Alexander Gauland hat Historikern zufolge rhetorische Parallelen zu Adolf Hitler. Foto: dpa

Der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, hat Historikern zufolge rhetorische Parallelen zu Adolf Hitler.

Berlin - Namhafte Historiker sehen in einem Zeitungsbeitrag von AfD-Chef Alexander Gauland rhetorische Parallelen zu einer Rede Adolf Hitlers. Duktus und Argumentation seines Gastbeitrages in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (6. Oktober) erinnerten an eine Rede Hitlers von 1933 in Berlin-Siemensstadt, schreibt der renommierte Antisemitismus- und NS-Forscher Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag für den Berliner „Tagesspiegel“ (Mittwoch).

Gaulands Text sei „ganz offensichtlich eng an den Hitlers geschmiegt“. Es handele sich nicht um ein Plagiat, aber um eine Paraphrase. Gauland selbst wies die Anschuldigungen zurück. Er kenne keine entsprechende Passage von Hitler, sagte er dem „Tagesspiegel“.

Benz schrieb, es wirke so, „als habe sich der AfD-Chef den Redetext des Führers von 1933 auf den Schreibtisch gelegt, als er seinen Gastbeitrag schrieb“. Darin hatte Gauland die angebliche Heimatlosigkeit der Eliten angeprangert. Eine „globalistische Klasse“ gebe kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder fühlten sich in einer abgehobenen Parallelgesellschaft als Weltbürger. Ihnen gegenüber stünden „diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen“.

Vorwurf: Gauland jubelt Anhängern „Adolf Hilter light“ unter

Hitler wiederum hatte den Historikern zufolge in seiner Rede von 1933 gegen „eine kleine, wurzellose, internationale Clique“ Front gemacht, die überall und nirgends zu Hause sei, heute in Berlin lebe und morgen in Brüssel. Das Volk aber könne ihnen nicht nachfolgen, es sei „gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation“.

Der Historiker Benz schreibt dazu nun im „Tagesspiegel“, Gauland habe die Kritik an der „internationalen Clique“ für den heutigen Sprachgebrauch modernisiert. Der Zeithistoriker Michael Wolffsohn sagte dem Blatt: „Es ist schlimm, dass Gauland seinen gebildeten Anhängern signalisiert, dass er Rede und Duktus Hitlers kennt und dass er die gegen die Juden gerichteten Vorwürfe Hitlers nun auf die Gegner der AfD von heute überträgt.“ Wer die Hitler-Rede dagegen nicht kenne, dem jubele Gauland „Adolf Hitler light“ unter.

Auch der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erkennt bei Gaulands Text und Hitlers Siemensstadt-Rede Parallelen: „Hitlers Anhänger verstanden ihn und schrien bei seinen Parolen gegen die internationalen Eliten ,Juden dazwischen - selbst dort, wo er sie nicht direkt erwähnte.“ Genau das solle dieser Text von Gauland jetzt wieder erreichen. „Nur dass nicht die Juden gemeint sind, sondern wir. Die Demokraten dieses Landes“, schreibt Gabriel.

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