Die gläserne Dachkonstruktion des Walheimer Römerhauses (hier ein Bild aus 2012) entspricht nicht den modernen Sicherheitsanforderungen. Foto:  

Unter einer maroden Dachkonstruktion mit möglicherweise nicht sicherem Glas umherzulaufen, ist nicht unbedingt ratsam. Das Walheimer Römerhaus bleibt daher aus Sicherheitsgründen zu.

Walheim - Geschichtsinteressierte Menschen, die sich in Walheim mit den Römern auseinandersetzen möchten, haben derzeit kein Glück: Das 1991 eröffnete Römerhaus bleibt bis auf Weiteres geschlossen – aus Sicherheitsgründen. Bei einer Begehung wurde kürzlich festgestellt, dass beim Bau offenbar das falsche Glas ins Dach eingebaut wurde. Anstatt des heute für öffentliche Gebäude vorgeschriebenen Verbundsicherheitsglases wurde nur ein einfaches Sicherheitsglas verwendet. „Sämtliche Unterlagen wie Rechnungen sowie Bau- und Genehmigungsunterlagen von damals sind aber noch vorhanden, die Prüfungen laufen derzeit auf Hochtouren“, sagt der Walheimer Kämmerer Jürgen Bothner. Dies werde wohl einige Zeit in Anspruch nehmen. Der damals verantwortliche Architekt sei allerdings vor einigen Jahren verstorben – den könne man also nicht mehr befragen.

Herausgekommen war das Ganze eher zufällig bei einer erneuten Überprüfung der Dachkonstruktion. Denn abgesehen von den Sicherheitsmängeln regnet es durch die Fenster seit der Eröffnung vor 26 Jahren immer wieder herein. Noch ist nicht klar, bei wem letztlich die Verantwortung für die Mängel liegt. Hat die Stadt damals unwissentlich das falsche Glas einbauen lassen, oder entsprach der Einbau eines einfachen Standard-Sicherheitsglases aus damaliger Sicht den geltenden Bauvorschriften? „Wir müssen uns jetzt mit der Frage auseinandersetzen, ob wir die heute geltenden, strengeren Bauvorschriften umsetzen müssen oder nicht“, sagt Bothner. Falls dem so wäre, kämen auf die Kommune als Eigentümerin des Römerhauses nicht unerhebliche Kosten zu.

Auf 80 000 bis 100 000 Euro würde sich das Ganze wohl summieren, schätzt der Kämmerer. „Das würde uns sehr treffen, wir haben eh genug Hausaufgaben zu machen und sind zudem die finanzschwächste Kommune im Landkreis.“

Walheim leidet unter der Schließung

Dass zudem die Eintrittsgelder in Höhe von zwei Euro pro Erwachsenem für die nächsten Monate wegfallen, ist seiner Ansicht nach noch das kleinste Übel. Viel schlimmer wiege die Tatsache, dass das Römerhaus nun monatelang geschlossen bleibe und Walheim somit um eine Attraktion ärmer sei. „Das Römerhaus ist ein herausragendes Kulturgut, im schlimmsten Fall ist die Saison für uns nun gelaufen“, bedauert Jürgen Bothner.

Die Kommune muss wohl alle Kosten tragen

Hilfe vom Land kann Walheim derweil nicht erwarten: das Archäologische Landesmuseum ist hinsichtlich einer finanziellen Unterstützung bei der Sanierung nicht in der Pflicht. Zwar ist das Römerhaus eine Zweigstelle des Landesmuseums, die Gebäude vor Ort würden aber komplett vom kommunalen Träger verwaltet. „Wenn was ist, muss das die Kommune tragen“, sagt Martin Kemkes, der Leiter für Provinzialrömische Archäologie und römische Zweigmuseen beim Landesmuseum in Rastatt. Seine Einrichtung sei lediglich für die Inhalte der Ausstellungen und die wissenschaftliche Betreuung zuständig. Auch an der für das nächste Jahr geplanten Neukonzeption im Römerhaus werde sich das Mutterhaus beteiligen.

Wann mit der Neukonzeption begonnen werden kann, ist derzeit aber noch völlig unklar. Ende Juni beschäftigt sich der Walheimer Gemeinderat mit dem Thema.

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