Der Energiekonzern EnBW setzt mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden auf eine interne Lösung. Mit der Ernennung des krisenerprobten Georg Stamatelopoulos korrigiert der Aufsichtsrat auch einen eigenen Fehler, meint Andreas Schröder.
Bei der Mitteilung des EnBW-Aufsichtsrates muss man nicht zwischen den Zeilen lesen. Statt der sonst meist schmallippigen Mitteilung, man habe sich in gegenseitigem Einvernehmen getrennt, benennt der EnBW-Aufsichtsratschef Lutz Feldmann klar, warum Andreas Schell den Chefposten des Energieversorgers verlassen hat oder letztlich verlassen musste: Chef und Aufsichtsrat konnten sich über Monate nicht einigen, wie es bei der EnBW strategisch weitergehen soll. Und das mitten in der Energiewende und angesichts weltweiter geopolitischer Krisen und Kriege wie dem zwischen Russland und der Ukraine; in Zeiten also, in denen der Konzern trotzdem eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung für Bürger und Unternehmen gewährleisten muss. Interne Streitigkeiten wirken sich da noch lähmender aus als in ruhigen Zeiten.
Und wenn der neue Chef Georg Stamatelopoulos, der seit 15 Jahren an zentralen Stellen im Unternehmen wirkt, bestens vernetzt ist und als besonnener Fachmann geschätzt wird, davon spricht, er wolle in der Energiewende von Strom über Wärme bis zur Mobilität das „richtige Tempo“ beibehalten, die „richtigen Maßnahmen“ ergreifen und in die „richtigen Projekte“ investieren, dann ist offensichtlich, was das heißt. Schell hat nicht nur nach Ansicht seines Vorstandskollegen an entscheidenden Stellen vieles falsch gemacht. Keinen Rückhalt im Aufsichtsrat und im Vorstand, zunehmende Kritik aus der Belegschaft – der Manager und Mensch Schell hat in seiner knapp 16 Monate kurzen Amtszeit nie Fuß gefasst. Stamatelopoulos hingegen wird intern „Stama“ genannt, das sagt etwas aus über seine Akzeptanz im Konzern. Und Aufsichtsratschef Lutz Feldmann nennt ihn einen „überzeugten Teamplayer“ – ein weiterer Seitenhieb gegen Schell.
Schell hatte einen schweren Stand
Dem wiederum gebührt Respekt, seinen Rücktritt angeboten und damit weiteren Diskussionen um seine Person ein Ende bereitet zu haben. Schell hatte von vorneherein einen schweren Stand. Denn mit der Ernennung von Stamatelopoulos hat der Aufsichtsrat – besetzt mit Vertretern von Landesregierung, Kommunen, Industrie und Gewerkschaft – eine Entscheidung korrigiert, die sich als Fehler erwiesen hat: die Berufung eines branchenfremden Managers. Schell-Vorgänger Frank Mastiaux kam vom Energieriesen Eon, bei der EnBW leitete er in seiner zehnjährigen Amtszeit erfolgreich die Entwicklung weg von der Atomkraft hin zu erneuerbaren Energien ein. Stamatelopoulos muss nun beweisen, dass er daran anknüpfen und die versprochenen „richtigen Maßnahmen“ ergreifen kann.