Klare Sache: Felixa Dollinger und ihre Kabarett-Kollegin Christina Rieth zeigen im Zeppelinstüble, was Sache ist. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Dollingerie-Theater hat beim 34. „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch im Zeppelinstüble auf sich aufmerksam gemacht. Und dann gab’s da auch noch einen schwäbischen Oscar.

Stuttgart - Eigentlich könnten es Rei­gschmeckte doch so leicht haben: einfach richtig Schwäbisch lernen und dann ein paar Verhaltensgrundregeln beherzigen, die einen echten Schwaben nun einmal von einem Nicht-Schwaben unterscheiden. Wer sich daran hält, gewinnt: Denn „Schwäbisch macht sexy“! Da sind sich Christina Rieth und Felixa Dollinger sicher.

Mit ihrem „Grundkurs in schwäbischer Kultur“ unter dem Programmtitel „Schwäbisch macht sexy“ waren die beiden Schauspielerinnen, die zusammen seit fast zehn Jahren das Dollingerie-Theater bilden, am Donnerstagabend zu Gast beim „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch im Zeppelinstüble des Hotels Steigenberger Graf Zeppelin in Stuttgart. Nun könnte man meinen, beim Stammtisch – bekanntlich bestehend aus gestandenen Urschwaben – einen Grundkurs in schwäbischer Kultur abzuhalten sei Eulen nach Athen getragen. Doch weit gefehlt: Denn erstens hört jeder Schwabe gern, dass seine Mundart unwiderstehlich anziehend wirken kann. Und zweitens schadet eine gute Portion ironische Selbstbespiegelung nie.

Ist Schwäbisch wirklich so unverständlich?

Die Muster-Schwäbin Christina Rieth hat jedenfalls ein ganzes Paket an guten Ratschlägen für ihre Bühnenpartnerin Felixa Dollinger parat, damit diese in der Rolle der reigschmeckten jungen Single-Frau hierzulande endlich Anschluss findet. Ratschlag Nummer eins: „Wer sich wie a Reigschmeckte verhält, wird au so behandelt!“ „Wie soll ich mich hier einbürgern?“, fragt die andere in lupenreinem Schriftdeutsch zurück, „ich bin ja schon froh, wenn ich etwas verstehe.“ Ist Schwäbisch aber wirklich so unverständlich? „Für einen Reingeschmeckten klingt es am ersten Tag wie Chinesisch“, sagt Felixa Dollinger. Was Christina Rieth Anlass zu einer ersten Sprachkorrektur liefert: Heißt es doch, wie alle wissen, auf Schwäbisch: „Kinesisch“!

Ein hoffnungsloser Fall also? Auch nach 15 Jahren in Schwaben „bisch ond bleibsch halt a Neigschmeckte“, lässt Rieth ihre Bühnenfreundin wissen. Ändern lasse sich das nur auf die eine einzige Weise: „An rechta Schwob heirate!“ Und dabei gelte es, gut zu prüfen, ob der Auserwählte „beim Daimler schafft ond en Bausparvertrag hot“. Die Aussicht auf Erfolg am schwäbischen Heiratsmarkt wachse für die Frau im Übrigen mit dem richtigen „Schtyling“,weiß die Muster-Schwäbin. Soll heißen: Erst der karierte Kittelschurz macht die Neuschwäbin zur guten Partie. „Ond mach am beschte dazu no an Buckel“, rät Christina Rieth, die die Lacher an diesem Abend klar auf ihrer Seite hat.

Krönender Abschluss: das „Ditfele“

Obwohl die Schauspielerinnen, die sich auf der Schauspielschule in Stuttgart kennengelernt haben, mit ihrem Sketche-Abend „Schwäbisch macht sexy“ schon seit Jahren unterwegs sind, war der Auftritt beim „Auf gut Schwäbisch“-Stammtisch für die beiden Künstlerinnen eine Premiere. Im Interview mit Moderator Tom Hörner verrät Christina Rieth: „Das war das erste Mal, dass wir das Stück nur vor Schwaben gespielt haben.“ Eine besondere Herausforderung.

Einen im Wortsinn krönenden Abschluss erhielt die Veranstaltung durch den Wiernsheimer Peter Stantscheff. Der Kunstgießer überreichte Lokalressortchef Jan Sellner ein Ehren-„Diftele“ für das Zehn-Jahr-Jubiläum von „Auf gut Schwäbisch“. „Ich habe sozusagen einen schwäbischen Oscar kreiert“, beschreibt Stantscheff unter großem Applaus seine Bronze-Skulptur.

Erreich- und buchbar ist das Dollingerie-Theater unter dieser Adresse: http://www.dollingerietheater.de/