Noch gar nicht so lange ausgestorben ist der Beruf des Schriftsetzers. Der Schriftsatz geht auf Johannes Gutenbergs ­Erfindung des Buchdrucks von 1445 zurück, welcher das Schreiben und Kopieren von Büchern mit der Hand verdrängte. Foto: dpa-Zentralbild

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich ­viele Handwerke sehr verändert. Manche Berufe, die früher zum Alltag gehörten, sind inzwischen sogar ausgestorben.

Stuttgart - Im Laufe der Jahrhunderte haben sich ­viele Handwerke sehr verändert. Manche Berufe, die früher zum Alltag gehörten, sind inzwischen sogar ausgestorben.

Köhler

Aus Holz Kohle machen: Das war die Aufgabe des Köhlers. Mit Holz von Bauern oder Waldarbeitern errichtete er sogenannte Kohlemeiler im Wald. Dazu stellte er einen stabilen Holzpflock auf, um den herum er Scheit um Scheit lehnte. Das Ergebnis war ein großer Holzhaufen, den der Köhler mit Fichtenzweigen, Erde, Heu, Moos und kleinen Kohlestücken bedeckte. Erst danach entfachte er ein Feuer auf der Spitze, das langsam absackte und im Inneren des Meilers vor sich hin schwelte. Um einen Waldbrand durch Funkenflug zu verhindern und um die Sauerstoffzufuhr des Meilers zu regeln, musste der Köhler stets in der Nähe des Kohlemeilers bleiben. Wenn das Holz nach einigen Tagen zu Kohle verschwelt war, zog er zum nächsten Arbeitgeber. Durch die vermehrte Nutzung von Steinkohle und die Entdeckung von Erdöl ging die Köhlerei im Laufe des 18. Jahrhunderts zurück.

Stellmacher

Aus den Handwerken des Wagners und des Radmachers ging im frühen 19. Jahrhundert der Beruf des Stellmachers hervor. Der Stellmacher produzierte Räder und Wagengestelle – darüber hinaus aber auch andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz sowie Leitern und Schlitten. Neben der Anfertigung dieser Geräte war der Stellmacher auch für die Reparatur und Instandhaltung derselben zuständig. Im späten 19. Jahrhundert war er als Waggonbauer im Eisenbahnbetrieb begehrt. Später – zu Pionierzeiten des Automobils – war der Stellmacher auch als Karosseriebauer gefragt. Durch die industrielle Fließbandfertigung verlor die Stellmacherei dann an Bedeutung. Seit dem Jahr 1965 gibt es dieses Berufsbild in Westdeutschland nicht mehr. In der DDR hielt sich die Stellmacherei noch etwas länger: In den landwirtschaftlichen Genossenschaften waren bis zur Wende 1989 noch einige Stellmacher tätig.

Böttcher

In der Wein- und Landwirtschaft war der Böttcher einst für die Fabrikation von Holzgefäßen zuständig. Diese wurden aus Dauben – speziell geformten Holzstücken – hergestellt, die mit hölzernen oder eisernen Reifen zusammengehalten wurden. Mittlerweile wird die Arbeit des Böttchers größtenteils von Maschinen erledigt. Deshalb ist das Handwerk nahezu ausgestorben. In Deutschland gibt es keine eigenen Berufsschulklassen mehr für Böttcher. Sie belegen dieselben Kurse wie angehende Tischler. Hauptsächlich in Keltereien hat der Böttcher unter der Bezeichnung Küfner heute noch zu tun. Dort braucht man runde und ovale Fässer mit unterschiedlichem Fassungsvermögen für die Lagerung der Weine. Seit der Renaissance von Eichenfässern in den Keltereien mangelt es den Küfern gar an Nachwuchskräften: Die Fässer müssen nicht nur gefertigt, sondern auch instand gehalten werden.

Kupferstecher

Im 17. und 18. Jahrhundert war der Kupferstecher ein weit verbreiteter Beruf: Bis zur Erfindung der Lithografie im 19. Jahrhundert war der Kupferstich das geläufigste Illustrationsmittel. Der Kupfer­stecher war in einer Malerwerkstatt oder in einem Verlagshaus beschäftigt, wo er durch spanabhebende Verfahren Gemälde und Illustrationen auf Kupferplatten kopierte. Auch Künstler wie Albrecht Dürer nutzten das Verfahren oft für ihre Bilder. Eigene Werke produzierte der Kupferstecher aber nicht. Mit dem Aufkommen des Papiergeldes wurde er häufig verdächtigt, Scheine zu fälschen – daher die Anrede „Mein lieber Freund und Kupferstecher“.

Schriftsetzer

Noch gar nicht so lange ausgestorben ist der Beruf des Schriftsetzers. Bis 1998 arbeitete er im Buch- und Zeitungsdruck. Im Stehen setzte er aus Blei gegossene Buchstaben und Zeichen aus einem rund 20 Kilogramm schweren Setzkasten in den sogenannten Winkelhaken. So schaffte er etwa 1500 Zeichen pro Stunde. Die Handsatzschriften mussten später wieder in ihre jeweiligen Fächer im Setzkasten zurückgelegt werden, was mit großem Aufwand verbunden war. Der Schriftsatz geht auf Johannes Gutenbergs ­Erfindung des Buchdrucks von 1445 zurück, welcher das Schreiben und Kopieren von Büchern mit der Hand verdrängte. In den 90er Jahren machten technische Veränderungen den Schriftsetzer überflüssig. Sein Nachfolger ist der Mediengestalter.