussler die Leitung der Pausa ab.

2001 meldet die Pausa Insolvenz an – und wird von der Textildruckfirma Beck übernommen. 2004 wird der Betrieb eingestellt. Der Denkmalschutz verhindert die Verwertung des Areals, 2006 erwirbt die Stadt Mössingen das Industriedenkmal Neue Pausa. Die Wüstenrot-Stiftung sichert die Dokumentation der Stoffmuster.

Stankowski-Schau in der Ruoff-Stiftung

Die Schau „Stankowski und die ­Pausa“ in der Tonnenhalle des Pausa-Areals in ­Mössingen zeigt den Maler und Gestalter Anton ­Stankowski als Entgrenzer. Von ­diesem Sonntag an gilt in den Räumen der Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schelling­straße 12) eine Ausstellung dem Begriff des Konkreten im Werk des 1998 in Esslingen gestorbenen Anton Stankowski.

Dialog zwischen Stankowski und Ruoff

„Alles ist konkret“, sagte Stankowski, „weil alles Reale konkret ist“. Zugleich ­haben seine Bildkonzepte eigene Tiefe. „Neu erlebbar“ wird diese aus Sicht von Hildegard Ruoff, „in einem Dialog der Werke von Anton Stankowski mit Fritz Ruoffs chiffrenhafter Befragung unserer Existenz“. An ­diesem Sonntag um 11 Uhr wird die Schau „Das heilige Konkrete/Das konkret Heilige“ in der Ruoff-Stiftung eröffnet.

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