Viele Faxgeräte werden hauptsächlich noch bei der Arbeit genutzt. Foto: Kay Nietfeld/dpa

In Zeiten von E-Mails, WhatsApp und Co. wirken Faxgeräte geradezu antik. Trotzdem nutzen viele Menschen sie noch. Vor dem Hintergrund von Cyber-Angriffen kein Wunder. In puncto Sicherheit haben die Geräte einen Vorteil.

Stuttgart - Die Stuttgarter Messe, die Buchhandlung Osiander und das Staatstheater Stuttgart sind nur drei Orte, die in diesem Jahr Opfer von Cyber-Angriffen wurden. Die Messe konnte kürzlich keine E-Mails mehr empfangen und verschicken. Doch wie kommuniziert man in so einem Fall? Unserer Zeitung schickte das Unternehmen ein Fax, um über die Attacke zu informieren. Moment mal – ein Fax? Was war das noch mal?

Vor langer, langer Zeit, noch bevor Alexa, Siri und Co. Menschen anrufen, Termine vereinbaren und Nachrichten verfassen konnten, nutzten die Menschen andere Kommunikationsmittel. Rauchzeichen zum Beispiel, Telegrafen oder Briefe. Eine besonders in Büros beliebte Methode war das Faxen. Das liegt nicht ganz so weit zurück, wie die Verständigung durch Rauchzeichen. Für alle, die trotzdem noch nie davon gehört haben (oder es vergessen haben), das mit dem Faxen geht so: Man lege ein Dokument ein, wähle eine Nummer und tadaaa! Schon taucht dasselbe Dokument an einem anderen Ort auf. Magie? Nein, nicht wirklich. Nur ein bisschen in die Jahre gekommene Technik.

Vor wenigen Jahren waren Faxgeräte aus den Büros nicht wegzudenken. Heutzutage haben viele Menschen – besonders die jüngeren Generationen – so ein Gerät noch nie gesehen. Sie wissen nicht mal, dass man mit etlichen Druckern auch faxen kann. Gibt es also überhaupt noch Menschen, die Faxgeräte benutzen?

Eine Umfrage in der Stuttgarter Innenstadt zeigt: kaum. Meistens schütteln die Leute den Kopf. Viele Stuttgarter benutzen das Fax nicht einmal mehr bei der Arbeit. „Wir machen alles per E-Mail“, sagt Anne Fambach. Sven Moris Liebert ist da eine Ausnahme: Der Azubi schickt seine Krankmeldungen per Fax an die Arbeitsstelle. Sein Kumpel Leon hat sogar noch ein Faxgerät zu Hause. „Wenn ich wichtige Dokumente an Ämter schicken muss, mache ich das per Fax“, sagt der 22-Jährige. Seine Mutter benutzt es häufiger als er – für die Arbeit von zu Hause.

Stadt Stuttgart faxt fleißig

Außerhalb des Büros benutzt hierzulande kaum noch jemand ein Faxgerät. Damit liegt Stuttgart im Deutschlandtrend: Laut einer Umfrage der Plattform YouGov besitzen 16 Prozent der Deutschen ein Faxgerät. Im Jahr 2016 waren es noch 21 Prozent. Das Gros (38 Prozent) der befragten Faxgerätebesitzer nutzt das Gerät einmal im Monat oder seltener, nur drei Prozent nutzen es täglich.

Insgesamt haben die Menschen das Faxen also dicke. Zumindest als Massenkommunikationsmittel. Aber tot ist das Fax noch nicht: Die Stadt Stuttgart hat derzeit rund 650 Papierfaxgeräte in Gebrauch. Sie benutzt sie für den Austausch mit anderen Behörden, im Einzelfall auch im Austausch mit Privatpersonen oder Bestattungsunternehmen. „Auch im Zeitalter der E-Mail zeigt sich, dass Faxübertragungen noch wichtig sind, da sie – auch für Bürgerinnen und Bürger – einfach zu handhaben sind“, sagt Pressesprecherin Jasmin Bühler.

Wer Faxe verschicken will, braucht dazu nicht mal mehr ein entsprechendes Gerät: Man kann das inzwischen auch prima online erledigen. Die Nutzer benötigen dafür nur ein E-Mail-Konto. So können sie entweder eine Mail verschicken, die beim Empfänger als Fax ankommt, oder ein Fax als Mail empfangen.

Keine Viren- und Hackergefahr

Anja Gutacker ist Geschäftsführerin der Stuttgarter GTC TeleCommunication GmbH, die das Versenden von Faxen online anbietet. Sie erklärt: „Das Fax ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem verstaubten Gerät, das in der Ecke steht. Man muss es eher als Protokoll für den Transport von Informationen sehen.“ Das Fax stehe vor allem für Übertragungssicherheit: Im Gegensatz zur Mail bestehe keine Virengefahr, außerdem könne man Faxe nicht hacken. Zudem kommt dem Fax mehr Aufmerksamkeit zu als einer Mail, die man oft löscht, ohne sie richtig anzuschauen: „Der erste Blick ist dem Fax immer sicher, denn erst dann kann der Empfänger entscheiden, was es damit auf sich hat“, sagt Anja Gutacker.

Das Zuffenhausener Digital Copy Studio hat ähnliche Erfahrungen gemacht: Fünf bis zehn Faxe sendet der Copyshop täglich im Auftrag seiner Kunden. „Es ist schon weniger geworden in den vergangenen Jahren“, sagt ein Mitarbeiter, zeigt sich aber zuversichtlich: Ein paar Faxe pro Tag werden bleiben. Immerhin haben Schallplattenspieler auch eine Renaissance erlebt. Und wer weiß: Wenn wir in ein paar Jahrzehnten Daten über einen Chip im Hirn weitergeben, hält der ein oder andere Kassetten-hörende Oldtimerfahrer vielleicht immer noch am Fax fest.

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