Am Wörthersee kann man verlässlich gut essen. Bei den „SeeEssSpielen“ im Frühjahr und Herbst aber wird experimentiert: mit Schnecken und anderem Superfood aus der Region.
Irgendwie hat man sie sich größer vorgestellt: die Schnecken, die auf der Seeterrasse des Restaurants Electric Garden im österreichischen Techelsberg serviert werden, sind zwischen Blumenkohlpüree und gegrilltem Hummer kaum zu sehen und schon gar nicht einwandfrei zu identifizieren. „Ist das vielleicht eine?“, fragt ein Gast, spießt ein gräuliches, bohnenförmiges Etwas auf die Gabel und beißt vorsichtig hinein. „Ja, das ist eine“, bestätigt die Kellnerin und schaut aufmunternd in die Runde. „Fühlt sich ein bisschen an wie Kalbfleisch oder vielleicht auch Tintenfisch“, sinniert der Besucher und fügt erleichtert hinzu: „Schmeckt aber gar nicht schleimig.“
Schneckenzüchter Christoph Salanda hat durchaus Verständnis dafür, dass viele Gourmets oder ganz normale Restaurantbesucher Vorbehalte gegen das Verspeisen der kleinen Kriechtiere haben. „Man hat immer noch die Vorstellung im Kopf, wie in den 1970er Jahren Schnecken behandelt wurden. Das war Tierquälerei und hat mit der heutigen Art der Zubereitung nichts zu tun. Die Schnecken werden im Schlaf getötet, sie bekommen nichts mit. Wenn man das den Gästen erzählt, ist die Bereitschaft, Schnecken zu probieren, gleich viel höher“, erzählt Salanda. Denn Schnecken sind Schlankmacher: Sie enthalten viel Protein, kaum Cholesterin, gesunde Fettsäuren. „Slow Food im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Salanda und schmunzelt. Und sie kommen aus der Region.
Hohe Dichte an Gourmetrestaurants
Dass Salanda seine Schneckenzucht in Krumpendorf am Wörthersee betreibt, hat klimatische Gründe. „Die mediterrane Weinbergschnecke kommt ursprünglich aus Italien und Frankreich. Der Wörthersee mit seinem südlich-milden Klima hat ideale Lebensbedingungen“, erklärt Salanda, der mehr als 15 Lokale in der Nähe beliefert.
Regionalität ist eine Bedingung, um bei den sogenannten SeeEssSpielen am Wörthersee mitmachen zu können. Zweimal im Jahr, Anfang Mai und Ende September, wird in Restaurants, Hotels und Gasthöfen mit regionalen Produkten aus dem Alpe-Adria-Raum auf internationalem Niveau gekocht. Selbstverständlich kann man am Wörthersee das ganze Jahr über ausgezeichnet essen, an keinem anderen österreichischen See gibt es eine so hohe Dichte an Gourmetrestaurants wie hier im Süden Kärntens.
Bei den „SeeEssSpielen“ liegt der Schwerpunkt aber auf regionalen Erzeugern, traditionellem Handwerk, bodenständigen Rezepten. Dass man mit Menschen und Produkten von hier durchaus Weltklasseniveau erreicht, davon kann man sich seit sieben Jahren überzeugen.
Wer ist eigentlich der Star bei diesem Event?
Doch wer hier auf der Seeterrasse im Electric Garden sitzt, weit und breit weder Menschen noch andere Häuser, nur silbrig-grünes Schilf und türkisfarbenes Wasser, dazu ein laues Lüftchen und ab und zu ein vorbeiziehendes Boot, der fragt sich: Wer ist eigentlich der Star bei diesem Event? Ist es nicht der Wörthersee mit seinem viel beschworenen Zauber, seinem weichen, warmen Wasser und dem tausendmal beschriebenen Farbenspiel? Würde man nicht alles essen, nur um hier auf der Terrasse dem See mit seinen sanften Wellen so nahe zu kommen wie kaum sonst wo? Am vergangenen Samstag lief in der ARD die „Starnacht am Wörthersee“. Gleich zu Beginn singt Melissa Naschenweng den Schlager „Wörthersee“: „Karibikflair am schenst’n See, wenn i auf ’n Pyramidenkogel aufi geh, und da Himmel is blau und die Luft is so lau.“ Wer noch nie hier war, denkt vermutlich: Schlagerkitsch, doch wer schon mal da war, denkt: Recht hat sie, und singt beseelt mit. Hubert Wallner, Österreichs „Gault Millau-Koch des Jahres 2020“, weiß, dass die Gäste seines Gourmetrestaurants am Südufer in Maria Wörth/Dellach nicht nur seine Speisekarte schätzen, sondern auch den Blick auf den See und die fußläufige Nähe zum Ufer.
