Schließanlagen für Obdachlose wie diese an der Olgastraße sollen künftig auch anderswo Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Eine private Stiftung hat im Bezirksbereirat ein Konzept vorgestellt, um Menschen auf der Straße zu helfen. Die Standortsuche dafür ist aber nicht ganz einfach.

S-Mitte - Klaus Möhler lässt kaum eine Gelegenheit aus, zu erzählen, dass es ihm gut geht, dass er Glück gehabt hat im Leben. Der 80 Jahre alte Pensionär arbeitete als erfolgreicher Unternehmensberater. Wie er denjenigen, die weniger erfolgreich waren als er, helfen will, hat er in der letzten Sitzung des Bezirksbeirats Mitte dargelegt: Seine private Familienstiftung finanziert Schließfächer für Obdachlose.

„In Ditzingen gibt es so eine Anlage bereits“, sagt Möhler. Jetzt will er seine Idee auch in Stuttgart umsetzen, wo er lange gelebt und gewirkt hat. Zwei Meter hohe Türme mit 50 mal 60 mal 90 Zentimeter großen Schließfächern aufzustellen, in denen Obdachlose Habseligkeiten wie Schlafsäcke, Bettelgut oder persönliche Gegenstände unterbringen können.

Schließfächer in der Olgastraße

Gänzlich neu ist Möhlers Idee aber auch in Stuttgart nicht. Dort steht bereits seit 2016 ebenfalls eine stiftungsfinanzierte Schließfachanlage – allerdings im Innenhof einer Tagesstätte für Obdachlose Menschen in der Olgastraße, die von der Caritas betrieben wird. Jetzt soll der Zugang zu den Schließfächern noch niedrigschwelliger werden.

Doch damit, einfach Schließfächer aufzustellen, ist es nicht getan. Denn die Standorte müssen einige Bedingungen erfüllen. Und im womöglich einfachsten Fall im öffentlichen Raum installiert werden können, der in den Zuständigkeitsbereich der Stadt oder kirchlicher Träger fällt.

In der Nähe von Obdachlosentreffs

Denn der Idee einiger Bezirksbeiräte in der Sitzung, die Fläche des Züblinparkhauses für Schließfächer zu nutzen, hat Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle etwas den Wind aus den Segeln genommen: „Das Parkhaus ist privat. Ich kann nicht sagen, was der Parkhauseigentümer von dem Vorschlag hält.“

Auch wenn im Leonhardsviertel soziale Randgruppen lebten und damit Bedarf herrsche, sieht sie die Schließfächer eher in der Nähe der Haltestelle Stadtmitte, ebenfalls ein beliebter Obdachlosentreff. „Dort gibt es viele Einrichtungen der Evangelischen Gesellschaft, die für solche Pläne sicher offen ist“, sagt Kienzle. Und vor allem auch organisatorische Herausforderungen meistern kann.

Das Problem mit den Schlüsseln

„Wir können die Schlüssel ja nicht einfach herausgeben“, sagt Stifter Klaus Möhrle. Wichtig sei, dass jemand das überwache, da genaue Listen führe – damit niemand einfach mit dem Schlüssel verschwindet, ein Schließfach überbeansprucht oder gar illegal nutzt. Womöglich, um Drogen zu bunkern.

Somit zeigte der Verlauf der Sitzung, dass die möglichen Standorte sehr überschaubar sind. Zu den genannten Möglichkeiten wurde eine denkbare Station am Hospitalhof, eine im Generationenhaus im Süden und eine an der Paulinenbrücke an der Süd-West-Grenze aufgezählt.

CDU will anlagen verstecken

Auch wenn alle Fraktionen im Bezirksbeirat nur lobende Worte für die Bestrebungen der Stiftung fanden, gab CDU-Bezirksbeirat Timo John zu bedenken, dass die Schließfach-Anlagen nicht unbedingt zur Verschönerung des Stadtbilds beitragen würde: „Wenn die Schließfächer kommen, was ich befürworte, müssen sie diskret im Stadtraum platziert werden.“ Damit halte die CDU an ihren kommunalpolitischen Richtlinien fest.

Andere Prioritäten setzte die Grünen-Bezirksbeirätin Renée-Maike Pfuderer. „Wenn sich keine anderen finden, die sich eignen, muss die Stadt öffentliche Flächen abgeben“, fordert sie. Armut dürfe nicht versteckt werden.

Anfragen laufen bereits. Klaus Möhler hat bereits bei den zuständigen Ämtern vorgefühlt. Antworten stehen noch aus. Aber der Stifter scheint zuversichtlich zu sein. Schließlich sind im offenbar im Leben die meisten Dinge gelungen.

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