Ausbildung Steuerfachangestellte – Mehr als nur Bilanzen prüfen

Von Andrea Wyrwoll 

Der Auszubildende Julian Lauxmann prüft Akten an seinem Arbeitsplatz beim Steuerbüro JustBERUF: SteuerfachangestellteSCHULABSCHLUSS: Realschulabschluss oder AbiturINHALT: Erstellung von Steuererklärungen, Betreuung von Kunden,Erstellung der FinanzbuchprüfungDAUER DER AUSBILDUNG: 3 JahreGEHALT: 1. Jahr 400 bis 700 Euro, 2. Jahr 500 bis 750 Euro, 3. Jahr 600 bis 800 Euro Foto: Leif Piechowski
Der Auszubildende Julian Lauxmann prüft Akten an seinem Arbeitsplatz beim Steuerbüro Just
BERUF: Steuerfachangestellte
SCHULABSCHLUSS: Realschulabschluss oder Abitur
INHALT: Erstellung von Steuererklärungen, Betreuung von Kunden,Erstellung der Finanzbuchprüfung
DAUER DER AUSBILDUNG: 3 Jahre
GEHALT: 1. Jahr 400 bis 700 Euro, 2. Jahr 500 bis 750 Euro, 3. Jahr 600 bis 800 Euro Foto: Leif Piechowski

Nach dem Schulabschluss gibt es viele Möglichkeiten: Freiwilliges Soziales Jahr, ein Studium und die Ausbildung. In der Serie „Lehrjahre“ stellen wir verschiedene Ausbildungsberufe vor. Heute: Steuerfachangestellte.

Stuttgart - Nach dem Schulabschluss gibt es viele Möglichkeiten: Freiwilliges Soziales Jahr, ein Studium und die Ausbildung. In der Ausbildungs-Serie „Lehrjahre“ unserer Azubi-Initiative zett stellen wir verschiedene Ausbildungsberufe vor. Heute: Steuerfachangestellte.

Den meisten Leuten stellen sich die Nackenhaare hoch, wenn sie an ihre Steuererklärung denken. Julian Lauxmann dagegen hat sich für eine Ausbildung entschieden, bei der das Thema Steuern ganz oben auf der Tagesordnung steht. Der 20-Jährige aus Sindelfingen lernt seit September 2012 den Beruf des Steuerfachangestellten beim Steuerbüro Just. „Die Arbeit beinhaltet mehr als nur Steuererklärungen erstellen“, sagt er. Zu seinen Aufgaben zählen neben Buchhaltung und Steuerangelegenheiten, auch die Kontaktpflege mit den Unternehmen und Privatpersonen. „Bei meiner Arbeit gefällt mir besonders die Abwechslung“, sagt Lauxmann. Außerdem bekomme man als Steuerfachangestellter einen Einblick, wie ein Unternehmen hinter den Kulissen aufgestellt ist. „Wenn man diesen Einblick hat, kann man Unternehmen auch viel besser beraten“, sagt der Lehrling. Lauxmann arbeitet gerne mit Zahlen und kann sich für die Logik der Buchhaltung begeistern. „Man kann sehen, wie Unternehmen finanziell strukturiert sind“, sagt er.

Bereits in der Schule hat sich der 20-Jährige für Wirtschaftsthemen interessiert. „Auch über die Zusammenhänge und Abläufe der Finanzwelt habe ich mich informiert“, sagt der Abiturient, dessen Arbeitgeber an der zett-Initiative teilnimmt. Auch zwei Praktika in einer Behinderteneinrichtung und bei einem Jugendbetreuer konnten seinen Entschluss, nach dem Abitur in der Wirtschafts- und Finanzwelt zu arbeiten, nicht ändern. „Ich habe festgestellt, dass ich gerne im wirtschaftlichen Bereich tätig sein möchte.“

Im Internet hat er sich über die verschiedenen Ausbildungsberufe informiert. Trotz Abitur war Lauxmann schnell klar, dass er nicht studieren möchte. „Praxiserfahrung war mir erst mal wichtiger, als schon wieder den Kopf in die Bücher zu stecken“, sagt der Auszubildende. Insgesamt fünf Bewerbungen für Lehrstellen als Bankkaufmann, Finanzassistent und Steuerfachangestellter hat er Ende 2011 verschickt. Vonseiten der Schule hätte er sich mehr Information und Hilfe rund um das Thema Bewerbungen gewünscht. „Es wäre gut, wenn Bewerbungsgespräche öfter geübt worden wären. Nur mit Erfahrung wird man besser“, sagt er.

Obwohl sich der junge Mann umfassend über seinen Ausbildungsberuf informiert hat, ist er ohne große Erwartungen in die Lehre gestartet. „Man kann sich doch nie ein umfangreiches Bild machen. Aber ich bin sehr zufrieden“, sagt er.

Regelmäßig besucht der Lehrling die Berufsschule. Dort stehen vor allem Wirtschaftsthemen auf dem Programm. „Wir haben neben Rechnungswesen auch Fächer wie Steuern und Wirtschaftslehre“, sagt er. Im Gegensatz zum Gymnasium kommt es in der Berufsschule auf andere Eigenschaften an. „Man muss sehr genau sein mit den Formulierungen. Im Steuerrecht können unterschiedliche Worte ausschlaggebend sein“, sagt Lauxmann. Daher müsse man die Paragrafen Wort für Wort lesen.

In vielen Ausbildungsberufen besteht die Möglichkeit, die Ausbildungszeit mit entsprechenden Noten zu verkürzen. „Bei Steuerfachangestellten ist das eher unüblich“, sagt Lauxmann. Die dreijährige Lehrzeit werde gebraucht, um die Grundlagen ausgiebig und sicher zu lernen. „In der Steuergesetzgebung ändert sich andauernd etwas, da muss man immer auf dem neuesten Stand bleiben“, sagt Lauxmann. Und dafür sei es einfach wichtig, dass die Grundlagen sitzen.

Obwohl Julian Lauxmann noch am Anfang seiner Ausbildung ist, weiß er schon genau, wie es nach dem Ende der Lehre weitergehen soll. „Studieren kommt nicht infrage. Ich will im Tagesgeschäft bleiben“, sagt er. Daher könne er sich vorstellen, sich berufsbegleitend zum Bilanzbuchhalter oder Steuerberater weiterbilden zu lassen. „Mit meiner kaufmännischen Ausbildung sind mir ja auch keine Grenzen gesetzt“, sagt Lauxmann. Den Blick für Aus- und Einnahmen hat der junge Mann auch im privaten Bereich. Daher wohnt er noch zu Hause bei seinen Eltern. „Ich möchte mein Gehalt nicht nur für eine Wohnung ausgeben, sondern auch noch etwas sparen“, sagt der angehende Steuerfachangestellte.

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