Pfarrer Kurt Wolff (rechts mit seiner Frau Marianne) wurde von Stadtdekan Sören Schwesig (links) „entpflichtet“. Foto: Knut Krohn

Kurt Wolff wird nach 14 Jahren als Seelsorger in der Paulusgemeinde mit einem Gottesdienst und einer emotionalen Feier in den Ruhestand verabschiedet.

S-West - Ein seltener Anblick. Die Pauluskirche war voll, wie sonst nur an Weihnachten. Der Anlass war für die Kirchengemeinde ein eher trauriger. Pfarrer Kurt Wolff ging am 11. März nach 14 Jahren im Westen in den Ruhestand. In einem festlichen, emotionalen Gottesdienst wurde er von Stadtdekan Sören Schwesig „entpflichtet“. Da für Kurt Wolff während seiner Zeit als Pfarrer die Musik nach eigenen Worten „immer ganz oben stand“, wurde der Festakt vom Paulus-Chor und Paulus-Orchester sowie vom Posaunenchor der Paulusgemeinde musikalisch mitgestaltet.

Das Amt des Pfarrers als Berufung

Deutlich wurde, dass Wolff sein Amt weniger als Beruf, denn als Berufung verstand. Das machte der Stuttgarter Schriftsteller Gilbert Fels in einer kurzen Laudatio im Rahmen einer Abschiedsfeier nach dem Gottesdienst deutlich. Er selbst stehe der Kirche eher fern, gestand er, musste aber mit einigem Erstaunen einräumen, dass er wider Erwarten von Wolff mit offenen Armen in der Gemeinde aufgenommen worden sei. Nicht nur der ausgeprägte Kunstsinn habe ihn an Wolff fasziniert, sondern auch dessen Offenheit, Neugier und Freundlichkeit, die sich als zentrale Wesenszüge dieses Mannes schnell dem Gegenüber offenbarten. Für unzählige Veranstaltungen habe Wolff das Gotteshaus zur Verfügung gestellt und habe die Kirche zu einem Ort gemacht, der alle Menschen einlädt. Und nun, fuhr Gilbert Fels fort, setze eine „absurde deutsche Kirchenbürokratie“ diesen Mann vor die Tür. „Ich fasse es noch immer nicht“, raunte der Schriftsteller.

Das Gemeindeleben im Westen geprägt

Dieses Gefühl beschlich offensichtlich auch viele andere Mitglieder der Paulusgemeinde. Immer wieder war zu hören, dass der Abschied von Kurt Wolff zwar ein klares Datum hatte, dann aber dennoch überraschend kam.

Auch Monika Wenger, die Vertreterin des Kirchengemeinderates, skizzierte, wie sehr Kurt Wolff das Gemeindeleben im Stuttgarter Westen geprägt hat. „Es drängt sich ein Wort auf, das heute im Gebrauch seltener geworden ist: Vorbild“, sagte sie zum Abschied. Er habe nicht nur Worte gepredigt, sondern habe sich nicht gescheut, sich der vielen Herausforderungen, die sich stellten, auch selbst anzunehmen.

Dabei habe Kurt Wolff aber nie ein Aufheben um seine Person gemacht, unterstrich Monika Wenger. Er habe seinem täglichen Tun den Anstrich so unglaublicher Selbstverständlichkeit gegeben, dass man fast übersehen konnte, mit wie viel Kraft und Überzeugung er als Pfarrer sein Amt verrichtete. Es war nicht abzusehen, dass Kurt Wolff eines Tages in Stuttgart als Seelsorger landen würde. Geboren wurde er in Siebenbürgen. Nach dem Theologiestudium in Hermannstadt arbeitete er sieben Jahre als Pfarrer in einer Landgemeinde am Fuße der Karpaten. 1984 kam Wolff mit seiner Familie in die Bundesrepublik.

Nach unterschiedlichsten Zwischenstationen arbeitete er ab 1987 in Ulm-Wiblingen im Dienst der Württembergischen Landeskirche. Vor dort führte ihn sein Weg 2004 in die Paulusgemeinde im Stuttgarter Westen.

Seit 2004 in der Paulusgemeinde

Kurt Wolff lauschte all den Rednern mit manchmal ungläubigem Lächeln. Und als der Mann, der in seinem langen Pfarrerleben wohl mehrere Tausend Predigten gehalten hat, am Ende noch einmal zum Dank das Wort ergreifen sollte, musste er eingestehen, dass er sprachlos war. „Möge Gott seine schützende Hand über uns allen halten, bis wir uns wiedersehen“, sagte er schließlich. Kurt Wolff wird seine Zelte in Stuttgart abbrechen und nach Berlin ziehen. Er versprach aber, immer wieder zu Besuch zurück zu kommen.

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