Die Labyrinthbesucher begeben sich auf eine Expedition. Es ist keine politische Botschaft damit verbunden, doch setzen die Betreiber ein gesellschaftliches Thema um. Foto: Familie Siegle

In 90 Minuten durch ein zweieinhalb Hektar großes Feld: Wer sich seinen Weg sucht durch das Maislabyrinth, taucht ein in das Leben in der Arktis.

Ditzingen - Am Anfang geht es um jeden Millimeter. Ein zweieinhalb Hektar großes Feld in der Ditzinger Kernstadt wird auf ein Blatt Papier gebannt, das vor Anja Siegle liegt. Fünf Meter schrumpfen dann auf einen Zentimeter. Das ist seit 17 Jahren so. Daran hat sich auch im 18. Jahr nichts geändert. So entsteht das Maislabyrinth, das von diesem Samstag an die Besucher lockt. Dann zählt einzig noch der Spaß an dem Irrgarten, das Hoffen auf trockenes, nicht allzu heißes Wetter in den nächsten Wochen. Vergessen ist die Arbeit, um das Maislabyrinth anzulegen.

Das Maislabyrinth steht jedes Jahr unter einem Motto, „Expedition Arktis“ lautet es dieses Jahr. Wale tummeln sich im Mais, zudem Eisbären und Walrosse. Die Eisberge säumen ebenso wie Iglus das Ufer Im Wasser gleitet zudem ein Schiff dahin. „Tiermotive sprechen die Besucher an“, sagt Anja Siegle. „Die Safari kam richtig gut an.“ Vergangenes Jahr irrten die Besucher durch Giraffen, Zebras, Elefanten und ein Nashorn. Lustige Suchrufe im Mais wie „Wo bist Du? – Ich bin in der Giraffe“ sind Anja Siegle in Erinnerung geblieben.

Die ganze Familie gestaltet das Motiv

Entstanden ist das Bild auch in diesem Jahr im Lauf einer Diskussion. Die Familie spricht mit, verschiebt über etliche Stunden einzelne Elemente, bis das Motiv steht. Wenn man schnell sei, komme man in anderthalb Stunden durch das Labyrinth, lautet Siegles Erfahrung. Dabei haben die Irrgartenbesucher entlang des Wegs mehrere Möglichkeiten, das Maisfeld zu verlassen, Pause zu machen. Daran hält die Betreiberfamilie fest. „Wir sind unserer Linie treu geblieben“, sagt Siegle. Das ist möglicherweise ein Faktor, um in der Konkurrenz zu den anderen Angeboten – sei es in Renningen oder in Stuttgart – zu bestehen.

Dabei werden die Besucher in diesem Jahr vermutlich überall in der Region in einem besonders dichten Feld wandeln. Denn unabhängig davon, dass der Landwirt Gerhard Siegle den Mais in doppelter Menge gesägt hat, sind die Pflanzen inzwischen rund dreieinhalb Meter hoch. Das Wetter begünstigte das Wachstum: Nachdem der Mais im April gesät wurde, hat die Kältewelle den Pflanzen nicht geschadet. Die wärmeliebenden Pflanzen waren schließlich noch im Boden. „Der Mais mag keine Nachttemperaturen unter acht Grad“ , sagt Anja Siegle. Außerdem gab es in den vergangenen Tagen viel Niederschlag: „Der Regen ist zur rechten Zeit gekommen.“

Da waren die Wege und Figuren längst angelegt. Im Juni hat das Ehepaar Siegle die Wege vom Millimeterpapier auf das Feld übertragen, sie wurden ausgemessen und von Hand abgesteckt, von Hand dann auch freigehackt. Weil Gerhard Siege die Pflanzen längs und quer ähnlich einem Karopapier sät, lässt sich die Zeichnung vom Millimeterpapier gut übertragen. „Bei einem Kreis muss man schon richtig messen“ , sagt Anja Siegle. Nur so entsteht auch das Bild der Windrose. Ob sie tatsächlich richtig gemessen haben, sehen sie freilich erst auf dem Luftbild. Ein großer Schnitzer ist ihnen noch nie unterlaufen. Und kleine Schönheitsfehler sehen nur Siegles selbst. Zehn Tage waren beide dieses Jahr beschäftigt. Das Wetter hat mitgespielt. Letztes Jahr seien es mehrere Wochen gewesen, denn es hatte zuviel geregnet.

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