Mäuse, die durch ein Stuttgarter Lokal huschen? Ein Video aus der Burger-Kette Five Guys war auf Instagram zu sehen. Doch Fachleute stellten dort kein Schädlingsproblem fest. Wie reagiert das Unternehmen?
Der Kammerjäger findet nichts. Die Fachleute der Lebensmittelüberwachung finden nichts. Die Betreiber finden nichts. Und doch: Es existiert ein Video, wie drei kleine Mäuse des Nachts durch das Burgerlokal Five Guys an der Stuttgarter Königstraße fetzen. Erst die Wand rechts der Eingangstür entlang, dann eine mutige Maus quer über den Fliesenboden.
Ist das Video überhaupt echt?
Verbreitet hat das Video dieser Tage die Instagramplattform Stuttgart Memes, die es unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat. Dahinter steckt eine Werbeagentur für Social-Media-Inhalte. Sie werden laut einem der Macherinnen und Macher seit der Veröffentlichung, die nur 24 Stunden zu sehen war, mit Nachrichten bombardiert. Zum einen würden sich die Hinweise auf Mäuse und Ratten in der Nähe Stuttgarter gastronomischer Betriebe häufen. Zum anderen erreiche sie der Vorwurf, das Video mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt zu haben. „Das haben wir nicht, das können wir gar nicht“, heißt es von Stuttgart Memes nur. Das kurze Handyfilmchen sei echt, beteuern sie.
Was aber war nun los im Five-Guys-Lokal? Zumindest sei der Kammerjäger deutlich häufiger als ohnehin schon in dem Restaurant gewesen, teil Nadine Wolf, die Sprecherin des Unternehmens, mit. Grundsätzlich komme der Kammerjäger in allen Betrieben einmal im Monat. An problematischen Standorten, dazu zähle auch Stuttgart, wöchentlich. Diese Frequenz habe man nach dem Auftauchen des Videos sogar noch mal erhöht. Stuttgart gilt, unter anderem aufgrund der Baustellen im Umfeld, als ein problematischer Standort. Das Unternehmen habe grundsätzlich sehr hohe Hygienestandards, die habe man nun noch einmal überprüft. Die Lebensmittel würden 15 Zentimeter über dem Boden gelagert, damit keine Tiere dran komme. Abfall liege in geschlossenen Tonnen in einem separaten Müllraum, bis zur Abholung. Der Kammerjäger habe keinen Schädlingsbefall feststellen können.
Das bestätigt auch die Stadt. Das Video sei bei den Fachleuten der Lebensmittelüberwachung schon vor der Öffnung des Lokals am Montagmorgen bekannt gewesen. Sie seien direkt zur Kontrolle hingegangen, fanden aber keine Spuren von den Tieren – also weder Fressspuren noch Hinterlassenschaften wie Mäusekot.
Vor allem ältere Gebäude betroffen
Dass Mäuse in der City in Gebäude eindringen, sei indes keine Seltenheit, teilt ein Sprecher der Stadt die Einschätzung der Fachleute mit. Davon seien meist ältere Gebäude betroffen, die sich nicht hundertprozentig abdichten ließen. Wenn so ein Befall festgestellt werde, müsste der Betrieb sofort effektive Bekämpfungsmaßnahmen vornehmen. Zudem müssten sie Prophylaxe betreiben, also Abwehrmaßnahmen, und Monitoring-Fallen aufstellen. Letztere werden quasi „auf Verdacht“ platziert, um zu sehen, ob Mäuse reintappen – also in den Laden gekommen sind.
In der jährlichen Bilanz der Lebensmittelüberwachung präsentiert deren Leiter Thomas Stegmanns immer wieder die ekligsten und skurrilsten Funde des zurückliegenden Jahres. Nicht selten sind dabei auch Fotos von Mäusekot oder toten Nagetieren, die unter Küchenmöbeln liegen, dabei. Ein Fundtier der Kontrolleurinnen und Kontrolleure hat es sogar ins Museum geschafft: In Frühstücksflocken entdeckten sie eine mumifizierte Fledermaus. Sie ist nun in Rotterdam zu bewundern. Dort hat das Naturkundemuseum eine Abteilung „Tote Tiere mit Geschichte“.