Ausstellung „Anton Stankowski und die Pausa“ Viele Gedanken, eine Handschrift

Von Nikolai B. Forstbauer 

In den Pausa-Werken in Mössingen gehen bis in die 1980er Jahre Stoffdruck, Kunst und Design eine einmalige Allianz ein. Welchen Anteil hat Anton Stankowski (1906–1998) daran? Eine Ausstellung gibt Antworten.

Stuttgart - Ein Stankowski begegnet uns in fast allen deutschen Städten. Das Hauszeichen der Deutschen Bank. Ein Quadrat, eine nach rechts aufstrebende Diagonale – ein zeitloser und doch immer aktueller Dialog.

Elementar: Das Zeichen für die Deutsche Bank

Grundsätzliches wird thematisiert, konkretisiert, auf einen Punkt gebracht, dessen Unverrückbarkeit die Grenze zum Unbedingten der Kunst überschreitet. Das scheinbar leicht Gefundene, das unübersehbar Spielerische, erweist sich als das konsequent Entwickelte. Forschung und Präsentation werden deckungsgleich.

Auch Gefühle werden Farbform

Anton Stankowskis vielleicht schönstes Buch heißt denn auch schlicht „Gucken“ und ist für „erwachsene Kinder“ gedacht, „die ihr Erwachsensein gerne mit Kindern teilen“. Begriffe, Ereignisse und Hoffnungen nehmen darin die Gestalt geometrischer Farbformen an. Diese werden Zeichen, werden ­Bilder – teilen und einen die Welten der ­Gestaltung und der Kunst, visualisieren Stankowskis Credo, „die Mauern zwischen Kunst und Design einzureißen“.

Ideale Allianz

So ist es nur folgerichtig, dass Stankowski sich 1951 an ein Unternehmen wendet, das in seiner Produktion hochwertiger Stoff­drucke auf die Zusammenarbeit mit seinerzeit aktuellen Künstlern setzt. Seit 1946 produzieren die Pausa-Werke in Mössingen wieder, und unter der Leitung von Willy Häussler wird das über den Stoffdruck in ­alle privaten Lebensbereiche getragene ­Bekenntnis zur gestalterischen Gegenwart zur Erfolgsformel.

Stankowski macht das Pausa-P legendär

Häussler holt sich die Genehmigung, zum Druck von Szenen Willi Baumeisters, lädt HAP Grieshaber zu Entwürfen für die Pausa-Kollektionen ein – später etwa auch Piero Dorazio. Mit Anton Stankowski geht ­die ­Allianz noch weiter. Drei Stoff-Entwürfe steuert Stankowski bei, und doch verbindet sich die Pausa-Geschichte bis Mitte der 1970er Jahre eng mit dem Stuttgarter Maler und Gestalter. Stankowski entwickelt einen Gesamtauftritt, macht den Pausa-Schriftzug und das P zu eigenen Markenzeichen.

Mehr noch: „Ob Prospekte der neuesten Kollektionen, Faltblätter, Plakate oder Grußkarten“, heißt es in der Pausa-Dokumentation, „alles gestaltete seit Anfang der 1950er Jahre Stankowskis Atelier. Selbst kleine Gaben als Dankeschön für die Mitarbeiter oder Werbegeschenke bekamen dessen Gestaltungsstempel. Da gab es das Pausa-Taschentuch mit Stankowski-gestalteter Hülle; oder gar das ,Webwasser’, ein von der Pausa lizenzierter Schnaps – dessen ­Etikett Stankowski gestaltete“.

Ständige Grenzüberschreitung

Was ist von alldem geblieben? Gibt es – wie bei Stankowski zu erwarten – Verbindungen zum zeitgleich entstehenden zeichnerischen und malerischen Werk? Die Ausstellung „Stankowski und die Pausa“ – konzipiert und realisiert durch die Stankowski-Stiftung in Stuttgart und zu sehen bis zum 18. März 2018 – sucht eben dies zu ­klären, zeigt Stankowskis Stoffentwürfe und belegt die bewusste ständige Grenzüberschreitung zwischen freier und ­angewandter Kunst.

Denkmal Pausa wird lebendig

Zu sehen ist all dies in der Tonnenhalle, im Herz der 1961 von Manfred Lehmbruck­ ­errichteten „Neuen Pausa“. Das Signal ­produktionstechnischer und künstlerischer Innovation ist seit 2004 ein Denkmal. Mitsamt den Sammlungen (Stoffmuster, Entwurfszeichnungen, Musterbücher, Firmenbibliothek) stehen die Gebäude als Sach­gesamtheit Pausa unter Denkmalschutz.

Allianz von Kunst und Wirtschaft

„Stankowski und die Pausa“ macht Wirtschafts- und Kunstgeschichte lebendig und unterstreicht nachdrücklich das Credo Anton Stankowskis: Viele Gedanken sind wünschenswert, eine Handschrift ist notwendig.

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