Heiko Volz (links) spricht das Äffle, Volker Lang das Pferdle. Foto: factum/Weise

Die Sprecher von Äffle und Pferdle, Heiko Volz und Volker Lang, erzählen im Scala von ihren Rollen. Fast hätte das Pferdle einen anderen Begleiter bekommen.

Ludwigsburg - Sie sind seit fast 60 Jahren Teil des schwäbischen Kulturguts, ihr bekanntestes Lied schaffte es zwei Jahre in Folge in die SWR-1-Hitparade, sie verfügen über eine eigene Schokoladensorte und auf Facebook gibt es – außer beim VfB – in Baden-Württemberg keinen Akteur mit mehr Followern. Die Rede ist natürlich von Äffle und Pferdle, den sympathisch-kauzigen Zeichentrickfiguren des Süddeutschen Rundfunks, heute Südwestrundfunks, die ihre Karriere als simple Werbetrenner begannen und heute ebenso Teil des Schwabentums sind wie die Kehrwoche oder Linsen mit Spätzle.

Insofern ist es konsequent, wenn die beiden Herren, die den Figuren ihre Stimme geben, Heiko Volz und Volker Lang, am Sonntagnachmittag im Scala in Ludwigsburg auftreten. Nicht nur, weil dort derzeit Schwabenwochen sind. Sondern auch, weil Äffle und Pferdle knapp 16 Jahre Zwangspause hatten und daher vor allem beim jüngeren Publikum ein bisschen Werbetrommel gut tut: Mit dem Ende des regionalen Werbeprogramms beerdigte der Sender im Jahr 2001 auch die kurzen tierischen Zeichentrick-Spots. Im Mai 2017 schafften die Kultfiguren ihr Comeback als Rausschmeißer nach der Landesschau. Die Zuschauerränge im Scala am Sonntag sind jedenfalls gut gefüllt, als die beiden Autoren auf die Bühne kommen.

Falsches Programm?

„Guten N´abend“, begrüßt der Journalist, TV-Moderator und Äffle-Sprecher Heiko Volz die Gäste mit gekünstelt hoher Stimme. Er schreibt die Geschichten von Äffle und Pferdle und sein Einstiegswitz hier im Scala ist es, die Konkurrenz zu imitieren: die Mainzelmännchen. „Falsches Programm“, gibt er gleich darauf Entwarnung. Hier geht’s um Äffle und Pferdle und auf die Zuschauer wartet gut eine Stunde Unterhaltung auf Schwäbisch: Äffle und Pferdle live vorgelesen aus den Büchern, gewürzt mit Anekdoten rund um die Erfolgsserie.

Zum Einstieg gibt es aber eine Kinopremiere: Ein SWR-Film aus dem Jahr 1990, als Äffle und Pferdle 30 Jahre alt geworden sind. 1500 Spots sind in dieser Zeit entstanden. Der Film zeigt Schnipsel durch die Jahre hindurch, auch aus einer Zeit, als das Pferdle noch alleine war, schwarz-weiß, ohne Sprache, ohne Kleidung, nur ein Strichpferdchen mit stark geschwellter Brust, unterlegt mit lustig klingender Musik. Gerade an diesen Spots sieht man, wie weit die Spots der ersten Stunden von den späteren Schnipseln entfernt sind.

Der Erfinder stammt ursprünglich aus Bayern

Volker Lang spricht heute das Pferdle. Ursprünglich hatte die Rolle sein älterer Bruder Armin inne. Der 1996 verstorbene Musikproduzent hat beide Figuren entwickelt und ihnen auch seine Stimme geliehen – obwohl Lang aus Bayern stammte, hatte er das Schwäbisch schnell intus.

Das Pferdle ist eine Anlehnung ans Stuttgarter Wappentier, das Äffle kam später als „menschlicherer“ Part dazu, wie Volker Lang erzählt. Ebenfalls im Rennen waren ein Dachs und ein Goldhamster mit dem Namen „Maultäschle“. Weil in Stuttgart damals aber jüngst das Affenhaus in der Wilhelma eröffnet worden war, machte das Äffle das Rennen. Später gesellte sich noch Schlabbinchen, eine Hundedame aus der Kurpfalz, zu den beiden – irgendwie musste der badische Teil ja auch abgedeckt werden.

Ein Kindermusical von Äffle und Pferdle ist in Planung

Auch die Tatsache, dass heute Volz und Lang die Rollen sprechen, ist eher einem Zufall zu verdanken, wie Volz zugibt. Nach dem Tod von Armin Lang gab es ein Stimmen-Casting. „Und wir saßen dabei eigentlich in der Jury“, erzählt Volz. Weil kein Kandidat so recht überzeugen konnte, machten Lang und Volz beim nächsten Casting einfach selbst mit.

Die Witze, die Volz und Lang im Scala bringen, sind häufig Wortwitze, zum Beispiel wird juckende Unterwäsche als Reizwäsche bezeichnet oder der englische Begriff für „nix schaffe“: Networking. Die Lacher im Publikum haben die beiden meist auf ihrer Seite. Doch manchmal wirkt das Blättern und Vorlesen in den Büchern etwas beliebig, so als würden die beiden auf der Bühne erst entscheiden, welche Geschichten sie vorlesen. So richtig Schwäbisch wird’s aber trotzdem gelegentlich, wenn stammesübliche Gepflogenheiten aufs Korn genommen werden: „Viel nehmen, wenn’s nix kostet – so lautet das schwäbische Optimalprinzip.“ Oder wenn das Pferdle von neugierigen Nachbarn dabei erwischt wird, wie es selbst neugierig rüberguckt.

Einen kleinen Werbeblock legt Volz auch ein: In diesem Jahr wird es zwei weitere Bücher mit Äffle-und-Pferdle-Geschichten geben, eine dritte Staffel als Landesschau-Rausschmeißer ist in Planung, ebenso wie ein Kindermusical der beiden Zeichentrickfiguren.

Einem in der Fragerunde geäußertenPublikumswunsch können die beiden am Ende nicht entsprechen: Es gibt keine spontane Gesangseinlage vom berühmten Hafer- und Bananen-Blues. Es fehlt die dazugehörige Schwabenrockband Muggabatschr. Volz verspricht aber ein Wiedersehen: im kommenden Jahr tritt die Band zu den Schwabenwochen im Scala auf.

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