Und so dachte sich der temperamentvolle Mann: Hier mache ich ein Hotel auf! Gesagt, getan – Wallner ist kein Zauderer. Handwerkermangel scheint zumindest auf seiner Baustelle kein Thema zu sein. Unmittelbar vor der Eröffnung des Hotels stellen Maler, Elektriker und Fliesenleger letzte Umbauarbeiten fertig. „Hier wird die Küche sein und da der Frühstücksraum“, erklärt Wallner: „Ich mag keine Frühstücksbüfetts. Bei uns wird serviert“, sagt Wallner. Außerdem habe man dann mehr Muße, den Blick auf den See zu genießen.
Aus Verschnarchtheit wird Entschleunigung
Tatsächlich ist es wohl die Kombination aus Lage und Service, die den Erfolg der „SeeEssSpiele“ ausmacht. Sicher, originell ist das nicht, aber die Touristiker vom Wörthersee haben dem, was die Region immer schon ausgemacht hat und in den letzten Jahrzehnten etwas verstaubt daherkam, ein entschieden modernes Gesicht verpasst. Aus Regionalität wurde Nachhaltigkeit, aus Verschnarchtheit Entschleunigung und was früher Jetset war, ist heute die LGBT-Bewegung. Seit einigen Jahren findet am Wörthersee Ende August das „Pink Lake Festival“ statt. Dass der Wörthersee ein typisch schwules Reiseziel sein soll, leuchtet nicht unmittelbar ein. Doch haben die Hoteliers und Wirte durch die schillernde Prominenz der 70er Jahre einiges an Toleranz gelernt. Zudem kommen vor allem auch ältere Schwule und Lesben, die sich in den großen Metropolen häufig diskriminiert fühlen, gern hierher. Am Wörthersee sind sie willkommen.
Wörthersee
Mit dem Zug über München und Salzburg nach Pörtschach (www.bahn.de, www.oebb.at)
Unterkunft
Parkhotel Pörtschach: Egal, aus welchem Zimmer man schaut, den See sieht man immer. Das liegt an der Lage auf einer Landzunge. Die Zimmer sind im 60er-Jahre-Stil eingerichtet. DZ/F ab 150 Euro. www.parkhotel-poertschach.at/ Werzers Hotel Resort in Pörtschach: Traditionshaus in schöner Seelage. DZ/F ab 200 Euro. https://resort.werzers.at/ Hotel Schloss Seefels. Luxuriöses Haus in Techelsberg. DZ/F ab 360 Euro. https://www.seefels.at/
Essen und Trinken
Unbedingt reservieren: Das Gourmet-Restaurant Hubert Wallner ist wochenlang im Voraus ausgebucht. https://hubertwallner.com. Auch für das direkt am Ufer gelegene, etwas preisgünstigere Bistro Südsee empfiehlt sich eine Reservierung: https://sued-see.at. Demnächst eröffnet das Hermitage Vital Resort, das direkt über den Restaurants liegt: DZ/F ab 145 Euro. https://hermitage.at. Der Name Werzers Badehaus führt etwas in die Irre, denn in dem historischen Gebäude aus dem Jahr 1895 befindet sich unter anderem ein sehr gutes Restaurant: https://badehaus.werzers.at Das Restaurant „Die Yacht“ befindet sich im Casino Velden. Besucher müssen durch den Spielbereich laufen, um zum abgetrennten Restaurantbereich zu gelangen: https://casinos.at/casinos/velden/casino-restaurant-die-yacht Das Gartenrestaurant Electric Garden befindet sich in einem ausgedienten Kraftwerk in Techelsberg. Man kann nur draußen sitzen. www.electricgarden.at
Veranstaltungen
SeeEssSpiele: Vom 28. September bis zum 1. Oktober 2023 findet in der Region Wörthersee-Rosental wieder das Gourmetfestival statt. Die beteiligten Hotels, Restaurants und Partnerbetriebe werden nach und nach bekannt gegeben. Man findet sie unter: https://see-ess-spiele.com. Auch im nächsten Jahr, Anfang Mai, gibt es das Event. St.-Margarethen-Runde: Wer sich bewegen will, dem sei der „Slowtrail Schaukelweg“ empfohlen. Den Wanderweg säumen viele Schaukeln und Liegen, auf denen man Rast machen und die Aussicht genießen kann. Man kann bis zum Pyramidenkogel in Keutschach wandern und von dort über den Wörthersee blicken. www.pyramidenkogel.info
Allgemeine Informationen
https://kaernten.at https://woerthersee.com