Am Neuen Schloss in Stuttgart war Ende voriger Woche durch Vandalismus ein großer Schaden entstanden. Ein Tatverdächtiger ist inzwischen ermittelt – und das auf ziemlich überraschende Weise.
Es ist ein ziemlich abgedroschener Spruch: Der Täter kehrt immer zum Tatort zurück. In vielen Fällen trifft er gar nicht zu. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Das gilt für die heftigen Beschädigungen am Neuen Schloss in Stuttgart. Dort waren in der Nacht auf vergangenen Freitag 15 Fenster und eine Tür im Erdgeschoss im Bereich des Ehrenhofs schwer beschädigt worden. Als Wurfgeschosse dienten offenbar Pflastersteine. Der Schaden beträgt laut Finanzministerium rund 20 000 Euro.
Nach Informationen unserer Zeitung konnte ein Tatverdächtiger ziemlich schnell festgenommen werden. Und zwar, weil er offenbar tatsächlich zum Tatort zurückgekehrt ist. Der 39 Jahre alte Mann soll sich bereits in der folgenden Nacht auffällig im genannten Bereich herumgetrieben haben. Möglicherweise war er sogar im Begriff, seine Tat zu wiederholen, als der Objektschutz des Schlosses auf ihn aufmerksam wurde. Als die Sicherheitsleute ihn stellten und die Polizei riefen, räumte er die Sachbeschädigungen bei der Vernehmung offenbar ein.
Weil im Schloss Räume des Staatsministeriums, des Wirtschaftsministeriums und des Finanzministeriums betroffen waren, konnte eine politisch motivierte Tat nicht ausgeschlossen werden. Daher übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Nach Erkenntnissen der Polizei handelt es sich aber offenbar um einen Einzeltäter ohne politischen Hintergrund. Vielmehr soll der Mann psychisch auffällig sein. Er wurde zunächst in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht, am Donnerstag erließ dann ein Richter Haftbefehl. Der Mann sitzt im Gefängnis.
Viel diskutiert worden ist im Zusammenhang mit den Vorfällen auch die Videoüberwachung am Schlossplatz. Denn die Kameras der Polizei waren zum Tatzeitpunkt ausgeschaltet – sie laufen nur in den Nächten zum Samstag und Sonntag. Allerdings verfügt auch das Land am Schloss selbst über Kameras. Eine davon ist auf den Eingangsbereich gerichtet und hat offenbar auch Aufzeichnungen von den Sachbeschädigungen gemacht. Die wurden dann letztlich aber nicht mehr zwingend gebraucht – der Täter hat sich durch seinen neuerlichen Besuch offenbar selbst verraten.