Stephan Schwarz konnte das Krankenhaus am Montag verlassen. Der 36-Jährige kandidiert für den Wahlkreis Schorndorf. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Zwei SPD-Stadträte erleben den Angriff auf den AfD-Wahlkampfstand in Schorndorf mit und versuchen zu beschwichtigen. Der verletzte Kandidat Stephan Schwarz verlässt das Krankenhaus am Montag.

Schorndorf - Diesen Wahlkampfeinsatz werden die beiden SPD-Stadträte Hans-Ulrich Schmid und Marcel Kühnert nicht so schnell vergessen. Am vergangenen Samstag waren sie zum Dienst am Stand ihrer Partei in der Schorndorfer Altstadt eingeteilt. Gerade einmal 20 Meter entfernt vom Infostand der AfD, der kurz vor 10 Uhr von einer Antifa-Gruppe angegriffen wird. „Ich habe erst Parolen und Gesänge gehört, dann kamen etwa 20 Menschen aus der Kirchgasse“, erzählt Marcel Kühnert. In nur wenige Sekunden, so berichtet Hans-Ulrich Schmid, sei der AfD-Stand eingekreist gewesen.

 

Die hellblauen Flyer seien durch die Luft geflogen, es sei auf den Stand eingeschlagen worden und schließlich auf den Landtagskandidaten Stephan Schwarz und einen Wahlkampfhelfer, auch als diese auf dem Boden lagen, so erzählt es Marcel Kühnert. Nach einer kurzen Schrecksekunde eilten die Kommunalpolitiker zum AfD-Stand. „Ich dachte, ich kann die Situation mit meinen 110 Kilo vielleicht etwas beruhigen“, sagt Schmid und Kühnert ergänzt: „Wenn jemand hilflos am Boden liegt, muss man helfen.“ Kühnert und Schmid versuchten zu beschwichtigen, stellten sich zwischen die Kontrahenten. Letztlich habe die nahende Polizei die Angreifer vertrieben.

AfD-Kandidat Schwarz hat nach dem Angriff Albträume

Der 36-jährige AfD-Kandidat Stephan Schwarz musste mit Prellungen, Schürfwunden und dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden, am Montag konnte er die Klinik wieder verlassen. Diese Woche wird er sich noch schonen, berichtet der Ersatzkandidat und AfD-Stadtrat Lars Haise: „Er klagt über anhaltende Albträume.“

Spuren hat der Vorfall aber nicht nur bei Stephan Schwarz hinterlassen, sondern auch in den sozialen Medien. Auf den Plattformen der diversen politischen Orts- und Kreisgruppen oder auch des Oberbürgermeisters wird in den Kommentarspalten gewaltig ausgeteilt. Es werden gegenseitig Vorwürfe gemacht, wer Schuld an dem Angriff hat, wer gehetzt hat, wer sich nicht scharf genug von dem Vorfall distanziert. „Gewalt ist völlig indiskutabel“, sagt Hans-Ulrich Schmid, der sich angesichts der hasserfüllten Kommentare fragt, wie sich die politische Radikalisierung durchbrechen lässt, was gegen die tiefen Gräben in der Gesellschaft getan werden kann.

Angriff im Rahmen einer Antifa-Kampagne

Traurig findet Marcel Kühnert, dass ihm trotz seines Einsatzes Nähe zur Antifa-Gruppe unterstellt wurde: „Da hieß es: die kennst du ja. Dabei habe ich das nicht mal ansatzweise“, sagt der SPD-Politiker, der beobachtet, dass sich die Extreme gegenseitig aufschaukeln. So sei der Spruch „Wir werden euch jagen“, den der AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland vor einigen Jahren formulierte, in Schorndorf als Parole der Antifas zu hören gewesen.

Auf verschiedenen antifaschistischen Internetseiten gibt es einen Bericht zum Angriff in Schorndorf. Der Stand sei im Rahmen der Kampagne „Antifascist Action – Gegen rechte Krisenlösungen“ aufgesucht worden: „Ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Attentat in Hanau wurde klargemacht, dass rechte Hetze nicht geduldet und mit unserem Protest konfrontiert wird“, heißt es da.

Gemeinsame Resolution des Schorndorfer Gemeinderats geplant

Dass Gewalt keinen Platz in der politischen Auseinandersetzung hat, das will man in Schorndorf noch einmal betonen: „Wir bereiten gerade eine gemeinsame Resolution vor, die wir am Donnerstag im Gemeinderat verabschieden möchten“, sagt Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD), der sich bereits wenige Stunden nach dem Vorfall zu Wort gemeldet und den Angriff aufs Schärfste verurteilt hat.

Warum es gerade in Schorndorf zu der Konfrontation kam? „Ich habe keine Ahnung. Vielleicht, weil wir perfekt an der S-Bahn liegen.“ Ein Sprecher des Polizeireviers Aalen berichtet aber auch, dass es in Schorndorf sehr rührige AfD-Mitglieder gebe, die Linksextreme auf den Plan rufen würden. „Dass ein Stand angegriffen wird, war für uns aber nicht vorherzusehen.“ Der Oberbürgermeister möchte, dass an den kommenden Samstagen mehr Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes unterwegs sind, auch die Polizei wird den Wahlkampf weiterhin beobachten.

Staatsschutz sucht Zeugen zu Angriff

Die Ermittlungen zum Angriff hat mittlerweile der Staatsschutz übernommen. Es werden weitere Zeugen sowie Video- oder Tonaufzeichnungen gesucht, die zur Aufklärung des Geschehens beitragen könnten. Die Kripo Waiblingen ist erreichbar unter 0 71 51/95 00.