Um Ostern herum rechnen Amphibienexperten auf den Fildern mit der Hauptwanderwelle der Tiere Foto: Malte Klein

Dank milder Nachttemperaturen und Regen brechen die Amphibien zu ihren Laichgewässern auf. Wir haben mit dem Amphibienbeauftragten des Nabu Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt gesprochen, wann und wo man besonders aufpassen muss.

Filderstadt/Leinfelden-Echterdingen - Wenn Martin Rahlenbeck von Kröten, Fröschen, Salamandern und Molchen spricht, gerät er ins Schwärmen: „Das sind faszinierende Tiere mit wunderschönen Augen“, sagt der Amphibienbeauftragte des Naturschutzbunds (Nabu) der Gruppe Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen. Seit sieben Jahren koordiniert er in der Region Rettungsaktionen, um Amphibien während ihrer Wanderzeit über die Straße zu helfen.

Derzeit ist es wieder so weit: Die Temperaturen werden milder und melden dem Instinkt der Amphibien: „Los geht’s!“ Nun machen sich die Tiere wieder in den Abendstunden auf den Weg zu jenen Tümpeln, in denen sie selbst das Licht der Welt erblickt haben. Rahlenbeck erklärt, warum das so ist: „Sie wandern in ihr angestammtes Wasser, dort paaren sie sich und laichen.“ Die Larven sind ans Wasserleben angepasst und atmen durch Kiemen. Dann durchlaufen sie eine Metamorphose: Der Schwanz verkümmert, Beine wachsen, und Lungen bilden sich aus.

Nach einer Zwischenphase, welche die Amphibien halb im Wasser und halb an Land verbringen, verlassen sie ihre Tümpel und leben im Wald – so lange, bis sie sich selbst auf Hochzeitsreise zu ihrem Laichplatz begeben. Weite Strecken schrecken die kleinen Quaker dabei nicht ab: „Sie wandern bis zu drei Kilometer weit“, sagt Rahlenbeck.

Die Hauptwanderwelle wird für Ostern erwartet

Die winterlichen Temperaturen der vergangenen Tage haben die Zahl der wandernden Amphibien wieder zurückgehen lassen. Die bereits gelaichten Eier nehmen davon aber keinen Schaden, „sie sind relativ robust“, sagt Rahlenbeck. „Dafür werden die Tiere anschließend besonders massiv wandern.“

Der Experte rechnet um Ostern herum mit der Hauptwanderwelle, sollte das Wetter dann aus Sicht der Kröten und Frösche gut – also mild und feucht – sein.

Problematisch an den Wanderungen sind die Straßen, welche die Amphibien überqueren müssen. „Die Tiere bleiben gerne auf freien Flächen sitzen, um nach Weibchen Ausschau zu halten“, erklärt Rahlenbeck das Balzverhalten. Viele geraten dabei unter die Räder. Oft reiche aber auch allein die Druckwelle der Fahrzeuge, die schneller als mit 30 Kilometern pro Stunde vorbeifahren, um die Amphibien zu töten. „Es drückt ihnen dadurch die Innereien aus dem Mund.“ Daher ist der Amphibienbeauftragte froh, dass die Alte Poststraße zwischen Echterdingen und Steinenbronn zum zweiten Mal für vier Wochen nachts gesperrt wurde. Lediglich die Zufahrt bis zur Schlößlesmühle ist möglich.

Appell an Autofahrer: Langsam fahren

Weitere Problemstellen in der Region sind die Kreisstraße zwischen der Mäulesmühle und der Kläranlage Musberg, die Böblinger Straße in Musberg zwischen dem Reichenbach und dem Aktivspielplatz (Aki) sowie in Stetten die Zufahrtsstraße zur Kochenmühle. Schilder weisen Autofahrer auf die Krötenwanderungen hin. „Wir können nur an die Leute appellieren, aufzupassen und langsam zu fahren“, sagt Rahlenbeck.

Rund um Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt leben laut dem Amphibienbeauftragten einige geschützte Arten wie der Feuersalamander. „Es gibt hier mehr Arten als in anderen Gemeinden, aber wir merken klar den Rückgang“, sagt er. Schuld an diesem Rückgang seien nicht nur die Verluste zur Wanderzeit, sondern auch Müll und Giftstoffe, die in den Wäldern herumliegen. Toll sei, dass der Förster mitgeholfen habe, die Teiche freizuschneiden, denn die Amphibien brauchen zum Leben nicht nur Wasser, sondern auch Licht.

Für Martin Rahlenbeck steht fest: „Amphibien sind eine Bereicherung. Ohne sie ist das Gleichgewicht in der Natur nicht mehr vorhanden.“

Wer dem Nabu bei seiner Amphibienrettung helfen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0711/756 04 12 melden oder eine E-Mail an nabu.le@gmx.de schreiben. Die Einsätze sind am Abend zwischen 19 und 21 Uhr. Der Nabu teilt die Helfer ein und gibt Anweisungen, wie vorzugehen ist.

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