Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung und des Instituts für Herzinfarktforschung Ludwigshafen leiden schätzungsweise rund sechs Millionen Bundesbürger an dieser koronaren Herzerkrankung (KHK), die auch weltweit zu den häufigsten Herzleiden zählt. Foto: Fotolia/© staras

Mit Gesundheits-Test - Mit schätzungsweise sechs Millionen Betroffenen ist die koronare Herzerkrankung deutschlandweit das häufigste Herzleiden. Ihre gefürchtetste Ausprägung ist der Infarkt. Kardiologen der Deutschen Herzstiftung sagen, was die Medizin heute leisten kann.

Stuttgart - Die Treppe sollte kein Problem sein. Fünf, sechs Stufen hinauf, das war’s. Und doch zwingt einen der eigene Körper, auf halber Höhe, stehen zu bleiben. Zu stark ist der schneidende Schmerz. Erst nach einem kurzen Innehalten verschwindet das beengende Gefühl – nur um bei der nächsten Hürde wieder aufzutauchen. Immer dann, wenn das Herz mehr Sauerstoff benötigt, als die Gefäße liefern können.

Betroffene sagen, es fühle sich an, als habe man einen Gürtel straff um den Brustkorb geschnallt. Ärzte brauchen für dieses Symptom nur zwei Wörter: Angina Pectoris, zu Deutsch: Brustenge. In den allermeisten Fällen hervorgerufen durch eine Durchblutungsstörung in den Blutgefäßen rund um das Herz, den Herzkranzgefäßen.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung und des Instituts für Herzinfarktforschung Ludwigshafen leiden schätzungsweise rund sechs Millionen Bundesbürger an dieser koronaren Herzerkrankung (KHK), die auch weltweit zu den häufigsten Herzleiden zählt. Wie bei Wasserleitungen, die nach und nach verstopfen, bilden sich im Verlauf der Erkrankung in vielen Arterien Ablagerungen, sogenannte Plaques, die die Adern verengen.

Hoher Blutdruck schädigt die Gefäße

„Oft beginnt der Prozess schon in sehr jungen Jahren“, sagt der Stuttgarter Kardiologe Udo Sechtem, der im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung sitzt. Durch eine Schädigung der Gefäßwand dringt nach und nach immer mehr Cholesterin aus dem Blut ins Innere, es bilden sich Plaques, eine chronische Entzündung wird ausgelöst. „Die schmurgelt dann jahrelang so vor sich hin“, sagt Sechtem. Dauerhaft beschädigt werden die Arterien, wenn die Entzündung länger besteht und die Plaques verkalken. „Wie genau das geschieht, ist noch nicht ganz geklärt.“

Ebenso auch das Wissen darüber, was genau den Ausschlag für diesen Prozess gibt. Die genetische Veranlagung spielt hier sicher eine Rolle und auch das Älterwerden. „Entscheidend ist aber auch die eigene Lebensweise“, sagt Thomas Nordt, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz und Gefäßkrankheiten des Katharinenhospitals am Klinikum Stuttgart. Wer raucht, sich zu wenig bewegt, übergewichtig ist oder unter Stress leidet, hat auch ein höheres Risiko für eine solche Gefäßverkalkung. Ebenso Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. „Gerade ein hoher Blutdruck führt dazu, dass die Ablagerungen schneller einreißen und es zu einem Gefäßverschluss kommt“, sagt Nordt, ebenfalls Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Herzstiftung. Die Folge kann ein tödlicher Infarkt sein.

Selbst Ärzte können die Tücken der Angina Pectoris unterschätzen

Umso wichtiger ist es, die ersten Anzeichen einer Brustenge bei einem Kardiologen abklären zu lassen. Doch diese Anzeichen sind nicht immer leicht zu erkennen, wie Sechtem aus dem Klinikalltag als Chefarzt der Abteilung für Kardiologie am Robert-Bosch-Krankenhaus weiß: „Das muss kein starker Schmerz sein, sondern nur ein bestimmtes Missempfinden.“ Ein Gefühl, als könne man nicht richtig durchatmen. Oder aber es drückt im Oberbauch, zwischen den Schulterblättern oder am Kiefer – „je nachdem, welche Gefäße betroffen sind und wie die Nerven zwischen Herz und den schmerzenden Stellen verschaltet sind“.

Selbst Ärzte können die Tücken einer Angina Pectoris nicht immer auf den ersten Blick erkennen – etwa wenn sich bei einer Herzkatheteruntersuchung keinerlei Verengung an den Herzkranzgefäßen zeigt. „Wir wissen nun, dass eine Arteriosklerose schon in den kleinsten Verästelungen Beschwerden auslösen kann“, sagt Sechtem. Doch diese sind bei den üblichen Untersuchungen nicht immer sichtbar.

Letztlich sind dem Stuttgarter Kardiologen Udo Sechtem aber gerade solche Verengungen in den kleinen Endästen der Koronargefäße lieber: „Diese Form lässt sich mit gefäßerweiternden und blutverdünnenden Medikamenten gut therapieren.“ Sitzt die Engstelle in größeren Arterien, entscheiden sich Kardiologen zu einem operativen Eingriff – sei es, um eine Gefäßstütze, einen sogenannten Stent, einzusetzen, der ein Verschließen der Gefäße von innen heraus verhindern soll. Oder aber es kommt zu einer Bypass-Operation.

Die Zahl der Herzinfarkte ist in den vergangenen Jahre gesunken

Wie erfolgreich eine frühzeitige medizinische Behandlungen ist, zeigt sich in der Statistik: Zwar ist die Zahl der Menschen, die an einer KHK leiden, weiterhin hoch. Aber man stirbt nicht mehr unbedingt daran. So verkündigte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie im aktuellen Deutschen Herzbericht: In den vergangenen 20 Jahren ist die Sterblichkeit beim akuten Herzinfarkt um 40 Prozent und bei der Koronaren Herzkrankheit um 28 Prozent zurückgegangen.

Sich nur auf die Medizin zu verlassen, halten Kardiologen für keine gute Idee. „Was vielen Patienten helfen würde, das ist für sie oft am schwierigsten umzusetzen“, sagt Thomas Nordt. Nämlich das eigene Leben zu ändern, gesünder zu essen, sich mehr zu bewegen und Stress zu reduzieren. Schon das hilft massiv, die Gesundheit zu verbessern. „Die moderne Herzmedizin ist schon sehr fortgeschritten“, sagt Nordt. Aber nicht jeder müsste sie ja in Anspruch nehmen.

Die Deutsche Herzstiftung bietet den Ratgeber „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ an. Der Band ist für drei Euro in Briefmarken erhältlich: Deutsche Herzstiftung, Bockenheimer Landstraße 94–96, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 / 9 55 12 84 00, E-Mail info@herzstiftung.de (Stichwort: „KHK-Ratgeber“). Wie hoch ist mein Herzinfarkt-Risiko? Der Test verrät es:

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