Kathrin Leipold sprach über den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Foto: /Stefanie Schlecht

Die internationalen Wochen gegen Rassismus sind mit einem festlichen Programm aus Grußworten, Vorträgen und Musik in Sindelfingen eröffnet worden. Im ganzen Landkreis gibt es bis zum 24. März viele Angebote zum Thema Diskriminierung.

Mit mehr als 50 Veranstaltungen und Mitmachangeboten beteiligen sich dieses Jahr eine Vielzahl an Kommunen, Vereinen, Institutionen und Schulen an den internationalen Wochen gegen Rassismus im Kreis Böblingen, die vom Verein Landkreis Böblingen bleibt bunt mit der Geschäftsstellenleiterin Nina Born organisiert wurden. Die Spanne reicht von Diskussionsrunden über Lesungen und Ausstellungen bis hin zu Workshops und Kunstprojekten. Dabei werden unter dem Motto „Menschenrechte für alle“ die bis heute anhaltenden Probleme durch Diskriminierung und Ausgrenzung thematisiert.

 

Am Montag wurden die landkreisweiten Internationalen Wochen gegen Rassismus an der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen feierlich eröffnet. Carolina Monfort Monteri, die Integrationsbeauftragte des Landkreises Böblingen, führte beschwingt durch die Veranstaltung und der Lebenshilfe-Chor Leonberg umrahmte den Auftakt der Aktionswochen musikalisch.

Zusammenhalt in Zeiten von Krise und Verunsicherung

Kathrin Leipold vom Forschungszentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) in Konstanz erklärte in einem Vortrag, wie es gelingen kann, den gesellschaftlichen Wandel gemeinsam zu gestalten und wie man den Zusammenhalt in Zeiten von Krise, Verunsicherung, Ausgrenzung und zunehmenden Ressentiments stärken kann. Ein besonderes Augenmerk legte sie dabei auch auf die Rolle der Integrationsakteure, die an einem Zusammenhalt arbeiteten, sich für gleichberechtigte Teilhabe und demokratische Grundwerte einsetzten.

Die internationalen Wochen gegen Rassismus sollen auch daran erinnern, dass man sich jeden Tag aufs Neue gegen Fremdenhass einsetzen muss. Ein Mann, der das tut, ist der Rechtsanwalt Abdulselam Aslandur, der auch als juristischer Berater der Antidiskriminierungsberatungsstellen in Baden-Württemberg tätig ist. Der in Karlsruhe geborene und aufgewachsene Jurist, Politologe und Islamtheologe sprach bei der Auftaktveranstaltung über die Menschenrechte und wie sich das „Recht auf Mensch sein“ umsetzen lässt, welche Ansätze zielführend sind und was es mit der Arbeit der Antidiskriminierungsstellen auf sich hat.

Rechtsanwalt Abdulselam Aslandur ist als juristischer Berater für die Antidiskriminierungsberatungsstellen in Baden-Württemberg tätig /Stefanie Schlecht

Böblinger Antidiskriminierungsstelle startet im Sommer mit der Beratung

„Seitdem das allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) 2006 in Kraft getreten ist, gibt es die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die im Getöse des politischen Berlin dafür Sorge trägt, dass unser gemeinsamer Anspruch, Menschenrechte konkret im Alltag zu verwirklichen, durch den Gleichheitssatz nicht vergessen wird“, so Aslandur. Bei den lokalen Antidiskriminierungsstellen, wie es nun ganz neu auch eine in Böblingen gibt, würden Menschen Gehör finden, denen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer Behinderung – den drei häufigsten Diskriminierungsgründen – Unrecht getan worden sei. „Hier können die Ratsuchenden in einem geschützten Raum über ihre Erfahrungen sprechen und wir können Handlungsstrategien erarbeiten“, erklärte die Rechtsanwältin Cornelia Riethmüller, die gemeinsam mit Nina Born die Antidiskriminierungsstelle leiten wird. Voraussichtlich im Sommer wird mit dem Beratungsangebot im Röhrer Weg 8 gestartet.

Auch der Böblinger Landrat Roland Bernhard war zur Auftaktveranstaltung der Aktionswochen gekommen und sagte in seiner Rede, es sei Zeit aufzustehen und Farbe zu bekennen, Antisemitismus und Rassismus die Stirn zu bieten und diesen Spirit auch nach außen zu tragen.