Markus Söder ist erneut zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt worden. Bleibt er in der Heimat? Söder hat seine Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur noch nicht aufgegeben, kommentiert unser Redakteur Tobias Peter.
Dass Markus Söder erneut zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt worden ist, das ist ungefähr so überraschend wie die Tatsache, dass die Bayern gern Weißbier trinken. Oder dass zur Weißwurst ein süßer Senf gereicht wird. Bei der Wiederwahl durch die Abgeordneten im Landtag war sowieso klar, dass alles glatt gehen würde – hat doch die Koalition aus CSU und Freien Wähler eine satte Mehrheit.
Doch schon vor der Landtagswahl gab es keinen Zweifel: Die CSU würde den Regierungschef stellen. Das Parteiensystem differenziert sich auch in Bayern weiter aus – aber so schnell nun auch wieder nicht.
Merz kann sich nur selbst schlagen
Hat Söder noch eine Chance auf die Kanzlerkandidatur der Union? Er hat für die CSU zwar erneut die Landtagswahl gewonnen, aber ein standesgemäßes Ergebnis sind die 37 Prozent für die CSU nicht. Und: Friedrich Merz ist nicht deshalb drei Mal für den CDU-Vorsitz angetreten, weil er bei der Kanzlerkandidatur anderen den Vortritt lassen möchte. Merz ist die Kandidatur, Stand jetzt, kaum zu nehmen. Es sei denn, er schießt sich durch unbedachte Fehler selbst ins Aus. Auch dann wäre aber die Frage, ob nicht als nächster der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst am Zug wäre.
Mit Söder an der Spitze hätte die Union die letzte Bundestagswahl womöglich gewonnen. Allerdings hat er seine charakterlichen Defizite im Kampf gegen den damaligen CDU-Chef Armin Laschet so deutlich gezeigt, dass seine Chancen heute viel schlechter wären. Dass Söder nicht alle Ambitionen aufgegeben hat, ist klar geworden, als er Kanzler Scholz aufforderte, FDP und Grüne aus der Regierung zu werfen – und stattdessen eine große Koalition zu bilden. Merz passte Söders Vorstoß nicht in den Kram. Söder ist das egal. Das zeigt: Er lauert weiter. Auch auf seine Chance, Kanzlerkandidat zu werden.