Unsere Börsenexperten blicken auf die kommende Woche. Heute: Die Inflation in Deutschland und im Euroraum geht ihren gewünschten Gang. Doch der EZB sei mehr Klarheit zugestanden, bevor sie reagiert, meint Matthias Schiermeyer.
Die rückläufigen Inflationsdaten haben den deutschen Aktienmarkt weiter angeheizt – wenngleich der Leitindex Dax im Verlauf der vorigen Woche unter seinem am Dienstag erreichten Rekordstand geblieben ist. „Die Inflation entwickelt sich sehr erfreulich“, sagt LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer. Übers Jahr gesehen werde sich die Teuerungsrate, die im März 2,2 Prozent betrug, zwischen 2,0 und 2,5 Prozent einpendeln.
Ein Risiko sieht er allenfalls in allzu hohen Tarifabschlüssen nach mageren Jahren im Dienstleistungssektor, die auf die Lohnkosten durchschlagen und die Inflation in dem Bereich hochtreiben könnten. Es spreche aber viel dafür, „dass wir da nicht völlig aus dem Rahmen fallen“.
„Erstmals ist Zinssenkung fest eingepreist“
Im Euroraum hat sich die Inflation überraschend auf 2,4 Prozent abgeschwächt. Die Klarheit wächst, doch macht die Europäische Zentralbank (EZB) noch keine Anstalten, mit einer Leitzinssenkung zu reagieren. Die EZB verfolge mit „Argusaugen“ die Tarifabschlüsse in der Eurozone, und dieser Trend gehe in die richtige Richtung, meint Kraemer. Präsidentin Christine Lagarde fühle sich „ganz kommod“ mit der Lohnentwicklung, wolle aber noch ein bisschen zuwarten.
Insofern erwarte die LBBW, dass bei der Ratssitzung am nächsten Donnerstag „wieder nix passiert, sondern dass erst am 6. Juni die Zinsen gesenkt werden“, sagt der Ökonom voraus. „Zum ersten Mal ist es eigentlich fest eingepreist, würde ich sagen.“ Derzeit laufe alles so ab, „wie es sich Lagarde & Co eigentlich nur wünschen können“.
Bereits am Mittwoch werden die US-Verbraucherpreise für März bekannt gegeben – sie dürften Aufschluss darüber geben, ob die Notenbank Fed ebenso im Juni ihre Leitzinswende vollziehen kann. Weil ein weiterer Inflationsanstieg erwartet wird, wächst auch die Skepsis. Immerhin mindert die Stärke der US-amerikanischen Wirtschaft den auf der Fed lastenden Entscheidungsdruck.