Nach dem Khagåhaggår fragt unser Leser Foto: StN

„Im Schwäbischen Schimpfkalender 2012 von Thaddäus Troll habe ich den Begriff ,Kh‘o`gahacker‘ entdeckt. Leider habe ich keinen Hinweis gefunden, der über die Bedeutung Auskunft gibt.“

Stuttgart - „Im Schwäbischen Schimpfkalender 2012 von Thaddäus Troll habe ich den Begriff ,Kh‘o`gahacker‘ entdeckt. Leider habe ich keinen Hinweis gefunden, der über die Bedeutung Auskunft gibt.“ Nikolaus Erps aus Stuttgart tut sich mit diesem Wort schwer, und das mit gutem Grund.

Wenn dieser Begriff mit „o`“ geschrieben ist, dann dürfte damit das offene „o“, in diesen Beiträgen mit „ò“ wiedergegeben, gemeint sein. Dieses offene „o“ kommt in solchen schwäbischen Wörtern vor, die in der deutschen Sprache mit einem langen „a“ versehen sind, also „dò, Jòhr, schlòfå“, hier wäre es demnach ein „Kòg“. Wie in Fischers Wörterbuch dargelegt ist, wird jedoch das Wort „Kag(en)“ nicht mit einem „ò“ gesprochen, sondern mit einem normalen „a“. Diese Auffassung vertritt auch Hermann Wax in seiner „Etymologie des Schwäbischen“, wo es heißt: Kagen wird immer mit langem a, und nie mit langem ò gesprochen.

Nun aber zur Bedeutung von „Kag“. Bei Fischer liest man: „Kag(en), gesprochen khag(å), Plur. Käge(n), Krautstrunk, das Feste, Markige im Innern des Krauts (und Salats), meist samt Stengel“. Der Krautstrunk wird im Schwäbischen „Krautkhagå“ genannt. Nach dem Khagåhaggår fragt unser Leser. Nun, darunter versteht man „einen Geizhals, einen knauserigen Menschen“, also eine Person, die sogar am Strunk noch spart, und ein „Khagåsiådår“ ist ein verächtlicher Name für einen Hungerleider.

Renate Seher aus Stuttgart-Vaihingen schreibt: „Aus meiner Jugend in den fünfziger Jahren kenne ich das Wort ‚Budole oder Butole‘, weiß aber nicht mehr, in welchem Zusammenhang. Ich glaube, es hatte etwas mit der Kleidung zu tun.“ Wilhelm Wegenast aus Stuttgart berichtet: „Wir waren neulich bei einer kleinen Gesellschaft, als eine Dame zu einer anderen sagte: ‚Du hasch heut aber a schös Buttole a.‘ Während der größte Teil der Anwesenden sofort wusste, was gemeint war, hatten die anderen, darunter auch ich, dieses Wort noch nicht gehört. Es handelte sich dabei um einen Ohrclip, und Buttole ist offensichtlich die schwäbische Verkleinerung des französischen Wortes ‚bouton‘ = Knopf.“

Was Leser Wegenast vernommen hat, trifft zu. Im Duden „Deutsche Rechtschreibung“ wird der Bouton als „Ohr­klips in Knopfform“ vorgestellt, in Fischers Schwäbischem Wörterbuch wird er als „Ohrring“ geführt. Beide Lexika verweisen auf das französische Wort „bouton (Knopf)“. Während früher solche Ohrknöpfe in der Regel nur von Schäfern getragen wurden, ist es heute eine ­Modeerscheinung, an der viele Männer teilhaben.

Dieter Beuter aus Magstadt erkundigt sich nicht nur nach „Boutole“, sondern auch nach „Potter“ in der Gestalt von Halsketten. Seiner Anfrage liegt ein Disput innerhalb einer Diskussionsrunde von Teilnehmern aus dem Stuttgarter Raum zugrunde. Wenn „Potter“ mit einem offenen „ò“, also „Bòddr / Pòddr“ gesprochen wird, dann kann eine Erklärung gegeben werden. Das Wort stammt von dem lateinischen „pater“ (= Vater), in der deutschen Sprache der Name für Ordensgeistliche. Als „Bòddr/Pòddr“ bezieht es sich zum einen auf den Rosenkranz der Katholiken, wo die Kugeln so benannt werden, zum anderen sind es die Perlen in Halsketten beziehungsweise werden Halsketten selbst so bezeichnet. Der schwäbische Spruch de Tages lautet: „Wer nix glernt hat, ka au nix vergessa.“ Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, ­Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

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