Die deutsche Staatsbürgerschaft sorgt für gesellschaftliche Teilhabe Foto: dpa

Der Ausländerbehörde der Stadt fehlt Personal, um die wachsende Zahl von Anträgen zu bearbeiten. Eigentlich will sie eine Kampagne wiederbeleben, die bereits im Jahr 2009 große Wirkung gehabt hat.

Stuttgart - Obwohl immer mehr Menschen bei der Stadt einen Antrag auf Einbürgerung stellen, sinkt die Zahl jener, denen die Ausländerbehörde einen deutschen Pass ausstellt. Für das Jahr 2014 rechnet die Behörde damit, dass rund 2200 Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Nach Hochrechnungen des Amts wird es allerdings voraussichtlich nur rund 1580 Pässe ausstellen.

Die Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung, dem die Ausländerbehörde angehört, sprach am Mittwoch von einem „handfesten Problem“. Zwar habe der Gemeinderat im Haushaltsplan eine neue Stelle speziell für die Bearbeitung von Einbürgerungen geschaffen. Gleichzeitig jedoch fallen drei von zehn Stellen weg, weil Sachbearbeiter in den Ruhestand oder von einer Erkrankung betroffen sind.

„Die gute Nachricht allerdings ist, dass die Zahl der Anträge weiter steigt“, sagte Koller im Internationalen Ausschuss des Gemeinderats, der über Migration, Flüchtlinge und Integration berät.

Mehr Anträge, weniger Einbürgerungen

Mitarbeiter der Ausländerbehörde weisen jedoch darauf hin, dass die Zahl der Einbürgerungen genau dem gegenteiligen Verlauf nimmt. Seit dem Jahr 2012 sank die Anzahl der Einbürgerungen konstant. So stellten vor zwei Jahren noch 1747 Menschen den Antrag auf einen deutschen Pass, im Jahr 2013 waren es 1612. Zwar vergeben die Behörden im ganzen Bundesland jedes Jahr weniger deutsche Pässe. Doch sinken die Zahlen im Land nicht so rapide. Laut Statistische Landesamt haben sich 2013 genau 16 062 Ausländer aus 142 Nationen einbürgern lassen - ein Minus von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Stadt forciert Einbürgerungen, um die Teilhabe der Menschen am gesellschaftlichen Leben zu erhöhen. Erst mit dem deutschen Pass stehen ihnen Wahlen und alle Berufsgruppen offen.

Die meisten Eingebürgerten stammen aus Türkei

Die Nationalität, welche die Rangliste der meisten Einbürgerungen anführt, ist die Türkei. In Stuttgart ließen sich im Jahr 2013 knapp 300 Türken einbürgern. Auf dem zweiten Platz folgt Griechenland mit einer Zahl von 195 Einbürgerungen. Weniger als 100 Pässe stellte die Ausländerbehörden für die nachfolgenden Nationalitäten aus: Auf Serben folgen in der Rangfolge Iraker, Ukrainer und Ausländer aus Bosnien und Herzegowina sowie dem Kosovo.

Dass eine Einbürgerungskampagne Menschen dazu bewegt, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, zeigte sich im Jahr 2009. Unter dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schuster verschickte das Amt 10 000 Briefe an Ausländer, die ihnen die Vorteile der Einbürgerung erklärten.

Im Jahr 2012 allerdings legte die Behörde die Kampagne dann auf Eis, weil Stellen dem Rotstift zum Opfer fielen. Seit diesem Juli hat die Ausländerbehörde zwar eine neue Stelle für die Einbürgerung besetzt. Doch stockt die Bearbeitung der Anträge wegen der auf Kante genähten Personaldecke in der Abteilung.

Die wirkt sich direkt auf die Bearbeitungszeiten der einzelnen Anträge aus. „Während wir vor einiger Zeit noch im Schnitt sechs Monate für die Bearbeitung eines Antrags brauchten, dauert dies mittlerweile ein Jahr“, sagte die Amtsleiterin Dorothea Koller im Rathaus.

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