Wasser und Abwasser müssen bezahlt werden. Die Bürger in Aidlingen müssen eine kräftige Erhöhung hinnehmen. Foto: picture alliance/dpa/Federico Gambarini

Die Abwassergebühren der Gemeinde Aidlingen steigen kräftig. 1,15 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 müssen dieses Jahr bezahlt werden. Die Einwohner hätten jahrelang von den auch im Vergleich zu Nachbarkommunen viel niedrigeren Gebühren profitiert und da habe sich niemand beschwert.

Die Abwassergebühren in Aidlingen werden noch einmal erheblich teurer. Auf die bereits im vergangenen Dezember beschlossenen kostendeckenden Gebühren von 3,79 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser und 70 Cent pro Kubikmeter Niederschlagswasser kommen noch einmal ein Euro beziehungsweise 20 Cent obendrauf, um zumindest einen Teil der Unterdeckung von 1,15 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 zu erwirtschaften. Eine Mehrheit stimmt diesem Antrag zu, der Rathauschef Ekkehard Fauth enthielt sich.

 

Unterdeckung 2024 erwirtschaften

Unstrittig war die kostendeckende Gebühr. Wobei allein schon diese fast eine Verdreifachung des vorher bestehenden Satzes von 1,30 Euro beim Schmutzwasser und nahezu das Doppelte beim mit 40 Cent pro Kubikmeter zu Buche schlagenden Niederschlagswasser bedeutete. Und auch dazu führte, dass Aidlinger Bürgerinnen und Bürger in größerer Anzahl zur Sitzung kamen.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Neuberechnung die Gebührenkalkulation durch die von der Gemeindeverwaltung beauftragte Firma Heyder + Partner. Diese legte offen, dass die Aidlinger Abwassergebühren seit Jahren viel zu niedrig angesetzt waren. Hinzu kamen Investitionsmaßnahmen in der Kläranlage, was sich unter dem Strich allein für das Jahr 2019 zu einem satten Minus von 1,15 Millionen Euro addierte. „Unterdeckungen aus dem Jahr 2019 können nur noch 2024 erwirtschaftet werden“, machte Kämmerin Fiona Rennert klar.

„Blindflug“ bei Jahresabschlüssen

Schon bei früheren Gelegenheiten hatte Grünen-Gemeinderat Siegmund Zweigart den haushaltstechnischen „Blindflug“ aufgrund fehlender Jahresabschlüsse seit 2019 moniert. „Das war vor meiner Zeit“, hielt die amtierende Kämmerin dagegen. „Rathaus-Bashing“ würde nicht weiterhelfen, sprang SPD-Gemeinderat Achim Haustein der Verwaltung zur Seite. Außerdem hätten die Einwohner jahrelang von den auch im Vergleich zu Nachbarkommunen viel niedrigeren Abwassergebühren profitiert und da habe sich niemand beschwert.

Dem von der Verwaltung vorgelegten Beschlussantrag (6,40 Euro für den Kubikmeter Schmutzwasser und 1,05 Euro fürs Regenwasser) mochte außer dem Schultes keiner zustimmen. Mehrheitlich auch nicht dem Kompromissvorschlag vom Freien-Rat Matthias Harr mit einer Erhöhung um 1,50 Euro und 15 Cent. Erst CDU-Fraktionschef Thomas Rott fand mit einem Euro mehr beim Schmutzwasser und 20 Cent Plus beim Niederschlagswasser Zustimmung.