Nach sieben Jahren Bauzeit rund um die Haltestelle Staatsgalerie geht am Wochenende die neue Verbindung der Stadtbahn zum Hauptbahnhof in Betrieb.
Es sind nur gut 370 Meter neuer Tunnel, durch den die Stadtbahnen der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) von Sonntag an fahren. Doch das städtische Nahverkehrsunternehmen setzt große Hoffnung auf die beiden Röhren, mit deren Inbetriebnahme die gut siebenjährige Umbauphase rund um die Haltestelle Staatsgalerie endet.
Haltestelle musste verlegt werden
„Für uns ist das ein echter Meilenstein“, sagte SSB-Chef Thomas Moser bei einer Begehung der Tunnel am Freitag. Mehr als sieben Jahre lang war das SSB-Netz an dieser Stelle häufigen Einschränkungen unterworfen. Die frühere Haltestelle Staatsgalerie war den Bauarbeiten für Stuttgart 21 im Weg, deswegen mussten ein neuer, rund drei Meter höher liegender Halt sowie neue, an die Haltestelle anschließende Tunnel gebaut werden. Das Nahverkehrsunternehmen passte über die Jahre ihr Netz den jeweiligen Bauzuständen an, Fahrgäste mussten sich an neue Linienführungen gewöhnen.
Damit ist am Sonntag Schluss. Dann gehen die beiden Tunnelröhren zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Hauptbahnhof sowie das dritte Bahnsteiggleis am Halt Staatsgalerie als letztes Teilstück des komplizierten Umbaus in Betrieb. An der neuen Haltestelle stoppen schon seit rund drei Jahren Stadtbahnen. Die SSB sind derzeit mit Mängelbeseitigungen befasst: Zwei Treppenabgänge, an denen sich undichte Stellen gezeigt haben, sind aktuell gesperrt.
Keine Schulungsfahrten fürs Personal
Den Mitarbeitern des Nahverkehrsunternehmens steht vor der Inbetriebnahme der neuen Verbindungen noch eine Nachtschicht bevor. Erst in der Nacht auf Sonntag werden Signale und die Sicherungstechnik in der Leitstelle eingebunden. Bei Testfahrten, die von Ende Oktober an in mehreren Nächten stattgefunden haben, sei das System auf Herz und Nieren getestet worden. „Wir haben sämtliche Strecken befahren. Das klappt“, sagt Alexander Schirling, der bei den SSB für die Technische Infrastruktur zuständig ist. Schulungsfahrten fürs Fahrpersonal habe es nicht gegeben.
Häufig Eingriffe in den Verkehr
Das neue Tunnelstück habe es bautechnisch in sich. Die Röhre für das Gleis in Richtung Staatsgalerie taucht unter den beiden Gleisen in Richtung Charlottenplatz hinweg. Zudem unterqueren die neuen Tunnel den an dieser Stelle ebenfalls verlegten Kanal des Nesenbachs. Die Baustelle selbst nahm immer wieder verschiedene Bereiche der Schillerstraße in Anspruch. Der oberirdische Verkehr, darunter auch SSB-Buslinien, musste immer wieder umgeleitet werden.
Die vor dem Umbau bestehenden Tunnel wurden abgerissen, wo sie den Stuttgart-21-Neubauten im Weg waren. Lediglich ein Abschnitt des Bestands im Untergrund vor dem Gebäude des Königin-Katharina-Stifts blieb erhalten. Zwischen den beiden neuen Tunneln kann dort künftig in einem Abschnitt der bisherigen Röhren eine Bahn abgestellt werden. Sonder- und Zusatzzüge sollen diese sogenannte Kehranlage nutzen und so den Betrieb flexibler machen.
Eine gewisse Flexibilität müssen auch die Fahrgäste an den Tag legen. Die SSB organisieren zum Fahrplanwechsel Teile ihres Netzes neu. So fährt künftig die U 1 von Fellbach kommend ab der Haltestelle Staatsgalerie via Hauptbahnhof nach Heslach. Die U 14 hingegen lässt künftig den Hauptbahnhof aus und fährt von der Staatsgalerie via Charlottenplatz nach Vaihingen.
Premierenfahrt für Frühaufsteher
Am Samstag gibt es eine kleine Feier zur Eröffnung des Streckenabschnitts. Wer bei der echten Premierenfahrt dabei sein will, muss früh aufstehen. Am Sonntag startet die U 9 um 4.14 Uhr am Hauptbahnhof als erste Bahn durch die neuen Tunnel zur Staatsgalerie, die U 1 um 4.25 Uhr ab Staatsgalerie ist die erste Fahrt in der Gegenrichtung.
Oldtimerverkehr kehrt zurück
Eröffnungsfahrt
Auch eine der beiden Oldtimerlinien der SSB war von den umfangreichen Umbauarbeiten rund um die Haltstelle Staatsgalerie betroffen. Die Linie 21, die am Straßenbahnmuseum in Bad Cannstatt startet, eine Runde durch die Innenstadt dreht und dann wieder ans Museum zurückkehrt, fährt am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, erstmals wieder. Die Eröffnungsfahrt startet um 10.40 Uhr am Museum, ab 11.40 Uhr sind die Schienenoldtimer alle halbe Stunde unterwegs. Zur Feier des Tages soll auch ein moderner Stadtbahnzug in der Gestaltung der alten Straßenbahnen gezeigt werden.