Ärger in S-Nord An der Nordbahnhofstraße türmen sich gelbe Säcke

Von Eva Funke 

Anne Schmich (l.), ihre Mitarbeiter und Kundin Carola   Ott (2. v. r.) Foto: Eva Funke
Anne Schmich (l.), ihre Mitarbeiter und Kundin Carola Ott (2. v. r.) Foto: Eva Funke

Anwohner an der Stuttgarter Nordbahnhofstraße klagen über bergeweise gelbe Säcke. Die SPD im Bezirksbeirat Nord fordert „Ordnungsmaßnahmen“ gegen unsachgemäße Müllentsorgung.

S-Nord - Vor Annes Salon, einem Friseurgeschäft an der Nordbahnhofstraße, türmen sich seit Tagen die gelben Säcke. Erst waren es nur wenige. Mittlerweile quellen sie über den Baumring aufs Trottoir. „Das sieht schlimm aus und stinkt auch noch“, schimpft Anne Schmich und stellt fest, dass vor einer Woche alles noch viel schlimmer war: „Da stand der Sperrmüll auf der Straße, und es war kaum ein Durchkommen“, sagt die 62-Jährige. Ihre Nachbarin Yeter Cirittci-Göker spricht von „Geschäftsschädigung“. Sie betreibt das Burger-Bistro „Eat in Nord“ und fürchtet, dass ihre Gäste wegbleiben: „Keiner will vor stinkenden Müllbergen essen.“

Für die Vermüllung sind die Anwohner verantwortlich

Schuld an dem Müllchaos, dass sich mitunter bis zu 500 Meter ausdehnt und auch in die Seitenstraßen schwappt, ist nicht die Abfallwirtschaft Stuttgart, die Sperrmüll auf Bestellung nicht abholt. Und es sind auch die Entsorgungsunternehmen, die alle drei Wochen die gelben Säcke mitnehmen. Für die Vermüllung ihrer Straße sind die Anwohner verantwortlich. „Obwohl es bis zur Abfuhr noch lang hin ist, stellen sie alles raus“, sagt Anwohner Fabian Walz (22) und ärgert sich, dass der Charme seiner Straße unter Müllbergen verschwindet.

Und Carola Ott, Stammkundin im Salon Anne, geht davon aus, dass viele Anwohner gar nicht wissen, dass sie nicht jeden Tag ihren Müll rausstellen dürfen. „Viele Bewohner kommen aus anderen Kulturkreisen und kennen die Gepflogenheiten hier nicht“, sagt die 83-Jährige.

Bußgelder sind denkbar

Da will jetzt die SPD im Bezirksbeirat ansetzen. Mit ihrem Antrag, den sie in der kommenden Sitzung stellen wird, soll die Stadt aufgefordert werden, durch „Ordnungsmaßnahmen dauernde unsachgemäße Lagerung von gelben Säcken im öffentlichen Raum außerhalb der Abholtermine“ zu verhindern. Solche Maßnahmen kann laut Bezirksbeirat Axel Alt ein Schreiben an die Hausbesitzer sein. Alt: „Die sind verantwortlich und müssen ihre Mieter darauf hinweisen, dass gelbe Säcke und Sperrmüll frühestens am Abend vor der Abholung vors Haus gestellt werden dürfen.“ Auch Bußgelder seien denkbar. „Wer Müll tagelang auf der Straße lagert, begeht eine Ordnungswidrigkeit“, sagt Alt und fürchtet, dass der Müll Ratten anlockt.

Bei der Abfallwirtschaft Stuttgart kennt man das Problem – zumindest was den Sperrmüll angeht. „Im Bereich Nordbahnhof-/Rosensteinstraße kommt es immer wieder zu unerlaubten Ablagerungen“, stellt ein Sprecherin fest. Der Sperrmüll wurde vor kurzem abgeholt. Mit den gelben Säcken vor der Tür müssen die Anwohner aber noch bis kommenden Mittwoch leben. Dann werden auch sie entsorgt.

Redaktion Stuttgart-Nord

Ansprechpartnerin
Dr. Eva Funke
s-nord@stz.zgs.de

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