Naturschützer machen sich unter anderem Sorgen um seltene Fledermausarten. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die Schönaicherin Susanne Jelicic-Butera will die Brückenidee für den Sulzbachstausee des Böblinger Landrats Roland Bernhard stoppen. Der Grund ist der Naturschutz. Der Landrat verspricht, die Bedenken ernst zu nehmen.

Steinenbronn/Waldenbuch - Gegen die vom Böblinger Landrat Roland Bernhard im vergangenen Jahr ins Gespräch gebrachte Idee einer Hängebrücke über den Sulzbachstausee zwischen Steinenbronn, Schönaich und Waldenbuch formiert sich Widerstand im Internet: Eine von der Schönaicherin Susanne Jelicic-Butera am 12. Januar veröffentlichte Online-Petition für den „Erhalt des Sulzbachsees ohne jegliche bauliche Veränderungen“ ist bis Freitagnachmittag von 855 Bürgern online unterzeichnet worden. „Ich finde das echt toll“, sagte Jelicic-Butera auf Anfrage unserer Zeitung. Sie gehe davon aus, dass in den verbleibenden zwei Monaten der Online-Petition das Quorum von 2700 Unterschriften erreicht werden wird. Dies würde laut Jelicic-Butera zur Folge haben, dass die Plattform Open Petition den Adressaten der Online-Petition, in diesem Fall den Landrat Roland Bernhard, zu seiner Stellungnahme auffordern werde.

Bernhards Idee zufolge soll eine 170 Meter lange Brücke etwa 20 Meter über dem Wasser den Blick über die Baumkronen und den See ermöglichen und Touristen anziehen (wir berichteten). Davon hält Jelicic-Butera nichts: „Das Wasser ist nicht klar – man könnte nichts sehen“, sagt sie, „wenn sich jemand für die Natur interessiert, nimmt er sie so, wie sie ist“.

Artenschutz versus Tourismus

In ihrer Online-Petition spricht sich Jelicic-Butera für den unveränderten Erhalt der „naturbelassenen Oase der Ruhe“ aus, in der „seltene und streng geschützte Vogel- und Fledermausarten“ leben würden. In ihrer Begründung schreibt sie: „Die über 180 Jahre alten Bäume müssen massiven Betonpfeilern weichen, und um das als Hochwassergebiet erklärte Gelände für eine solche Brücke standfest zu bekommen, müssen massive bauliche Maßnahmen ergriffen werden, die den Wald und das Landschaftsschutzgebiet Glemswald in seiner jetzigen Form zerstören und stark verändern würden!“ Weil sich das Bauvorhaben „nicht mit Umwelt- und Artenschutz vereinbaren“ lasse, fordert sie „einen sofortigen Stopp aller geplanter Baumaßnahmen (Brücke, Stege, zusätzliche Plattformen, Wanderwege, etc.) in und um den Stausee sowie den touristischen Ausbau.“ Zahlreiche Online-Kommentatoren der Petition haben inzwischen die Sorge geäußert, dass ein stärkeres Tourismusaufkommen den Naherholungscharakter des Hochwasserrückhaltebecken Sulzbach gefährden könnte.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Landrat Roland Bernhard mit: „Unsere Überlegungen rund um die Aufwertung des Gebiets um das Sulzbachbecken stehen noch ganz am Anfang. Wir nehmen die Bedenken aus der Bürgerschaft ernst; im Rahmen einer breit angelegten Bürgerbeteiligung, die wir pandemiebedingt erst in den nächsten Monaten starten können, können auch die Bedenken der Petenten mit eingebracht werden.“

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