Namira und Ben sangen beide schon mehr als 20-mal auf der Bühne im Apollo-Theater in Möhringen. Foto: Eileen Breuer

Ben Knotz aus Plieningen und Namira Reber aus Oberaichen stehen zur Zeit im Apollo-Theater gemeinsam auf der Bühne. Im Musical Mary Poppins spielen sie das Geschwisterpaar Michael und Jane Banks. Wir haben sie einen Abend lang begleitet.

Filder - In der Kantine ist es laut. In Jogginghosen und Pullovern stärken sich die Darsteller des Broadway-Musicals „Mary Poppins“, bevor es zu den finalen Proben vor der Show geht. Inmitten des Trubels sitzen zwei Kinder zwischen ihren Eltern. Der zehnjährige Ben Knotz trägt einen blauen Zipperpulli, groß prangt dort das Logo des Musicals. Über der Brust ist der Name seiner Rolle eingestickt: Michael Banks. Namira Reber sitzt neben ihm, sie spielt seine Schwester Jane Banks.

Gemeinsam treiben sie im Musical die Kindermädchen zur Weißglut. Auch Mary Poppins ist ihnen anfangs nicht ganz geheuer und die muss sich so manch bösen Kommentar gefallen lassen. Mit der Zeit begeistert das Kindermädchen aber mit ihren ungewöhnlichen Methoden die ganze Familie und verzaubert das Publikum. Hinter der Bühne kann man sich nur schwer vorstellen, dass die Kinderdarsteller Namira und Ben irgendwen verärgern können.

Aufgeregt sitzen die beiden am Tisch, ihre Augen glänzen beim Gedanken an den bevorstehenden Auftritt am Abend. „Ich hab schon immer gesungen“, sagt Ben. Im Kindergarten bastelte er Eintrittskarten und verteilte sie an seine Freunde, denen er dann etwas vorsang. Nun stehen Ben und Namira seit dem Frühjahr auf der großen Bühne im Apollo-Theater in Möhringen. Mehr als 20-mal spielten die beiden Kinder nun das Geschwisterpaar Banks. Zuvor haben sich Ben und Namira gegen andere Bewerber in mehreren Castingrunden durchsetzen müssen. Das war Anfang Februar. Ende Februar probten die beiden Sänger und Tänzer dann für die Auftritte. „Die Mutti war begeistert, der Vater war skeptisch“, erzählt Heike Knotz, Bens Mutter. Das liege daran, dass Bens Vater eher fußballbegeistert ist. Trotzdem sind beide Elternteile stolz auf ihren Sohn. Und auch Namiras Mutter freut sich für ihre Tochter. „Ich habe die stolzeste Mama der Welt“, sagt Namira. Ihre Mutter war auch schon zum Zuschauen da: „Da habe ich sie sofort an ihrer roten Nase erkannt, sie hatte geweint.“

Die Eltern sind stolz auf ihre kleinen Schauspieler

Etwa alle zwei Wochen stehen die beiden immer gemeinsam auf der Bühne. Aus arbeitsrechtlichen Gründen dürfen Kinder nur 30-mal im Jahr auftreten, deshalb gibt es mehrere Paarungen. Bevor es für Ben und Namira an diesem Tag auf die Bühne geht, müssen sich die Kinderdarsteller noch warmsingen und proben. In die Proberäume dürfen die Eltern aber nicht mit. Dort gehen Ben und Namira unter Anleitung ein paar Passagen durch. Die Rollen Michael und Jane Banks beschweren sich in den Szenen über Rosenkohl, tanzen zum Lied „Superkalifragilistischexpialigetisch“ und streiten sich um eine Puppe.

Bei Ben und Namira geht es auch in echt zu wie bei einem Geschwisterpärchen: „Wir sind Freunde, aber ich nerv ihn auch manchmal. Er ist eben mein kleiner Bruder“, sagt Namira und tätschelt Ben dabei geschwisterlich auf den Kopf. „Das ist aber alles nur Spaß“, wirft Ben schnell ein.

Ein Marathon an Vorbereitungen

Im Anschluss an das Schauspieltraining folgt das Einsingen. Dabei treffen die Jungdarsteller auch auf die Erwachsenen. Namira beschreibt das Verhältnis zu den älteren Darstellern als herzlich. „Wir haben auch mal einem Darsteller geholfen, der hatte seinen Text vergessen“ erzählt sie. Die beiden Kinderdarsteller stehen sockig neben dem Klavier, lachen während des Singens miteinander und trällern spaßeshalber auch aus voller Kehle mit. Dann ertönt aus dem Lautsprecher die Ansage: Bald geht der Auftritt los. Noch fehlen aber die Kostüme.

Diese warten neben den Wasserflaschen und der Toilette im Kinderzimmer. „In meiner Freizeit trage ich kaum ein Kleid“, sagt Namira. Für das Musical zieht sie sich dann aber eines an, Unterziehrock und Strumpfhose inbegriffen. Anschließend schlüpft sie in einen rosafarbenen Mantel und verschwindet in die Maske. Ben turnt währenddessen in hohen Socken durch den Raum und sammelt seine Kleidungsstücke zusammen.

Das Lampenfieber ist kurz vor dem Auftritt besonders schlimm

Dann geht es auch für ihn zum Haare­richten. Das Mikro muss in der Frisur versteckt werden. Namiras Pony verdeckt die hautfarbene Technik. Das musste sie sich für das Musical schneiden lassen. „Ich wollte deswegen fast aufhören“, sagt sie. Ihre Freunde unterstützten sie dann aber: „Die haben gesagt: ,Das sind doch nur Haare.’“

Dass beide kurz vor dem Auftritt immer aufgeregter werden, merkt man ihnen deutlich an. Sie reden mehr, Ben vergisst fast, die Spange aus seinem Haar rauszunehmen. „Das Lampenfieber bekommen wir meistens kurz vor der Show“, sagt er. Am meisten Aufregung verspürt er, wenn die Darsteller sich hinter der Bühne bereitstellen. Namira weiß aber inzwischen, wie das besser wird: „Wir wünschen uns ganz oft viel Glück und viel Spaß.“ Trotz des Lampenfiebers freut sich Ben nach jeder Show schon auf die nächste. Spätestens im Februar ist aber Ende für die beiden bei „Mary Poppins“, dann nämlich fliegt das Kindermädchen mit ihrem Schirm weiter nach Hamburg. „Ich würde da auch gerne mitgehen“, sagt Ben und lacht.

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